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Augusta Vindelicorum

20.04.2012 @ 05:28, Rolf H.,

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Augusta Vindelicorum (auch Augusta Vindelicum) ist der römisch-antike Name der Stadt Augsburg. Wohl unter Kaiser Trajan (98–117 n. Chr.) wurde sie zur Hauptstadt der römischen Provinz Raetia erhoben. Diese römische Provinz reichte vom Bodensee (Lacus Brigantinus) bis zum Inn (Aenus) und unterteilte sich seit dem 4. Jahrhundert in Raetia prima (südlicher Teil) mit der Hauptstadt Chur und in Raetia secunda (nördlicher Teil) mit der Hauptstadt Augsburg. Raetien umfasste ursprünglich das heutige Gebiet von Schwaben mit dem Allgäu, Oberbayern und Niederbayern südlich der Donau, Oberschwaben und Ost-Württemberg, Teile von Tirol, Vorarlberg und der Schweiz.

Nach der Reichsreform unter Kaiser Diokletian umfasste Raetia Secunda lediglich noch die heutigen bayerischen Regierungsbezirke Schwaben und Oberbayern sowie Teile von Tirol.

Namensherkunft


Der erste Name Augusta stellt die weibliche Form von Augustus dar, zu Ehren des Kaisers Augustus, unter dessen Regierungszeit im Jahre 15 v. Chr. der Eroberungsfeldzug nach Rätien erfolgte und ein Militärlager als Keimzelle der späteren Stadt errichtet wurde. Die Femininisierung des Namens beruht darauf, dass das natürliche Geschlecht von Städten in der lateinischen Sprache weiblich ist (vgl. Roma, Moguntia, Colonia Agrippina). Mehrere Gründungen aus dieser Zeit tragen den ersten Namen Augusta, der zur näheren Bezeichnung mit einem zweiten Namen versehen wurde, im deutschen Sprachraum Augusta Raurica und Augusta Treverorum. Der Beiname Vindelicorum stellt den Genitiv Plural von Vindelicus (Nominativ Plural: Vindelici) bzw. Vindelicum den von Vindelix (Nominativ Plural: Vindelices) (beides lateinisch für Vindeliker) dar. Er bezieht sich auf den keltischen Volksstamm der Vindeliker, der in diesem Teil Rätiens, also zwischen Wertach (lateinisch Virda) und Lech (lateinisch Licus), ansässig war.

Die Namensform „Augusta Vindelicorum“ wurde erst im 16. Jahrhundert von den lateinischen Sprachregeln und einer Inschrift (gentes Vindelicorum quattuor) auf dem Tropaeum Alpium (La Turbie bei Monaco) abgeleitet. Historisch belegbar ist ab dem späten 2. Jahrhundert nur die Form „Augusta Vindelicum“. In der Regel wurde die Provinzhauptstadt offiziell als „municipium Aelium Augustum“ bezeichnet. Auf vielen zeitgenössischen Steindenkmälern ist die Kurzform „Aelia Augusta“ überliefert, die aber ab 150 n. Chr. zunehmend von der Bezeichnung „Augusta Vindelicum“ verdrängt wurde. Der römische Geograph Claudius Ptolemaeus verwendete in seiner Weltbeschreibung an zwei Stellen die griechische Schreibweise „Augusta Vindelikon“. Diese Namensform findet sich u. a. auch auf der berühmten „Tabula Peutingeriana“, der mittelalterlichen Kopie einer spätantiken Straßenkarte.

Ansiedlung


Älteste Besiedlungsreste im Stadtgebiet des heutigen Augsburg-Oberhausen datieren in die Jahre um 8/5 v. Chr. bis 6/9 n. Chr. Es handelt sich vielleicht um ein Militärlager. Dieses Lager wurde eventuell bei einem Hochwasser vernichtet. Um 5/15 n. Chr. wurde ein neues Lager bei der Augsburger Hochterrasse errichtet. Hier entwickelte sich auch eine Zivilsiedlung. Es konnten für so einen Ort die typischen Streifenhäuser nachgewiesen werden. Das Kastell und die Zivilsiedlung sind bei einem Brand um 70 n. Chr. vernichtet worden. Das Lager wurde nicht wieder aufgebaut, doch bestand die Zivilsiedlung weiter, die bald städtischen Charakter erlangte. Im Zentrum verdichtete sich die Bebauung und im Nordwesten entstanden neue Wohngebiete. Schon damals hatte der Ort einen regelmäßigen Stadtplan. Nur im Norden und Westen verlief die Straßenführung eher unregelmäßig.

In Kaiser Hadrians Regierungszeit wurde die Stadt zum Municipium erhoben, deren offizielle Bezeichnung danach municipium Aelium Augustum lautete. Ab dieser Zeit wurden vermehrt Gebäude in Stein errichtet. Die Stadt erhielt eine Stadtmauer, die ein Gebiet von ca. 80 ha umfasste. Inschriften belegen vor allem eine Blütezeit im zweiten und frühen dritten Jahrhundert. In der Spätantike ist die Stadt, ungleich vieler anderer Orte, in vollem Umfang weiter besiedelt gewesen. Selbst am Übergang zum fünften Jahrhundert sind hier noch repräsentative Gebäude errichtet worden.

