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Entwicklungsdienstleister

22.05.2012 @ 11:29, ,

Entwicklungsdienstleister (auch: Ingenieurdienstleister (so offizielle Bezeichnung der Bundesagentur für Arbeit), neu: Engineering-Dienstleister) sind Industrieunternehmen, deren Umsatz größtenteils aus der Erbringung von Entwicklungsdienstleistungen in Form von Werksverträgen und Auftragsentwicklungen erreicht wird. Die Produktion und der Verkauf eigener Produkte steht bei Entwicklungsdienstleistern nicht im Vordergrund. Damit stehen sie im Allgemeinen am Anfang der Wertschöpfungskette.

Die VDI-Norm 4510 "Ingenieur-Dienstleistungen und Anforderungen an Ingenieur-Dienstleister" soll die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit unterstützen.[http://www.vdi.de/uploads/tx_vdirili/pdf/9661621.pdf Inhaltsverzeichnis VDI 4510]

Entstehung und Bedeutung


Die Unternehmensform des Entwicklungsdienstleisters entstand als Weiterentwicklung der klassischen Ingenieurbüros. Seit den 1980er Jahren wurden verstärkt Entwicklungsaufgaben von Industrieunternehmen an externe Stellen vergeben. Entwicklungsdienstleister verstehen sich als Entwicklungs- und Technologiepartner der Kundenunternehmen. Ingenieurbüros können als Unterform der Entwicklungsdienstleister verstanden werden.

Die klassischen Kundenunternehmen sind die Automobilindustrie (mit Zuliefererunternehmen) und die Luftfahrtindustrie (mit Zuliefererunternehmen).

Bereits 2000 überschritten 14 Entwicklungsdienstleister im Umsatz die 100-Mio.-EUR-Marke. Allein in der Automobilindustrie beträgt das Marktvolumen rund 8,5 Mrd. EUR (Stand 2002). Bis 2012 soll dieses Volumen auf 13 Mrd. EUR wachsen.

Entwicklungsdienstleister gewinnen in Zeiten des Outsourcing und von Rationalisierungen in den Industrieunternehmen verstärkt an Bedeutung als Arbeitgeber für Ingenieure und Techniker.

Abgrenzung


Während Ingenieurbüros (In Österreich wird der Begriff Ingenieurbüro in abgewandelter Bedeutung verwendet, siehe dazu Ingenieurbüro.) meist nur Dienstleistungen aus einem Fachgebiet anbieten (z.B. Konstruktion, Layout, Statikberechnung, Projektmanagement) decken Entwicklungsdienstleister eine breitere Angebotspalette ab (z.B. Automobilelektronik) und sind oft auch in der Lage, Entwicklungen von Teilsystemen (Modulen) vollständig (d.h. vom Lastenheft bis zur Serienreife) im eigenen Haus durchzuführen. Die Grenze zwischen Entwicklungsdienstleister und Zuliefererunternehmen verschwimmt an dieser Stelle. Allerdings verfügen Entwicklungsdienstleister im Gegensatz zu Zulieferern im Allgemeinen über keine Produktionsmöglichkeiten.

Formen


Die meisten Entwicklungsdienstleister bieten Dienstleistungen aus verschiedenen der nachstehend beschriebenen Bereich an.
*Werksverträge
*Auftragsentwicklung

*Arbeitnehmerüberlassung

Markt für Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland


2010 bestimmten die folgenden Anbieter maßgeblich den deutschen Markt für Technologie-Beratung und Engineering Services:[http://luenendonk-shop.de/out/pictures/0/lue_tb_listeundpi_2011_f_140711_fl.pdf Lünendonk-Liste 2011: Führende Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland]

{| class="wikitable" style="text-align:center"
|-
!Rang!!Unternehmen!!Umsatz in Deutschland in Mio. Euro!!Mitarbeiterzahl in Deutschland
|-
| 1 ||style="text-align:left"| EDAG GmbH & Co. KGaA || 410,2 || 5.310
|-
| 2 ||style="text-align:left"| Bertrandt AG || 388,9 || 5.826
|-
| 3 ||style="text-align:left"| IAV GmbH – Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr || 312,0 || 3.100
|-
| 4 ||style="text-align:left"| Ferchau Engineering GmbH || 294,0 || 4.000
|-
| 5 ||style="text-align:left"| ESG Elektroniksystem- und Logistik Gruppe || 222,0 || 1.420
|-
| 6 ||style="text-align:left"| MBtech Group || 195,0 || 2.100
|-
| 7 ||style="text-align:left"| Yacht Teccon Engineering GmbH & Co. KG || 187,0 || 3.150
|-
| 8 ||style="text-align:left"| Tieto Deutschland GmbH || 146,0 || 1.028
|-
| 9 ||style="text-align:left"| IABG Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH || 136,0 || 1.150
|-
| 10 ||style="text-align:left"| P3 Ingenieurgesellschaft mbH || 129,0 || 1.400

|}

Die Aufnahme in dieses Ranking unterliegt genau definierten Kriterien. Mehr als 50 Prozent des Umsatzes müssen mit Technologie-Beratung und Engineering Services erwirtschaftet werden, einschließlich Design/Konzeption, Testen/Validierung, Research & Innovation Consulting, Embedded Systems/Software, Projektmanagement, Scientific Simulations und Modelling, Systemintegration sowie Prozess- und IT-Beratung. So ist sichergestellt, dass nur Unternehmen gelistet sind, deren Kerngeschäft im betrachteten Markt angesiedelt ist.

