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Batterie (Elektrotechnik)

23.05.2012 @ 18:15, Horst Gräbner,

thumb|upright=0.6|Handelsübl. Batterien und Zellen

Mit dem Begriff der elektrischen Batterie wird eine Zusammenschaltung mehrerer gleichartiger galvanischer Zellen bzw. ElementeGrimsehl: Lehrbuch der Physik, Bd. II; Leipzig 1954, S. 38 bezeichnet, als welche zunächst, z. B. in der voltaschen Säule oder Zambonisäule, nur nicht wiederaufladbare (sogenannte „Primärzellen“ bzw. „Primärelemente“) zur Verfügung standen. Mit der Entwicklung wirtschaftlich einsetzbarer wiederaufladbarerSekundärzellen“, „Sekundärelemente“ bzw. „Akkumulatoren“, z. B. des Bleiakkus um 1850 bis 1886, wurde die Benutzung des Begriffs „Batterie“ auch auf die Zusammenschaltung mehrerer solcher Zellen erweitert, z. B. in den späteren Starterbatterien von Kraftfahrzeugen oder Traktionsbatterien von U-Booten usw.

In letzter Zeit schließlich hat sich die Verwendung des Begriffs „Batterie“ fälschlicherweise auch auf einzelne Primär- oder Sekundärzellen ausgedehnt, wobei für letztere der Eindeutigkeit wegen stets besser die Bezeichnung „Akkuzelle“ oder einfach nur „Akku“ verwendet werden sollte. Der geschilderte Wandel des Sprachgebrauchs wurde in der DIN-Norm 40729 Akkumulatoren; Galvanische Sekundärelemente; Grundbegriffe angesprochen, welche unter Batterie "immer mehrere verbundene Zellen" verstanden hat, diese Begrifflichkeit sich aber fälschlicherweise bei der alltäglichen "Unterscheidung jedoch verwischt" hatDirk Flottmann, Detlev Forst, Helmut Roßwag: Chemie für Ingenieure: Grundlagen und Praxisbeispiele. Springer, 2003, ISBN 354006513X, S. 225.

Unter Hinweis auf diese Begriffshistorie wird hier ausschließlich die Vielfalt „elektrischer Zellen“ beschrieben, die umgangssprachlich als „Batterien“ bezeichnet werden, wobei die Besprechung von „Primärzellen“ im Vordergrund steht – für eine nähere Besprechung von „Sekundärzellen“ siehe Hauptartikel Akkumulator.

Geschichte


miniatur|Batterien historischer galvanischer Zellen

Im Jahr 1780 bemerkte der italienische Arzt Luigi Galvani, dass ein Froschbein, das in Kontakt mit zwei verschiedenen Metallen kam, zuckte und hielt das für eine elektrische Wirkung. Das erste funktionierende galvanische Element und damit die erste Batterie wurde in Form der Voltaschen Säule im Jahr 1800 von Alessandro Volta vorgestellt. 1901 entwickelte Paul Schmidt in Berlin die Trockenbatterie.

In der Antike vorhandene Gefäße wie die „Bagdad-Batterie“ erzeugen durch das Zusammenspiel aus Kupfer, Eisen und Essig eine elektrische Spannung von circa 0,8 V. Ob dieses Gefäß zum damaligen Zeitpunkt vor etwa 2.000 Jahren als Batterie im heutigen Sinn verwendet wurde, ist umstritten.

Grundlagen


Eine elektrische Zelle ist ein elektrochemischer Energiespeicher und ein Energiewandler. Bei der Entladung wird gespeicherte chemische Energie durch die elektrochemische Redoxreaktion in elektrische Energie umgewandelt. Diese kann von einem vom Stromnetz unabhängigen elektrischen Verbraucher genutzt werden. Alternativ kann sie auch in einem vom Stromnetz abhängigen Verbraucher eingesetzt werden, um kurzzeitige Ausfälle im Stromversorgungsnetz zu überbrücken und so eine unterbrechungsfreie Stromversorgung sicherstellen.

Primärzellen können nur einmal entladen und nicht wieder aufgeladen werden. In diesen Zellen sind die Reaktionen bei der Entladung teilweise umkehrbar, das führt jedoch nicht zur Wiederherstellung eines dem Neuzustand ähnlichen Energieinhalts. Dagegen sind die wiederaufladbaren Sekundärbatterien (Akkumulatoren) weitgehend in den Ladezustand ähnlich dem Neuzustand zu bringen, so dass eine mehrfache Umwandlung von chemischer in elektrische Energie und zurück möglich ist.

