Einkommensverteilung
{{Staatslastig|DE}}
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{{Lückenhaft|wirtschaftwissenschaftliche Grundlagen der Verteilung, implizite Bedarfsgerechtigkeit der politischen Verteilungsmaßnahmen, Loslösung von Bedarf und Produktion, Auswirkungen auf die Produktion und Preise, implizite Kosten und Folgeprobleme der Umverteilung|Abschnitt}}
Unter Einkommensverteilung, Einkommensspreizung, Lohnspreizung, Lohnungleichheit, Lohndispersionversteht man die verschiedensten Aspekte der Verteilung der Einkommen auf die Wirtschaftssubjekte.
Untersucht werden in diesem Artikel zum Beispiel:* die sektorale Verteilung (Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen)
* die regionale oder räumliche Verteilung
* die Verteilung nach Altersstruktur oder Geschlecht
* die personelle Verteilung
Beschreibungen sind deskriptiv; daneben diskutieren verschiedene Gesellschaftswissenschaften (zum Beispiel VWL, BWL, Soziologie (speziell Politische Soziologie), Politologie (=Politikwissenschaft), Theologie, Politische Philosophie) normativ, wie gerecht Gesellschaften sind bzw. sein sollten. Zum Beispiel diskutieren sie die Verteilungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und die Frage, in welchen Fällen ein Staat mit welchen Mitteln (zum Beispiel Umverteilung von Geld durch Steuern, Sozialsysteme) in welcher Stärke in die Einkommensverteilung eingreifen sollten.
Häufig wird in diesen Zusammenhängen das Wort sozial verwendet (Sozialpolitik, Soziale Frage). Weil es dabei vorrangig um die Umverteilung von Geld geht, ist 'sozial' hier manchmal ein Synonym für 'Geld' (siehe z. B. soziale Sicherheit).
Die Einkommensverteilung ist zu unterscheiden von der Vermögensverteilung.
Personelle Einkommensverteilung
Hier wird dargestellt, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen (z. B. Privathaushalte) verteilt war/ist. Dabei können zwei Arten der Einkommensverteilung voneinander unterschieden werden:* Primäre Einkommensverteilung: Verteilung der Markteinkommen im Wettbewerb.
* Sekundäre Einkommensverteilung: Verteilung der verfügbaren Einkommen. Das ist das personelle Primäreinkommen zuzüglich der empfangenen Renten und anderer Transferzahlungen (z. B. Kindergeld, Krankengeld, Arbeitslosengeld) sowie geldwerter VorteileBeispiele: der Staat zahlt für bestimmte Menschen Beiträge in die Rentenversicherung, weil diese die Beiträge nicht tragen können; bestimmte Menschen brauchen keine GEZ-Gebühr zu zahlen und haben dadurch einen geldwerten Vorteil abzüglich der geleisteten Einkommensteuern und Vermögensteuern, Sozialbeiträge, monetären Sozialleistungen und anderer sonstigen laufenden Transfers (z. B. Solidaritätszuschlag).
Daten
Ordnet man die Haushalte/Personen aufsteigend nach der Höhe ihres Einkommens, lässt sich mit Hilfe der Lorenz-Kurve ablesen, wie viel Prozent der Haushalte wie viel Prozent der Einkommen beziehen.
Die Einkommensverteilung kann mittels verschiedener Ungleichverteilungsmaße zusammengefasst und anschließend analysiert werden. Die in empirischen Untersuchungen am häufigsten verwendeten Indikatoren für die Ungleichverteilung sind der Gini-Koeffizient und Quantilverhältnisse. Zunehmend finden auch Entropiemaße wie der Theil-Index Anwendung.
Da die Quantilverhältnisse eine differenziertere Betrachtung zulassen als der Gini-Koeffizient, wird kurz eine Berechnung mittels Quantilverhältnissen erklärt.