Die Lünendonk GmbH betrachtet seit 2006 kontinuierlich den Markt für Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland. Dabei erhebt das Marktforschungsunternehmen nicht den Anspruch, den Gesamtmarkt abzubilden. Es konzentriert sich vielmehr darauf, die führenden Anbieter in einem bestimmten Marktsegment zu betrachten. Neben den 25 führenden Anbietern werden auch mittelgroße und kleine Entwicklungsdienstleister zu Vergleichszwecken in die Analysen einbezogen. Diese Unternehmen repräsentieren zusammen die Grundstruktur des Marktes und so hohe Umsatzanteile am Markt, dass Schlussfolgerungen für die Gesamtsituation und -entwicklung möglich sind. Die Analyse des Jahres 2011 umfasst 44 Unternehmen inklusive der Top 25.

Im Zuge der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 war die Nachfrage für externe Technologie-Beratung und Engineering Services massiv eingebrochen. Das Marktvolumen ging von 2008 auf 2009 nach Analystenmeinung um etwa zwölf Prozent auf insgesamt 6,3 Milliarden Euro zurück. Der Wirtschaftsaufschwung des Jahres 2010 machte sich auch bei den Ingenieurdienstleistungen bemerkbar: Im Jahr 2010 wuchs das Marktvolumen um circa acht Prozent auf ein Volumen von 6,8 Milliarden Euro. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen – für das Jahr 2011 erwarten die Anbieter ein Marktwachstum von 8,1 Prozent. Die mittelfristigen Prognosen trüben sich zwar leicht ein (2011-2016: durchschnittlich 7,8% p.a.), aber langfristig rechnet der Sektor Ingenieurdienstleistungen jährlich mit hohen einstelligen Zuwachsraten (2016-2020: durchschnittlich 8,6% p.a.).

Die befragten Unternehmen konnten ihren Umsatz in Deutschland 2010 durchschnittlich um 10,1 Prozent erhöhen. Aufgrund der unverändert hohen Nachfrage erwarten sie, den eigenen Umsatz 2011 um 17,9 Prozent steigern zu können.

Diese Prognose könnte sich jedoch als zu optimistisch erweisen. Denn der Ingenieur- und Fachkräftemangel in Deutschland dürfte die analysierten Unternehmen ausbremsen. Ihre Auslastung stieg bereits im Jahr 2010 wieder auf Höchstwerte an, gleichzeitig berichten sie von hohen Fluktuationsraten. Vor diesem Hintergrund erscheint ungewiss, ob die Anbieter genug Personal für solch hohe Zuwachsraten für sich gewinnen können.

Die wichtigsten Kunden der Anbieterunternehmen stammen in Deutschland traditionell aus der Automobilbranche (42,0%) einschließlich deren Zulieferer (11,3%) sowie der Luft- und Raumfahrt (20,6%). Insgesamt entfallen auf diese drei Branchen mehr als 70 Prozent der Umsätze im Jahr 2010 (73,9%). In den anderen Sektoren erzielen die Unternehmen im Durchschnitt jeweils einstellige Umsatzanteile.

Im Jahr 2010 beschäftigten die analysierten Unternehmen durchschnittlich 1.040 Mitarbeiter, das sind im Schnitt 86 Mitarbeiter mehr als noch im Jahr 2009. „Berater/Ingenieure“ weisen dabei im Schnitt eine durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von 4,6 Jahren auf. Die Mitarbeiter aus „Vertrieb/Marketing“ bleiben dagegen etwas länger im Unternehmen (5,5 Jahre). Insgesamt beträgt die Fluktuationsrate bei den analysierten Unternehmen durchschnittlich 16,2 Prozent. Damit steigt dieser Wert seit Jahren kontinuierlich an. 2009 hatte die Fluktuationsrate durchschnittlich bei 14,2 Prozent gelegen. 2008 waren es noch 13,3 Prozent.

In Bezug auf die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr sind die Unternehmen sehr optimistisch und erwarten ein durchschnittliches Mitarbeiterwachstum von 21,7 Prozent. Inwieweit sich dieser Wert angesichts des allgemeinen Ingenieur- und Fachkräftemangels in Deutschland sowie steigender Fluktuationsraten und verstärkter Übernahme von Mitarbeitern durch Kundenunternehmen realisieren lässt, bleibt abzuwarten.

Siehe auch


*Auftragshersteller
*[http://wrs.region-stuttgart.de/sixcms/media.php/923/Automobil-Clusterreport_2003.pdf Automobil Clusterreport 2003] (PDF-Datei; 404 kB)

*[http://miredaktion.sv-www.de/imperia/md/content/ap/charts/59.pdf Automobilentwicklung November 2003] (PDF-Datei; 574 kB)

Einzelnachweise


Kategorie:Industrie
Kategorie:Dienstleistungsunternehmen

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