Die Elektrodenmaterialien legen die Nennspannung der Zelle fest, die Menge der Materialien die enthaltene Energie.

thumb|[[Spezifische Energiedichte (Wh/kg) verschiedener Primärzellen als Funktion der Temperatur]]

Wichtige Begriffe in Bezug auf die elektrischen Eigenschaften einer Batterie sind:

;Kapazität: Die in einer Batterie gespeicherte elektrische Ladung wird umgangssprachlich als Kapazität bezeichnet, das ist nicht zu verwechseln mit der elektrischen Kapazität. Die Kapazität einer Batterie wird in der Regel in Amperestunden (Einheitenzeichen: Ah), seltener in Amperesekunden (As) oder Coulomb (C; 1 As entspricht 1 C) angegeben.

;Leistung: Die Leistung einer Batterie ist die Menge an elektrischer Energie, die pro Zeiteinheit entnommen werden kann. Sie wird in der Regel in Watt (W) angegeben und ist das Produkt aus Entladestrom und Entladespannung.

;Energieinhalt: Die in einer Batterie gespeicherte Energie (elektrische Arbeit) wird meist nicht angegeben, die Energie pro Masse oder pro Volumen ist jedoch eine typische Kenngröße von Batteriesystemen. Eine Einschätzung je nach Typ geben Diagramme vergleichender Energieangaben (siehe Diagramm).

;Selbstentladung: Alle Batterien unterliegen bei Lagerung der Selbstentladung. Die Geschwindigkeit der Selbstentladung hängt unter anderem vom Batterietyp und der Temperatur ab. Je niedriger die Lagertemperatur, desto geringer ist die Selbstentladung.

Die schwächste Zelle bestimmt die Qualität einer Batterie. In Parallelschaltung kommt es durch Ausgleichsströme zu größeren Verlusten, wenn die Zelle mit geringerer Kapazität früher entladen ist. In Reihenschaltung bricht die Spannung unter Last eher zusammen, weil stärkere, noch geladene Zellen Strom durch schwächere, schon entladene Zellen treiben. Deren Innenwiderstand führt nach dem Ohmschen Gesetz zu einer Zellerwärmung, ohne dass die elektrische Energie nutzbar ist.

Einsatzbereiche


Je nach dem Einsatzgebiet gibt es folgende Begriffe und Zuordnungen:

* Gerätebatterien dienen zur Stromversorgung kleiner, meist tragbarer Geräte, beispielsweise in Taschenlampen oder Mobiltelefonen. Besonders kleine Ausführungen für Hörgeräte oder Quarzuhren werden als Knopfzellen bezeichnet. Gerätebatterien gibt es in standardisierten Baugrößen sowohl als einmal verwendbare Primärzelle, als auch als wiederaufladbaren Akkumulator.

* Starterbatterien für Kraftfahrzeuge, Traktionsbatterien bzw. zyklenfeste Speicherbatterien für Elektrofahrzeuge und stationäre, ortsfeste Anwendungen wie beispielsweise Unterbrechungsfreie Stromversorgungen. Diese Batterien sind immer Akkumulatoren.

Typvariationen


Aufgrund der vielfältigen Einsatzbereiche mit sehr unterschiedlichen Anforderungen bezüglich Spannung, Leistung und Kapazität gibt es heute Batterien in vielen Typen. Diese werden unterschieden beispielsweise
* nach chemischer Qualität in der zugrunde liegenden chemischen Redoxreaktion,
* Zusammenschaltung von Zellen

* nach Zellengrößen.

Handelsübliche Batterien und Zellen unterscheiden sich sowohl in den elektrischen Werten als auch in der geometrischen bzw. konstruktiven Bauform. Von den nachfolgend aufgeführten Bezeichnungen können mehrere zusammen einen Batterietyp beschreiben, z. B. „Alkali-Mangan-Batterie – LR 6/AM-3 – AA – Mignon“. Oft wird aber nur ein bestimmtes Merkmal gefordert, z. B. die Größe „AA“ für eine speziell darauf abgestimmte Taschenlampe.

Im experimentellen Bereich und zur Veranschaulichung des Funktionsprinzips werden recht exotische Batterien, wie zum Beispiel Zitronenbatterien, eingesetzt.