Aus der ausgewählten Datenbasis erhält man die gemessenen Lohnhöhen, welche man sortiert und bestimmten, gleichgroßen Quantilen zuordnet. Anschließend werden die Summen der einzelnen Quantile gebildet. Oft verwendete und aussagekräftige Quantile sind dabei das zehnte, fünfzigste und neunzigste Quantil. Dabei stellt das fünfzigste Quantil den Medianwert dar, also genau die Lohnhöhe, die sich in den sortierten Löhnen in der Mitte befindet. Das zehnte Quantil gibt die Lohnhöhe an, die von 10 % der Beschäftigten nicht überschritten wird. Um die Ungleichverteilung zu beschreiben, werden die Summen der Quantile in Relation zueinander gesetzt. Dabei kann man festhalten, dass in der Literatur davon ausgegangen wird, dass die Lohnhöhen bis zum zehnten Quantil für die Gering- oder Unqualifizierten und die Löhne ab dem neunzigsten Quantil für die Hochqualifizierten stehen.
Um eine Aussage über die Entwicklung zu treffen, muss man sie sich im Zeitverlauf ansehen. Vergrößert sich bei dieser dynamischen Analyse der Abstand zwischen den einzelnen Quantilen, so spricht man von zunehmender Lohnspreizung, verkleinert sich deren Abstand, so spricht man von Lohnkompression.
Je nach Statistik kann ein Land die unterschiedlichsten Gini-Koeffizienten der Einkommensverteilung haben; dies liegt an der Art der Berechnung. Angaben können nur dann gut für Vergleiche eingesetzt werden, wenn für alle Angaben die gleichen Berechnungsmethoden (die gleiche Quantilisierung, die gleiche Einkommensart usw.) angewandt wurden. Korrekterweise müsste zusammen mit dem Gini-Koeffizienten immer angegeben werden, welche Messauflösung ihm zugrunde liegt, denn die Ungleichheit innerhalb der Quantile wird nicht erfasst.
miniatur|Anwendung des Gini-Koeffizienten zur Bestimmung von [[Einkommensungleichheit (2009){{Farblegende|#008000|< 0,25}}
{{Farblegende|#00C600|0,25 – 0,29}}
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Für die verfügbaren Einkommen der Haushalte liegt der Gini-KoeffizientHier gilt: Eine Grundgesamtheit, in der alle das gleiche Einkommen haben, hat den Gini-Koeffizient 0; beim Wert 1 gehört einem alles. der Human Development Report in Deutschland bei 0,274 (2003), in Frankreich bei 0,327 (1995), in Großbritannien bei 0,360 (1999), in Japan bei 0,249 (1993) und in den USA bei 0,408 (2000). Die Daten basieren auf einer groben Aufteilung in vier Quartile.United Nations Human Development Report 2004
Im weltweiten Vergleich lag Deutschland 2007 im unteren Bereich der Skala der Ungleichverteilungen; es wies eine Zunahme der Ungleichverteilung der Einkommen auf.Gernandt/Pfeifer: [http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.56584.de/diw_sp0014.pdf Rising Wage Inequality in Germany] (SOEPpapers 14). DIW Berlin ( SOEP), 2007, {{ ISSN|1864-668914}}Ebenfalls eine Zunahme der Ungleichheit zeigt Frankreich; in den oberen Einkommensbereichen wuchs sie ab dem Jahr 2004 stark.Claire Guélaud: [http://www.lemonde.fr/web/imprimer_element/0,40-0@2-3234,50-1327756,0.html Depuis 2004, les inégalités se creusent au profit des plus hauts revenus.] Le Monde, 2. April 2010.
