Navigation


Beruf

22.05.2012 @ 10:35, Naboo N1 Starfighter,

Unter dem Beruf versteht man diejenige institutionalisierte Tätigkeit, die ein Mensch für finanzielle oder herkömmliche Gegenleistungen oder im Dienste Dritter regelmäßig erbringt, bzw. für die er ausgebildet, erzogen oder berufen ist. Eine interne Arbeitsgruppe der deutschen Bundesagentur für Arbeit zur Vorbereitung einer neuen Klassifikation der Berufe 2010 hat eine Definition entwickelt, nach der ein Beruf ein Bündel von Tätigkeiten ist, die fachspezifische Kenntnisse und Fertigkeiten erfordern.[http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/000200/html/kldb2010/berufsverstaendnis_kldb2010.pdf Bundesargentur für Arbeit: Das Berufsverständnis der KldB 2010] (PDF)

Hintergründe


Im Allgemeinen dient die Ausübung eines Berufes der Sicherung des Lebensunterhaltes. Vor der Einführung des stark ausgebauten Geld- und (kapitalistischen) Wirtschaftssystems sowie der Gründung von Städten musste der Lebensunterhalt innerhalb der Sippe oder Großfamilie bestritten werden, die das Individuum zurückstellte, aber sozial absicherte. Die erwirtschafteten Geld-, Sach- oder Tauschleistungen dienen der Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse oder denen der sozialen Gemeinschaft (z. B. der Familie), der der Ausübende angehört. Dazu gehören in erster Linie die Ernährung, die Bekleidung, der (häusliche) Schutz vor Gefahr und Krankheit und die Vorratsbildung. Darüber hinaus üben viele Menschen berufsähnliche Tätigkeiten aus, die nicht oder nur indirekt entlohnt werden (durch soziale Anerkennung oder persönliche Befriedigung). Ehrenämter, amateurhaft ausgeübte Tätigkeiten (z. B. Kunst oder Sport) und intensiv betriebene Hobbys bilden daher Schnittmengen zum „Beruf“.

Beispielhaft für eine allgemeingültige Definition des Berufs kann der dem Grundrecht der Berufsfreiheit des deutschen Grundgesetzes (Art. 12 Abs. 1 GG) zugrunde liegende Berufsbegriff dienen: Ein Beruf ist danach eine auf Dauer angelegte Erwerbstätigkeit, die zur Sicherung und Erhaltung der Lebensgrundlage dient. Der Begriff des Berufs ist dabei nicht auf bestimmte traditionelle oder rechtlich fixierte Berufsbilder beschränkt, sondern umfasst jede frei gewählte Form der (erlaubten) Erwerbstätigkeit und ist daher für die Entwicklung neuer Berufsbilder offenUrteil des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 11. Juni 1958

- 1 BvR 596/56 -, BVerfGE 7, S. 377, 397 [http://sorminiserv.unibe.ch:8080/tools/ainfo.exe?Command=ShowPrintVersion&Name=bv007377].

Sozialgeschichtliches


Die zur Ausübung eines Berufs erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse werden durch Ausbildung, Praxis oder Selbststudium erworben. Die Aufnahme in einen Berufsstand kann aber auch erfolgen durch Zuschreibung (adscription), etwa bei Erbfolge (z. B. als Bauer, zünftiger Handwerker), durch Gelöbnisse, Diensteide (Beamte) oder durch Ordination (Geistlicher).

Die meisten Berufe sind das Ergebnis fortschreitender Differenzierung der Arbeit. Sie haben häufig eine jahrhundertelange Tradition, da viele von der Gesellschaft benötigte oder gewünschte Leistungen im Wesentlichen konstant sind. Daher rührt auch die auffällige soziale Erscheinung der Berufsvererbung.

Zu den ältesten, frühgeschichtlichen Berufen gehören Schmied, Zimmermann, Heiler, Priester, Wandererzähler und -sänger und Wächter. Seit dem Mittelalter fanden sich viele Berufsgruppen in Zünften und Gilden zusammen, die auch die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses übernahmen. Auch „unehrliche Berufe“ bildeten eigene Organisationen.