Primärzellen


miniatur|upright=0.5|Schaltzeichen einer galvanischen Zelle (Batterie oder Akku)

Als Primärzellen werden Batterien bezeichnet, die nach der Entladung nicht wieder neu aufgeladen werden können. Die verschiedenen Typen werden nach den eingesetzten Materialien bezeichnet (ausgenommen wiederaufladbare alkalische Zellen - diese werden trotzdem zu den Primärzellen gezählt):

* Alkali-Mangan-Batterie; 1,5 V Nennspannung pro Zelle
* Zink-Kohle-Batterie; 1,5 V pro Zelle
* Nickel-Oxyhydroxid-Batterie; 1,7 V pro Zelle
* Lithiumbatterien; je nach Kathodenmaterial 1,8 V (FeS2) bis 3,7 V (SOCl2)
* Lithium-Eisensulfid-Batterie; 1,5 V pro Zelle
* Zink-Luft-Batterie; 1,5 V pro Zelle
* Zinkchlorid-Batterie; 1,5 V pro Zelle
* Quecksilberoxid-Zink-Batterie; 1,35 V pro Zelle

* Silberoxid-Zink-Batterie; 1,55 V pro Zelle

Historisch wurde zwischen Trockenbatterien mit festem oder gelartigem Elektrolyt und Nassbatterien, wie dem Daniell-Element mit flüssigem Elektrolyt, unterschieden. Nassbatterien spielen heute keine Rolle mehr.

Baugrößen


Als Gerätebatterien werden häufig Batterien bezeichnet, die sehr verbreitet für die Energieversorgung von Elektrokleingeräten wie Uhren, Radios, Spielzeug, Taschenlampen u.Ä. und auch in fest installierten Geräten wie Rauchmeldern verwendet werden.

Gerätebatterien müssen kompakt, lageunabhängig einsetzbar, leicht und trotzdem mechanisch robust sein. Sie dürfen bei normaler Lagerung und Verwendung im Gerät weder auslaufen noch ausgasen. Sie sind in einer Vielzahl von Ausführungen auf der Basis von Zink-Kohle- oder Alkali-Mangan-Batterie im Handel erhältlich – Zink-Kohle-Batterien werden immer seltener angeboten und kaum noch hergestellt.

Es gibt sehr viele von der IEC genormte Typen und einige Bezeichnungen vom ANSI sowie inoffizielle Namen, insbesondere für die neun gängigsten Kategorien: {{cite web
|url = http://ec.europa.eu/environment/waste/batteries/pdf/battery_report.pdf
|title = Battery capacity and labelling
|author = BIO Intelligence Service
|format = PDF; 3,04 MB
|publisher = Europäische Kommission
|date = September 2008
|accessdate = 2012-03-15
}}
{{cite web
|url = http://www.cnlumos.com/lumos/Battery%20Knowledge/Battery%20Standards/IEC%2060086-1-2006%20Primary%20Batteries%20Part%201.pdf
|title = IEC 60086-1-2006
|format = PDF; 529 KB
|accessdate = 2012-03-15
}}
{{cite web
|url = http://www.sztxr.com/file/IEC%2060086-2-2006.pdf
|title = IEC 60086-2-2006
|format = PDF; 521 KB
|accessdate = 2012-03-15

}}


{| class="wikitable"
|-
! colspan="2" | IEC
! rowspan="2" | ANSI
! rowspan="2" | inoffiziell
! rowspan="2" | Abmessungen
! rowspan="2" | Nennspannung
! rowspan="2" | Abbildung
|-
! Zink-Kohle
! Alkali-Mangan
|-
| R20 
| LR20 
| D 
| Mono
| ca. 61 mm × Ø 34 mm 
| 1,5 V 
| 120px
|-
| R14 
| LR14 
| C 
| Baby
| ca. 50 mm × Ø 26 mm 
| 1,5 V 
| 120px
|-
| R6 
| LR6 
| AA 
| Mignon 
| ca. 50 mm × Ø 14 mm 
| 1,5 V 
| 120px
|-
| R03 
| LR03 
| AAA 
| Micro
| ca. 44 mm × Ø 10 mm 
| 1,5 V 
| 120px
|-
| R8D425 
| LR8D425 
| AAAA 
| Mini 
| ca. 42,5 mm × Ø 8,3 mm 
| 1,5 V 
| 120px
|-
| R1 
| LR1 
| N 
| Lady
| ca. 30 mm × Ø 12 mm 
| 1,5 V 
| 120px
|-
| 6F22 
| 6LR61 
| 9V 
| 9-Volt-Block
| ca. 48 × 26 × 17 mm 
| 9 V 
| 120px
|-
| 3R12 
| 3LR12 
| 4.5V 
| Flachbatterie
| ca. 65 × 61 × 21 mm 
| 4,5 V 
| 120px
|-
| 4R25 
| 4LR25 
|
| Laternenbatterie
| ca. 114 × 66 × 66 mm 
| 6 V 
| 120px
|}

Adapter und Kontaktierung


Nicht jeder Batterietyp ist in allen Ländern erhältlich. Deshalb gibt es zum Beispiel Flachbatterie-Adapter, die drei AA-Zellen zu je 1,5 V aufnehmen. Diese lassen sich in allen Geräten verwenden, in die auch eine Flachbatterie hineinpasst. Nützlich sind diese Adapter auch, weil es bis dato keine wiederaufladbaren Flachbatterien gibt.