Einen Vergleich der Ungleichverteilungen der Nettoeinkommen in 26 OECD-Ländern veröffentlichte für die Jahre 1985, 1995 und 2000 der „fünf Wirtschaftsweisen“ in einem Bericht zur Einkommensverteilung in Deutschland.Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: [http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/download/gutachten/ga06_ges.pdf Entwicklung der personellen Einkommensverteilung in Deutschland], Internationaler Vergleich: S.444ff, 2006/2007 Von diesen Ländern hatte Dänemark im Jahr 2000 die geringste Ungleichverteilung (Gini-Koeffizient 0,22). Schweden folgte mit 0,24. Deutschland lag etwas unterhalb der Mitte mit 0,27. Die USA lagen oberhalb der Mitte mit 0,35. Die Spitzenplätze hatten die Türkei mit 0,44 und Mexiko mit 0,48.
Ursachen
Im theoretischen Modell des Arbeitsmarkts mit heterogenem Arbeitsangebot werden differenzierte Arbeitseinkommen auf die unterschiedlichen Qualifikationen der Arbeitnehmer zurückgeführt. Demnach erhalten höher qualifizierte Arbeitnehmer deshalb ein höheres Arbeitseinkommen, weil ihre Produktivität höher ist als die der geringer Qualifizierten, d. h. die Entlohnung erfolgt nach dem Grenzwertprodukt.
Neben den aus dem Modell abgeleiteten werden auch andere Ursachen zur Erklärung differenzierter Arbeitseinkommen herangezogen. Danach wird die Lohnspreizung durch folgende Faktoren auf Angebots- und Nachfrageseite als auch durch institutionale Faktoren beeinflusst:
* Erfahrung und Verantwortung der Arbeitnehmer beeinflusst die Lohnhöhe dahingehend, dass letztendlich die Unternehmung in der Lohnhöhe ein Instrument zur effizienten Gestaltung ihrer Produktionsprozesse sieht.* Ausbildungskosten und die daraus resultierende Bildungsprämie schlagen sich in der Regel in einem höheren Arbeitsentgelt nieder, da Investitionskosten der qualifizierten Arbeitnehmer sich auch nach gewisser Zeit auszahlen müssen.
* Relative Knappheit oder Überangebot an benötigten Arbeitskräften führt zur Lohnanpassung der Unternehmen je nach Verfügungsgrad der Arbeitnehmer.
* Unzureichende Qualitätsanpassung der Beschäftigten an das Arbeitsangebot vermindert wegen erhöhtem Einarbeitungsbedarf die Bereitschaft der Arbeitgeber, einen höheren Lohn zu zahlen.
* Entwicklung der Erwerbsbeteilung von Frauen beeinflusst die Lohnspreizung im unteren Einkommensbereich, da Frauen in der Regel mit gleichem Qualifikationsniveau geringer entlohnt werden als Männer.
* Arbeitssparender technischer Fortschritt reduziert die Produktion arbeitsintensiver Güter und damit die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, an denen die Geringqualifizierten arbeiten könnten.
* Bedeutungsverlust des Industriesektors durch Zunahme des internationalen Handels mit Niedriglohnländern führt zu einer Verringerung der niedrigqualifizierten Tätigkeiten, weil vor allem im Bereich des Industriesektors Arbeitsplätze für Nicht- und Geringqualifizierte zur Verfügung stehen.
* Institutionelle Eingriffe in das Marktgeschehen durch Mindest- und Tariflöhne bewirken in der Regel eine Angleichung der Arbeitseinkommen der Qualifizierten und Geringqualifizierten, die Lohnspreizung stagniert bzw. komprimiert sich im Bereich der betroffenen Arbeitnehmer. Eine Reduzierung der Gewerkschaftsdichte und eine reale Senkung der Mindestlöhne bewirkt genau das Gegenteil. Die Lohnspreizung nimmt zu, da die Geringqualifizierten wieder nach ihrer Produktivität entlohnt werden.
Inwieweit die einzelnen Einflussfaktoren maßgeblich zu ungleichen Löhnen beitragen, ist bis heute in der Literatur umstritten.