In einigen Berufen wird auf die sogenannte Berufung des/der Einzelnen besonderen Wert gelegt (zum Beispiel Pfarrer, Priester, aber auch Arzt, Lehrer, Apotheker, Richter). Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist die Pflicht zur Arbeit im Rahmen des Ordo Socialis.

Der fortschreitende, mit der Industrialisierung einhergehende soziale und technische Wandel ließ neue Berufe entstehen und alte, zumeist handwerkliche Berufe aussterben. Mit der durchdringenden Verbreitung der Informationstechnologie in allen gesellschaftlichen Bereichen setzt sich dieser Trend fort.

Reglementierung der Berufsausübung


Heute wird die Berufsausbildung (Inhalte, Dauer) in den meisten europäischen Ländern staatlich festgelegt. Die staatliche Reglementierung der Berufswahl findet aber in Deutschland und den meisten anderen Ländern ihre Grenzen im Grundrecht der Berufsfreiheit.

Wer welchen Beruf ausüben darf, wurde und wird in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich gehandhabt. In Europa gilt prinzipiell das Recht der freien Berufsausübung, das jedoch einigen Einschränkungen unterliegt. So ist für die Ausübung bestimmter Berufe eine entsprechende Ausbildung erforderlich: Als Arzt oder Rechtsanwalt darf beispielsweise nur tätig sein, wer ein medizinisches bzw. juristisches Hochschulstudium erfolgreich abgeschlossen und entsprechende Praxiserfahrung (Referendariat) nachweisen kann.

Ebenfalls unterliegt die Ausübung handwerklicher Berufe bestimmten Einschränkungen: So ist beispielsweise zur selbstständigen Ausübung eines Handwerks in Deutschland ein Meisterbrief erforderlich.

Erfolgreich sozial herausgebildete Berufe entwickeln eine mehr oder minder ausgeprägte Arbeitsethik.

Image/Prestige


Nach der Forsa-Studie "Bürgerbefragung öffentlicher Dienst 2011" genießen folgende Berufe in Deutschland das höchste Ansehen (in absteigender Reihenfolge): Feuerwehrmänner, Alten- oder Krankenpfleger, Ärzte, Polizisten und Kindergartenmitarbeiter.[http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,793057,00.html Berufsprestige], spiegel online, 20.10.2011

Stärkste Berufsordnungen in Deutschland


Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes[http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Querschnittsveroeffentlichungen/Datenreport/Downloads/Datenreport2008Arbeitsmarkt,property=file.pdf www.destatis.de] Datenreport 2008 Arbeitsmarkt (PDF) werden die Berufe in 369 so genannte Berufsordnungen unterschieden, in der alle existierenden Berufe eingruppiert sind, wodurch eine Klassifizierung der Berufe entsteht. Vgl. Frauenanteile in der Berufswelt.

Erwerbstätige Männer in den am stärksten besetzten Berufsordnungen (2006)


# Berufskraftfahrer, 882.000
# Bürofachkräfte, kaufmännische Angestellte, 499.000
# Unternehmer, Geschäftsführer, 460.000
# Soldaten, Bundesgrenzschutz, Polizeibedienstete, 458.000
# Kraftfahrzeugmechaniker, Zweiradmechaniker, 376.000
# Hilfsarbeiter ohne nähere Tätigkeitsangabe, 357.000
# Elektriker, Elektroinstallateure, 334.000
# Verwaltungsfachleute (mittlerer Dienst), 328.000
# Lager- und Transportarbeiter, 317.000

# Konstruktionsmechaniker und zugeh. Metallbauer, 280.000

Erwerbstätige Frauen in den am stärksten besetzten Berufsordnungen (2006)