Augusta Vindelicorum war Kreuzungspunkt wichtiger Römerstraßen.
* Die Via Claudia Augusta hatte bei Ostiglia Anschluss an das Straßennetz nach Rom und verlief über Verona, Meran, den Reschenpass, Landeck nach Augusta Vindelicorum und ging weiter zum Limes bei Donauwörth. Die Straße wurde unter Drusus begonnen und zur Zeit des Kaisers Claudius im 1. Jahrhundert vollendet.
* Strategisch wichtig war die Verbindung zur Legionsstadt Mainz. Im ersten nachchristlichen Jahrhundert führte dieser Weg entweder über die Allgäustraße nach Bregenz und dann über Basel und Straßburg oder etwas kürzer über Günzburg auf der Donausüdstraße nach Kastell Hüfingen und von dort weiter über Basel nach Mainz.
* Die Legio VIII Augusta schuf unter dem Kommando von Gnaeus Pinarius Cornelius Clemens im Jahre 74 eine Verbindung von Tuttlingen durch das Kinzigtal nach Argentoratum (Straßburg) mit Anschluss nach Mogontiacum (Mainz). Dies verkürzte die Strecke von Augsburg nach Argentoratum und Mainz ganz wesentlich.
* Nicht zuletzt um die etwa 15 Jahre später gebaute noch wesentlich kürzere, römische Fernstraße von Augsburg über Günzburg und Cannstatt nach Mainz militärisch zu sichern, wurde der Obergermanisch-Raetische Limes eingerichtet.
* Die Allgäustraße von Augsburg über den Septimerpass nach Oberitalien verlief über Cambodunum (Kempten (Allgäu) und Brigantium, das heutige Bregenz am Bodensee).
* Die Via Julia verband Augsburg (Augusta Vindelicorum) mit Salzburg (Iuvavum).

* Unter Septimius Severus wurde die Via Raetia befestigt und nach und nach zur mit Wagen befahrbaren Straße ausgebaut. Die via raetia führte von Verona über Sterzing, den Brenner, Innsbruck und den Seefelder Sattel nach Augusta Vindelicorum. Sie ließ als kürzere Verbindung die Via Claudia Augusta in den Hintergrund treten.

Ausgrabungen


Diverse Ausgrabungen liefern ein relativ gutes Bild der antiken Stadt. Sie war von einer Mauer umgeben, die in etwa einen Halbkreis mit einem Durchmesser von 600 m bildete. Im Süden scheint sich die Stadt auch außerhalb der Stadtmauer ausgebreitet zu haben. Im Zentrum waren die Straßen nach einem Schachbrettmuster angelegt. Für die Stadtbereiche im Norden und Westen ist dies jedoch nicht belegt. Es gab zahlreiche Steingebäude, wobei es aber auch viele in Fachwerkbauweise gab. Von der Bebauung konnten ein Forum und eine Thermenanlage angegraben werden.

Zahlreiche Fundstücke aus dem römischen Augsburg werden heute im Römischen Museum in der ehemaligen Dominikanerkirche präsentiert. Im Stadtgebiet sind nur noch wenige Reste der ehemaligen Provinzhauptstadt zu erkennen. Entlang der „Römermauer“ am Dom wurden die Kopien einiger Steindenkmäler aufgestellt, deren Originale meist ins „Römische Museum“ verbracht wurden. Einige originale Inschriftenplatten und Grabmäler aus der Sammlung des Humanisten Konrad Peutinger (1465-1547) sind im Innenhof und der Tordurchfahrt des Peutingerhauses frei zugänglich.

Literatur (Auswahl)


* Bernd Roeck: Geschichte Augsburgs. Beck, München 2005, ISBN 3-406-53197-0.
* Nina Willburger: Die Römische Wandmalerei in Augsburg (= Augsburger Beiträge zur Archäologie. Band 4). Wißner, Augsburg 2004, ISBN 3-89639-441-X.
* Salvatore Ortisi: Die Stadtmauer der raetischen Provinzhauptstadt Aelia Augusta – Augsburg. Die Ausgrabungen Lange Gasse 11, Auf dem Kreuz 58, Heilig-Kreuz-Str. 26 und 4 (= Augsburger Beiträge zur Archäologie. Band 2). Wißner, Augsburg 2001, ISBN 3-89639-288-3.

* Wolfgang Zorn: Augsburg. Geschichte einer europäischen Stadt. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 4. überarbeitete und ergänzte Auflage, Wißner, Augsburg 2001, ISBN 3-89639-319-7.

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Kategorie:Augsburger Geschichte
Kategorie:Römische Stadt in Raetien

Kategorie:Römisches Bauwerk in Bayern

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