Die Kontaktierung kleiner Batterien erfolgt mit Federkontakten, zuverlässigere Ausführungen für Lithiumbatterien sind vergoldet. Fest eingebaute Akkumulatoren sind mit Steckkontakten, Polbolzen oder Lötfahnen versehen.

Batteriepacks bestehen aus mehreren Zellen, die untereinander mit Blechbändern kontaktiert sind.

Microsoft offerierte 2010 eine „InstaLoad“ genannte, rein mechanische Lösung eines Batteriefaches, die das Einlegen von Batterie-Einzelzellen in beliebiger Orientierung erlaubt.

Entsorgung


miniatur|Inneres und Äußeres einer Batterie
des Typs 4LR44 nach IEC 60086.

Batterien und Akkumulatoren gehören nicht in den haushaltsüblichen Restmüllbehälter oder in die Umwelt, da sie umweltschädliche und zudem erneut nutzbare wertvolle Rohstoffe enthalten, die das Batterierecycling für entsprechende Unternehmen wirtschaftlich attraktiv machen.

In Deutschland regelt die Batterieverordnung die Rücknahme und Entsorgung von Batterien. Sie legt unter anderem fest, dass in Deutschland keine Batterien oder Zellen mit einem Quecksilbergehalt von mehr als 0,0005 Gewichtsprozent in den Verkehr gebracht werden dürfen. Bei Knopfzellen darf der Quecksilbergehalt nicht über 2,0 Gewichtsprozent liegen. Alkali-Mangan-Batterien enthalten seit Beginn der 1990er Jahre kein Quecksilber mehr. Davor wurde es zum Amalgamieren des Elektrodenmaterials Zink verwendet.

Kleine Batterien können in Deutschland in Einzelhandelsgeschäfte zurückgebracht werden, wenn diese auch Batterien verkaufen. Zu diesem Zweck müssen dort Sammelbehälter aufgestellt sein. Für Autobatterien existiert in Deutschland ein Pfandsystem.

Literatur


* Lucien F. Trueb, Paul Rüetschi: Batterien und Akkumulatoren – Mobile Energiequellen für heute und morgen. Springer, Berlin 1998, ISBN 3-540-62997-1
* David Linden, Thomas B. Reddy (Hrsg.): Handbook of Batteries. 3. Auflage. McGraw-Hill, New York 2002, ISBN 0-07-135978-8 (englisch)
* Clive D.S. Tuck (Hrsg.): Modern Battery Technology. Ellis Horwood, New York 1991, ISBN 0-13-590266-5 (englisch)
* Philipp Brückmann: Autonome Stromversorgung - Auslegung und Praxis von Stromversorgungsanlagen mit Batteriespeicher. Ökobuch, Staufen 2007, ISBN 978-3-936896-28-2

* Werner Döring, Einführung in die Theoretische Physik, Band II, Berlin, Göschen 1965, speziell das Kapitel über Batterien

Einzelnachweise


Weblinks


{{Wiktionary|Batterie}}
{{Commonscat|Electric batteries|Batterien}}
* [http://www.buch-der-synergie.de/c_neu_html/c_10_01_e_speichern_geschichte.htm#Geschichte Geschichte der elektrischen Energiespeicherung]
* [http://www.powerstream.com/BatteryFAQ.html Battery Chemistry FAQ] (Englisch)
* [http://www.grs-batterien.de Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien]
* [http://www.hottmeyer.de/info/Vergleichsliste_Knopfzellen_und_Batterien.pdf Technische Daten und Vergleichslisten für Knopfzellen und Batterien] (PDF; 195 kB)
* [http://www.accu3000.de/info/akkus_und_batterien/Batteriegesetz_BattG_30_06_2009.pdf Batteriegesetz vom 30. Juni 2009] (PDF; 112 kB)
* [http://www.accu3000.de/info/akkus_und_batterien/Allgemeine_Hinweise_fuer_Akkus_und_Batterien.pdf Allgemeine Hinweise für Akkus und Batterien (Entsorgung)] (PDF; 82 kB)

* [http://www.akkuline.de/Blog/post/Mignon-LR6-Batterie-Vergleich-Test-Feb-2010.aspx Kapazitätsmessung von Marken-Mignon-Batterien mit verschiedenen Stromstärken]

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