# Bürofachkräfte, kaufmännische Angestellte, 1.368.000
# Gebäudereinigerinnen und Raumpflegerinnen, 779.000
# Verwaltungsfachleute (mittlerer Dienst), 696.000
# Krankenschwestern und Hebammen, 677.000
# Sprechstundenhelferinnen (Arzthelferinnen), 552.000
# Verkäuferinnen, 541.000
# Nahrungs- und Genussmittelverkäuferinnen, 467.000
# Erzieherinnen, 445.000
# Büro- und kaufmännische Sachbearbeiterinnen, 406.000

# Altenpflegerinnen, 370.000

Gefahrgeneigte Berufe


{{staatslastig|GB}}
thumb|Gefahrgeneigte Berufe in einem Kupferstich von [[Daniel Chodowiecki]]

Die britische Versicherung Churchill Insurance hat im Jahr 2004 eine Liste der zehn risikoreichsten Berufe in Großbritannien veröffentlicht. Bei Ausübung seiner Tätigkeit verunglückt danach (in absteigender Reihe) am häufigsten tödlich, wer tätig ist als:{{Internetquelle|titel=Window Cleaning Ranked the Most Dangerous Job in UK|hrsg=Churchill Insurance Company|url=http://www.christie-group.co.uk/league-of-professions-release.doc|datum=16. Oktober 2004|zugriff=17. Jänner 2012|format=Word-Datei, 84kB|offline=}}

# Fensterputzer
# Soldat
# Feuerwehrmann
# Hochseefischer
# Pilot
# Polizeibeamter
# Dachdecker
# Gerüstarbeiter
# Holzfäller

# Artist

Siehe auch


* Tätigkeit, Berufsbezeichnung, Berufsbeschreibung, Berufsberatung, Berufsleben, Ausbildungsberuf
* Berufsethik, Arbeitsethik
* Berufssoziologie, Arbeit (Sozialwissenschaften)
* Berufsgruppe
* Bundesinstitut für Berufsbildung
* Lernen
* Arbeitslosigkeit
* Ausbildung
* Weiterbildung
* Berufswahlreife
* Berufswissenschaft
* Job
* Profi, Freier Beruf, Unehrlicher Beruf, Verdienst, Zunft
* Sozialstruktur, Soziale Rolle
* Museum der Arbeit
* Professionalisierung
* Männerdomäne, Frauendomäne
* Schwerarbeit, Österreichische Schwerarbeitsverordnung

Literatur


* Günter Lanczkowski, Gustaf Wingren, Heinz-Horst Schrey: Art. Beruf I. Religionsgeschichtlich II. Historische und ethische Aspekte III. Protestantismus und Katholizismus der Neuzeit. In: Theologische Realenzyklopädie 5 (1980), S. 654–676 (zur Kultur- und Begriffsgeschichte)

Weblinks


{{Wiktionary|Beruf}}

{{Wikiquote|Beruf}}

Deutschland:
* {{Internetquelle|titel=Berufe im Spiegel der Statistik|hrsg=Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung|url=http://bisds.infosys.iab.de|datum=2010|zugriff=17. Jänner 2012|kommentar=Umfangreiche, jährlich aktualisierte statistische Informationen zu den einzelnen Berufen und Berufsgruppen|offline=}}
*{{Internetquelle|titel=Auszubildende 2010 in den 20 am stärksten besetzten Ausbildungsberufen|hrsg=Statistisches Bundesamt|werk=Bildung und Kultur - Berufliche Bildung|url=http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachveroeffentlichungen/BildungForschungKultur/BeruflicheBildung/BeruflicheBildung2110300107005,property=file.xls|datum=2010|zugriff=14. November 2011|format=Excel, 3.3 MB|kommentar=Tabelle: Tab_1_04_1|offline=}}
* {{Internetquelle|titel=Ich mach's!|hrsg=Bayrischer Rundfunk|url=http://www.br-online.de/br-alpha/ich-machs|zugriff=17. Jänner 2012|zitat=Mehr als 300 Berufe im Dualen System, dazu kommen Lehrstellen bei Behörden und der Bahn, außerdem locken Fachschulen mit ihren Abschlüssen: Doch welche Ausbildung ist für wen richtig? Dazu die Fragen zum lieben Geld und zu den Stellenchancen.|offline=}}
* {{Internetquelle|titel=Homepage: Bundesinstitut für Berufsbildung|hrsg=Bundesinstitut für Berufsbildung|url=http://www.bibb.de|zugriff=17. Jänner 2012|offline=}}
* {{Internetquelle|titel=Berufe und Berufsinformationen in Deutschland|hrsg=Bundesagentur für Arbeit|url=http://infobub.arbeitsagentur.de/berufe/index.jsp|zugriff=17. Jänner 2012|kommentar=BERUFENET|offline=}}
* {{Internetquelle|titel=Berufe-Lexikon|autor=Christine Leube|url=http://www.berufe-lexikon.de|zugriff=17. Jänner 2012|offline=}}