Die Europäische Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung des Arbeitseinkommens das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung zwischen technologischem Fortschritt, Organisation des Arbeitsmarktes und in geringerem Maße anderen Triebkräften, etwa der Öffnung des Handels ist.Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2007, S.10
Wesentlich für die Interpretation der Lohnspreizung ist die Tatsache, dass diese (ähnlich wie die Lohnquote) im Konjunkturverlauf spürbar schwankt. Ein Hauptgrund ist, dass die Einkommen der Beschäftigten in den oberen Quantilen weitaus höhere variable Gehaltsbestandteile beziehen, die mit der Gewinnsituation der Unternehmen schwankt. Weiterhin folgt die Anpassung der Tarifgehälter typischerweise dem Konjunkturverlauf mit einer zeitlichen Verzögerung. Hierdurch steigt die Lohnspreizung am Anfang eines Aufschwungs an, um am Ende des Aufschwungs wieder zu sinken.
Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung der Ungleichheit
Eine verbesserte Bildung im Bereich der Niedrigqualifizierten gilt als geeignetes Mittel, um die Lohnspreizung zu reduzieren. Hierdurch reduziert sich die Spreizung der Qualifikation und Erwerbstätige mit geringer Qualifikation erwerben die Möglichkeit, in höhere Gehaltsstufen aufzusteigen. Zum einen sollen schwache Schüler soweit gefördert werden, dass sie einen Schulabschluss erreichen, zum anderen sollen möglichst viele Jugendliche eine Berufsausbildung erhalten. Da diese Maßnahmen ebenfalls geeignet sind, die Arbeitslosigkeit der betreffenden Gruppe zu verringern, sind Nutzen und Notwendigkeit dieser Maßnahmen unumstritten.
Auch in der Arbeitsmarktpolitik werden verschiedene Maßnahmen zur Verminderung der Lohnspreizung diskutiert. Beispiele sind die Subventionierung der Beschäftigung von Geringqualifizierten mittels eines Kombilohnes und die Einführung von Mindestlöhnen.Bofinger, Dietz et al., 2007, S. 85-112. Diese Maßnahmen werden in hohem Maße kontrovers diskutiert, da die Auswirkungen auf Beschäftigung und Wachstum unterschiedlich bewertet werden.
Bedeutung
Die Einkommensverteilung ist für die Wahrung des sozialen Friedens gesellschaftlicher Systeme von Bedeutung. Eine stark ungleiche Verteilung kann als ungerecht empfunden werden und zu sozialen Unruhen führen.
Ein Beispiel für den Versuch, kritische Ungleichverteilungsschwellen bei Markteinkommen zu ermitteln, gab He QinglianHe Qinglian, Zhongguo Xiandaihua de XianJing (Die Fallen der Modernisierung in China, besprochen von Liu Binyan und {{lang|en|Perry Link}} in [http://www.nybooks.com/articles/717 {{lang|en|New York Review of Books}}], 8. Oktober 1998); Der mit „akzeptabler Normalität“ klassifizierte Wertebereich korreliert mit dem für europäische Industriestaaten beobachtbaren Wertebereich der Ungleichverteilung von Markteinkommen. anhand des {{lang|it|Gini}}-Koeffizienten: Ein Koeffizient von 0,3 oder weniger zeige eine deutliche Gleichverteilung an, 0,3 bis 0,4 sei der Bereich akzeptabler Normalität, 0,4 oder mehr werde für zu hoch gehalten. Über 0,6 gäbe es soziale Unruhen (Aufruhr, Revolte, Meuterei, Aufstand o. Ä.).
Diesen normativen Einschätzungen und Feststellungen liegen Vergleiche von realen Ungleichverteilungen der Einkommen mit den Lebensverhältnissen in Regionen zugrunde, in denen diese Ungleichverteilungen ermittelt wurden. Erschwert werden solche Wertungen durch unterschiedliche Arten und Qualitäten der Erhebung der für die Berechnung von Ungleichverteilungen benötigten Daten. Darum entstanden Organisationen, die hier eine Vereinheitlichung vorantreiben, beispielsweise das Sozio-oekonomische Panel (SOEP).
