Dienstbote
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miniatur|Dienstbotin beim Servieren (Liotard: Das Schokoladenmädchen, 1744)
Ein Dienstbote ist eine ständig im Haushalt wohnende angestellte Hilfskraft für Arbeiten in der Haus- und Landwirtschaft. Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es auch in deutschen Haushalten relativ viele Dienstboten.
miniatur|Kleinanzeige mit einem Stellenangebot für eine Köchin und ein „Zweitmädchen“ für Wasch- und Bügeltätigkeiten (1881)
Einer Umfrage zufolge waren im Jahr 1882 in Berlin 96,8 % der Dienstboten weiblichen Geschlechts. In der Folgezeit stieg der Anteil der sogenannten „Dienstmädchen“ oder „Folgmädchen“ noch; für nicht dauerhaft beschäftigte Frauen war Ende des 19. Jahrhunderts der Begriff „Stundenmädchen“ geläufig; waren in einem Haushalt mehrere Dienstmädchen angestellt, so gab es „Zweitmädchen“, die zum Beispiel nicht kochten oder sich nicht um die Kinder kümmerten, sondern putzten, aufräumten, die Wäsche wuschen und nähten.
Die Dienstmädchen waren hauptsächlich in gut situierten bürgerlichen, aber auch kleinbürgerlichen Haushalten angestellt und unterschieden sich in diesem Punkt von den Mägden - weiblichen Dienstboten, die die „niedereren“ und körperlich härteren Arbeiten, typischer Weise in landwirtschaftlichen Betrieben durchführten („Scheuermagd“, „Kuhmagd“). Das klassische Dienstmädchen war für jegliche Hausarbeit zuständig: putzen, kochen, waschen, einkaufen gehen, Besucher empfangen, die Kinder betreuen etc. Die Arbeitszeit betrug bis über 16 Stunden täglich, die Kost und Unterkunft galten als karg. Relativ selten verfügten Dienstmädchen über ein eigenes Zimmer, zumeist teilten sich mehrere Mädchen eine kleine Kammer oder sie schliefen in der Küche oder direkt vor dem Schlafzimmer der Herrschaften.
Die Entlohnung war für die Zeit mittelmäßig und betrug im Schnitt zwischen 150 und 250 Mark jährlich.
Die Dienstmädchen waren auf das Wohlwollen der Herrschaften angewiesen. Rechtlich war ihre Lage kaum gesichert; es gab eine Gesindeordnung, die die Rechte der Herrschaften und Pflichten der Dienstboten beschrieb.
Hausmädchen-Schule
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde mehrfach der Gedanke erörtert, eine Lehrzeit im Haushalt einzuführen, um so Ausbildungsprobleme zu beheben.Von Hausfrauen, Frauenvereinen und auch von kirchlicher Seite wurde eine praktische Lehrzeit befürwortet, während sie die Fortbildungsschulen nur als Ergänzung dazu ansahen.
In München vermittelte die Kommission für 14- bis 15-jährige Mädchen eine zweijährige Lehrzeit im Haushalt, die wegen des zeitlich geregelten Vertragsabschlusses den Hausfrauen entgegenkam und sie vor raschen Stellenwechsel ihrer Dienstboten bewahrte.
Diese Einrichtungen fanden bei den Mädchen wenig Widerhall.
Die Schule des Fröbel-Oberlin-Vereins bildete Kinderfräulein, Jungfern und Hausmädchen aus. Die Kurse für Kinderfräulein und Jungfern dauerten drei und für Hausmädchen zweieinhalb Monate und kosteten 1898 zwischen 25 und 30 Mark.
Der Lehrplan sah für die Ausbildung von Hausmädchen Anstands- und Höflichkeitslehre, Aneignung guter Manieren, Servieren und Tischdecken, Frisieren, Glanzplätten, Schneidern, Wäschepflege sowie Lampenputzen vor.
Frauen- und Dienstbotenvereine boten gleichfalls entsprechende Kurse an, die unentgeltlich waren.
Eine Dienstmädchen-Schule mit zweijähriger Ausbildung befand sich beispielsweise in dem heute denkmalgeschützten Gebäude Waldstraße 32 im sächsischen Radebeul-Oberlößnitz.
Verwandte Themen
*Frauenarbeit
*Gesinde, Hauspersonal, Aupair, Ausländische Haushaltshilfe
*Knecht, Diener, Lakai, Leibeigener, Sklave
*Magd, Zofe, Haushälterin, Filia hospitalis
*Dienst, Dienstvertrag
*Stummer Diener
Literatur
* Gotthardt Frühsorge (Hrsg.): Gesinde im 18. Jahrhundert. Meiner, Hamburg 1995, ISBN 3-7873-0915-2* Claudia Harrasser: Von Dienstboten und Landarbeitern. Eine Bibliographie zu (fast) vergessenen Berufen. Studien-Verlag, Innsbruck 1996, ISBN 3-7065-1147-9
* Heidi Müller: Dienstbare Geister. Leben und Arbeitswelt städtischer Dienstboten. Reimer, Berlin 1985, ISBN 3-496-01030-4
* Dagmar Müller-Staats: Klagen über Dienstboten. Eine Untersuchung über Dienstboten und ihre Herrschaften. Insel, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-458-32383-X
Weblinks
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{{Commonscat|Servants|Bedienstete}}
* [http://www.ilo.org/public/german/region/eurpro/bonn/download/uebereinkommen_189_final_de.pdf Text des Übereinkommens 189 der Internationalen Arbeitskonferenz: Menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte]
* [http://www.arbeitnehmerkammer.de/cms/upload/Politikthemen/Gleichberechtigung/HB_ANKRunder_Tisch_15_Nov_2011.pdf Die ILO-Konvention – C 189 Menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte]
* [http://idwn.info International Domestic Workers Network IDWN] (englisch)
Kategorie:Dienstleistungsberufda:Tjenestefolk
Domestic worker
eo:Servisto
es:Trabajador doméstico
fi:Palvelija
Domesticité
gn:Tembiguái
he:משרת
id:Pekerja rumah tangga
it:Colf
ja:家庭内労働者
jv:Batur
nl:Werkster (beroep)
no:Tjener (person)
pl:Służący
pt:Empregado doméstico
ru:Прислуга
simple:Servant
sv:Tjänstefolk
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