* {{Internetquelle|titel=JAAU – Das Portal für Jugend, Arbeit und Ausbildung in Nordrhein-Westfalen|url=http://www.jaau.nrw.de|zugriff=17. Jänner 2012|offline=}}

Österreich:
*{{Internetquelle|titel=Berufslexikon|hrsg=Arbeitsmarktservice|url=http://www.berufslexikon.at|datum=2010|zugriff=17. Dezember 2012|kommentar=Umfangreiche, jährlich aktualisierte statistische Informationen zu den einzelnen Berufen und Berufsgruppen sowie Ausbildungseinkommen|offline=}}
* {{Internetquelle|titel=Die 10 häufigsten Lehrberufe bei Mädchen 2010|hrsg=Wirtschaftskammer Österreich|url=http://wko.at/statistik/wgraf/2011_04_Lehrlinge-Mädchen_2010.pdf|datum=2010|zugriff=13. November 2011|format=PDF|zitat=Nach wie vor wählen Mädchen bevorzugt typische „Frauenberufe“. Fast die Hälfte aller weiblichen Lehrlinge besuchen eine Ausbildung in den Berufen Einzelhandel gefolgt von Bürokauffrau und Friseurin.|offline=}}

* {{Internetquelle|titel=Die 10 häufigsten Lehrberufe bei Burschen 2010|hrsg=Wirtschaftskammer Österreich|url=http://wko.at/statistik/wgraf/2011_05_Lehrlinge-Burschen_2010.pdf|datum=2010|zugriff=13. November 2011|format=PDF|zitat=Die drei beliebtesten Lehrberufe bei den Burschen sind Elektrotechnik mit 9.062 gefolgt von Kraftfahrzeugtechnik mit 7.813 und Installations- und Gebäudetechnik mit 5.215 männlichen Lehrlingen.|offline=}}

Sonstiges:

* {{Internetquelle|titel=Berufe im Mittelalter|url=http://www.mittelalter-handwerk.de|zugriff=17. Jänner 2012|offline=}}

Einzelnachweise


ar:مهنة
az:Peşə
bg:Професия
bn:পেশা
bo:ལས་རིགས།
ca:Professió
cs:Profese
cy:Galwedigaeth
da:Profession
Profession
eo:Profesio
es:Profesión
et:Elukutse
fi:Professio
Métier (activité)
gd:Proifeasan
he:מקצוע
hi:व्यवसाय
hr:Zanimanje
id:Profesi
io:Profesiono
it:Professione
ja:専門職
jv:Profèsi
ka:პროფესიების სია
kk:Профессия
ko:직업
lo:ວິຊາຊີບ
lt:Profesija
ms:Profesional
nl:Beroep
nn:Profesjon
no:Profesjon
pl:Zawód
pt:Profissão
qu:Pruphisyun
ru:Список профессий
sh:Profesija
simple:Profession
sl:Poklic
sq:Profesioni
su:Tukang (profési)
sv:Yrke
tg:Касб
th:อาชีพ
tr:Meslek
uk:Професія
ur:پیشہ
uz:Kasb
wa:Mestî
yi:פאך
zh:職業

weiter

Text und Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Artikel Beruf der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Original-Artikel lässt sich hier bearbeiten.