Die Akzeptanz von Ungleichverteilung wird auch von kulturellen Faktoren und von der Wahrnehmung bestimmt. Ungleichverteilungsmaße, die die Wahrnehmung von Ungleichverteilung mit einbeziehen, lassen sich in der Regel von Informationsmaßen ableiten. Auch gibt es Untersuchungen, die die Wertung von Ressourcen-Ungleichverteilungen durch Einzelpersonen erforschen.{{lang|en|Yoram Amiel (Author), Frank A. Cowell: Thinking about Inequality: Personal Judgment and Income Distributions, 1999, Cambridge}}
In Deutschland
{{Hauptartikel|Einkommensverteilung in Deutschland}}
Zur Einkommensverteilung in Deutschland betrug der Gini-Koeffizient im Jahr 2005 etwa 0,3. Dies liegt knapp über dem OECD-Durchschnitt. Laut der OECD hat die Einkommensungleichheit seit Mitte der 1990er Jahre in Deutschland stärker zugenommen als in den anderen OECD-Ländern.[http://www.oecd.org/dataoecd/45/27/41525386.pdf OECD (2008), Growing Unequal? – Income Distribution and Poverty in OECD Countries]
Funktionelle (oder funktionale) Einkommensverteilung
miniatur|funktionale Einkommensverteilung
Hier wird dargestellt, wie sich das Einkommen auf die unterschiedlichen Produktionsfaktoren der Wirtschaft verteilt, beispielsweise Arbeit, Human- und diverse Arten Sachkapital.
Die Berechnung von Kenngrößen wie der Lohnquote und der Gewinnquote (Ökonomie) verdeutlichen die sektorale Verteilung des Volkseinkommens:* Berechnung der Quoten für die Verteilung des Volkseinkommens
{|
|Arbeitnehmer || Lohneinkommen (siehe auch: Lohnquote)
|-
| ||
|-
|Unternehmer und Vermögensbesitzer || Gewinneinkommen (Brutto-Einkommen der Unternehmer und Vermögensbesitzer)
|-
| ||
|}
Verteilung des Bruttonationaleinkommens
Verteilung nach Einkommenskomponenten
miniatur|Bruttonationaleinkommen nach Einkommenskomponenten in Deutschland
* Das Bruttonationaleinkommen ist gleich 100 % gesetzt.
Die Abschreibungen stehen nicht als Einkommen zur Verfügung. Sie werden abgezogen, man erhält das:
* Nettonationaleinkommen.
Von diesem werden die Produktions- und Importabgabenu.a. Zölle, Verbrauchsteuern und Abschöpfungsbeträge auf eingeführte Güter abzüglich der Subventionen abgezogen. Man erhält das:
Dieses teilt sich auf in
* Unternehmens- und Vermögenseinkommen
Das Statistische Bundesamt (StBA) unterteilt das Arbeitnehmerentgelt in:
* Sozialbeiträge der Arbeitgeber
Es verbleiben die* Bruttolöhne und -gehälter
Diese teilen sich auf in* Sozialbeiträge der Arbeitnehmer
* Lohnsteuer
* Nettolöhne und -gehälter
In der Abbildung sind die Unternehmer- und Vermögenseinkommen vermindert um die "direkten Steuern auf die Unternehmenseinkommen", eine Größe, die nach Angaben des Destatis errechnet wurde. Außerdem weist das DEstatis seit 1991 Sozialbeiträge der Unternehmer und der Nicht-Erwerbstätigen aus, die ebenfalls von den Unternehmenseinkommen abgezogen wurden.
Median und Wohlfahrtsfunktion
Wird aus dem Bruttonationaleinkommen der arithmetische Durchschnitt (= Arithmetisches Mittel) des pro-Kopf-Einkommen berechnet, ergibt sich aufgrund des Einflusses von Spitzeneinkommen häufig ein Betrag, den ein „Durchschnittsbürger“ als überraschend hoch empfinden mag.
Darum wird zur Darstellung des durchschnittlichen Einkommens häufig der Median herangezogen. Alternativ dazu entwickelte Amartya Sen (später zusammen mit James E. Foster erweitert) die Wohlfahrtsfunktion.
Verteilungsvorgang
Einkommensverteilung kann auch im Sinn des Wortes verstanden werden: Der Vorgang der Verteilung eines Einkommens. In der Entwicklungshilfe ist die direkte Einkommensverteilung ein wichtiger Faktor, damit die Verluste auf dem Weg vom Zahler zum Empfänger gering bleiben.
Entwicklungen im 20. Jahrhundert
Einige skandinavische Länder versuchten lange Zeit, ein besonders hohes Maß an Einkommens-Gleichverteilung zu erreichen, insbesondere Schweden (siehe Folkhemmet, Schwedischer Wohlfahrtsstaat). Eine starke Wirtschaftskrise Anfang der 1990er Jahre zwang die Schweden dazu, ihren Wohlfahrtsstaat auf den Prüfstand zu stellen und zu reformieren. Zum Beispiel wurde der Spitzensteuersatz deutlich gesenkt; er beträgt nun 56,6 % (zeitweise hatte er noch deutlich höher gelegen).Friedrich-Ebert-Stiftung: [http://library.fes.de/pdf-files/id/04980.pdf Fact Sheet Schweden] 11/2007
2011 erschien eine vielbeachtete Studie zur Einkommensverteilung.
Die bekannten Ökonomen Anthony Atkinson, Thomas Piketty und Emmanuel Saez untersuchten den Anteil des reichsten Prozents aller Einkommensbezieher in den vergangenen 100 Jahren in 22 Ländern. Sie nutzten dafür Steuertabellen aus diesen Ländern.Aufsatz in der amerikanischen Fachzeitschrift "Journal of Economic Literature". Die Zahlen für Deutschland reichen leider nur bis 1998. vgl. [http://g-mond.parisschoolofeconomics.eu/topincomes/ The World Top Income Database] Einige Ergebnisse:* Weltweit:
** Weltweit nahm die Einkommensungleichheit von 1910 zu 1992 zu.http://elsa.berkeley.edu/~saez/atkinson-piketty-saezJEL10.pdf Atkinson, Piketty, Saez S. 11.]
** Der Anteil der Super-Reichen am weltweiten Gesamteinkommen nahm von 1910 bis 1970 ab, von 1970 bis 1992 zu.http://elsa.berkeley.edu/~saez/atkinson-piketty-saezJEL10.pdf Atkinson, Piketty, Saez S. 11.]
* Angelsächsische Länder:
** In Großbritannien und den Vereinigten Staaten verdiente das Prozent an der Spitze der Einkommenspyramide 1910 rund ein Fünftel aller Löhne und Gewinne; die zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise halbierten den Anteil der Reichsten bis 1950;
* In Deutschland und Frankreich verdiente 1910 das reichste Prozent aller Einkommensbezieher rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung; etwa 1950 waren es in Westdeutschland noch elf, in Frankreich noch neun Prozent.
* Während der Nazi-Zeit in Deutschland wurden die Reichen wieder reicher. Sie gewannen während des Aufschwungs vor dem Krieg – viele auch durch die Enteignung jüdischen Vermögens – fünf Prozentpunkte hinzu.
* In Deutschland nahm bis in die 1960er Jahre die Ungleichheit etwas zu; die sozial-liberalen Reformen in den 1970er Jahren verminderten den Anteil der Top-Verdiener. Ähnlich war es in anderen westlichen Ländern.
Danach änderte sich das Bild deutlich: Margaret Thatcher (Vereinigtes Königreich) und Ronald Reagan (Vereinigte Staaten) senkten die Einkommensteuern stark, beschnitten die Gewerkschaftsmacht, liberalisierten Arbeitsmärkte und schafften wachstumshemmende Vorschriften ab. Der Anteil der großen Einkommen stieg stark. Dieser Prozess hielt in den 1990er Jahren unter Bill Clinton (USA) und Tony Blair (Großbritannien) an. Heute bekommt das oberste Prozent anteilig wieder so viel wie vor 100 Jahren.
Die Einkommensentwicklung in den USA stellt sich folgendermaßen dar:
* Zwischen 1947 und 1979 stieg die Produktivität um 119 %, das Einkommen des unteren Fünftels stieg um 122 %.* Zwischen 1979 und 2009 stieg die Produktivität um 80 %, das Einkommen des unteren Füntels ging um 4 % zurück, während in etwa demselben Zeitraum das Einkommen der oberen 1 % um 270 %. stieg.http://www.freitag.de/politik/1145-das-grosse-wuerfelspiel
In Deutschland (Zahlen bis 1998) und Frankreich hat auch dort der Anteil des obersten Prozents aller Einkommensbezieher zugenommen, verglichen mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg liegt sein Teil an der gesamten Wertschöpfung aber auf ähnlichen Niveau - weiterhin um 10 Prozent.
Atkinson und Saez vermuten, dass neben der ökonomischen Liberalisierung in den angelsächsischen Ländern seit Mitte der 1980er Jahre vor allem die Senkung des Spitzensteuersatzes und die gestiegene Entlohnung von "Managern" die neue Ungleichheit verursachen.
Siehe auch
* Liste der Länder nach Einkommensverteilung* Internationale Einkommensverteilung
* Vermögensverteilung
* Verteilungstheorie
* Power Structure Research
* Sozialforschung, Makroökonomie, Wirtschafts- und Bevölkerungsstatistik
Literatur
* Kate Pickett & Richard G. Wilkinson: Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind. Haffmans & Tolkemitt, 2009, ISBN 978-3942048095.
* Martin Schenk & Michaela Moser: Es reicht! Für alle! Wege aus der Armut. 2010, ISBN 978-3552061149.
Weblinks
* Klaus Deininger, Kihoon Lee, Lyn Squire: [http://www.wider.unu.edu/research/Database/en_GB/database/ World Income Inequality Database (2008)]
* [http://184.168.89.58/sketch/ The World Top Income Database] von Anthony Atkinson, Thomas Piketty, Emmanuel Saez, Facundo Alvaredo
* [https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/fields/2172.html Internationale Einkommensungleichheit]
* [http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/forschungsprojekt-a333-dritter-armuts-und-reichtumsbericht.pdf Deutschland. Der 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (2008)] (PDF-Datei; 2 MB)
* [http://www.stendal.hs-magdeburg.de/project/konjunktur/ber0107.pdf Verteilung in den Neuen Bundesländern (auf Seite 8)] (PDF-Datei; 136 kB)
* [http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/kaufkraft.htm Geld, Kaufkraft und die Einkommensverteilung mit aktuellen Ergänzungen]
* [http://www.sozialpolitik-aktuell.de/ds-einkommensverteilung.html Datensammlung (kommentierte Info-Grafiken) zur Einkommensverteilung]
* Claus Schäfer: [http://www.boeckler.de/pdf/wsimit_2009_12_schaefer.pdf Aus der Krise in die Krise? WSI-Verteilungsbericht 2009.] Berichte des WSI, 12/2009.
* [http://www.lohn-vergleich.at Lohnvergleich Österreich] Vergleich der Einkommen in Österreich nach Berufsgruppen, Branchen, Regionen und anderen relevanten Kriterien
* Der britische Sozialforscher Richard G. Wilkinson über die Frage, warum der wachsende Abstand zwischen Arm und Reich schlecht für alle ist: [http://www.zeit.de/2010/13/Wohlstand-Interview-Richard-Wilkinson?page=all]
Einzelnachweise
Income inequality metrics
es:Pobreza relativa
nl:Inkomensverdeling
pt:Pobreza relativa
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