Freudenstadt
{{Infobox Gemeinde in Deutschland
|Art = Stadt
|Wappen = Wappen Freudenstadt.png
|Breitengrad = 48/27/48/N
|Längengrad = 08/24/40/E
|Lageplan = Karte Freudenstadt.png
|Bundesland = Baden-Württemberg
|Regierungsbezirk = Karlsruhe
|Landkreis = Freudenstadt
|Höhe = 732
|Fläche = 87.58
|PLZ = 72250
|PLZ-alt = 7290
|Vorwahl = 07441, 07442, 07443
|Kfz = FDS
|Gemeindeschlüssel = 08237028
|Adresse = Marktplatz 1
72250 Freudenstadt
|Website = [http://www.freudenstadt.de/ www.freudenstadt.de]
|Bürgermeister = Julian Osswald
|Bürgermeistertitel= Oberbürgermeister
|Partei = CDU
}}
Freudenstadt ist eine Stadt in Baden-Württemberg, die etwa 65 Kilometer südwestlich von Stuttgart und 60 Kilometer südlich von Karlsruhe auf einem Hochplateau am Ostrand des Nordschwarzwalds auf 591 bis 968 Metern Höhe liegt. Sie ist ein anerkannter heilklimatischer und Kneipp-Kurort und eine traditionsreiche Tourismusstadt.
Die Geschichte Freudenstadts ist geprägt von planmäßigem Aufbau und Zerstörung. Auch wegen ihrer exponierten geographischen Lage wurde sie immer wieder zum Spielball der Mächtigen.Gemeint ist, dass es lange Zeit vom Wohlwollen der Mächtigen abhing, ob die Stadt in Ödnis versank oder durch gezielte finanzielle Unterstützung sowie Ansiedlungsversuche Leben einkehrte. Militärische Befestigungen, wie die Alexanderschanze oder der Westwall im Zweiten Weltkrieg mit dem Führerhauptquartier sorgten zudem stets für Aufmerksamkeit beim Kriegsgegner, worunter letztendlich die Zivilbevölkerung zu leiden hatte. Nach den Trümmern des Zweiten Weltkrieges waren es erneut „Auswärtige“, die über die Geschicke der Stadt mitentschieden. Näheres ist im Abschnitt Geschichte zu lesen. 1599 wurde die Stadt von Herzog Friedrich I. von Württemberg als beabsichtigte Residenz des Herzogtums Württemberg gegründet. Ein Stadtbrand, der Dreißigjährige Krieg und der Zweite Weltkrieg bedeuteten harte Zäsuren für die Stadtentwicklung.
Freudenstadt ist heute Sitz des Landratsamtes des Landkreises Freudenstadt. Für die umliegenden Gemeinden bildet es ein Mittelzentrum im Bereich des Oberzentrums Pforzheim. Seit dem 1. Januar 1988 ist Freudenstadt Große Kreisstadt. Mit den Gemeinden Bad Rippoldsau-Schapbach und Seewald besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.
Geographie
miniatur|Lage im Schwarzwald
miniatur|Blick vom „Friedrichsturm“ auf die Innenstadt
thumb|Ein Blick auf das Stadthaus und das Rathaus bei Nacht.
Lage
Freudenstadt liegt im nordöstlichen Schwarzwald am Rand einer nach Osten flach abfallenden schiefen Ebene, die Quellgebiet der zum Neckar fließenden Glatt ist. Gleich westlich des Stadtzentrums fällt das Gelände im Bereich des Weilers Christophstal steil zum tief eingeschnittenen Tal des Forbachs ab, der zur Murg fließt. Sechs Kilometer in südlicher Richtung, im Luftkurort Loßburg, entspringt die Kinzig, die bei Kehl in den Rhein mündet. Das größtenteils waldbedeckte westliche Stadtgebiet steigt zur Passhöhe am Kniebis und weiter bis auf 968 Meter Höhe bei der Alexanderschanze an. Südlich des Ortsteils Kniebis entspringt der Fluss Wolf.
Geologie
Die Stadt befindet sich im Bereich eines Deckgebirges der Trias, das auf einem älteren Grundgebirgssockel liegt. Die vorherrschenden Buntsandstein-Ablagerungen wurden im Verlauf des Tertiärs vom Freudenstädter Graben gestört, einem zwölf Kilometer langen und sieben Kilometer breiten Graben mit Verwerfungen von zu 140 Meter Sprunghöhe. Die Grabensohle besteht wie im östlich benachbarten Gäu aus Muschelkalk. Vor allem an den Grabenrändern, zum Beispiel im Christophstal unweit des heutigen Stadtzentrums, haben hydrothermale Lösungen Quarz-Schwerspat-Gänge gebildet.
Einen ersten, wenn auch schwachen Hinweis auf historischen Bergbau im Freudenstädter Revier enthält eine Urkunde von 1267. Weitere Hinweise aus dem Mittelalter fehlen, Hauptphase des Bergbau war das 16.-18. Jahrhundert. Wie allgemein im württembergischen Schwarzwald traf dieser auf große wirtschaftliche Schwierigkeiten und war häufig unterbrochen. Abgebaut wurden vor allem Silber- und Kupfer sowie Eisenerze. Zur Eisengewinnung wurde der oberflächennah reichlich auftretende Limonit gefördert und zur Silber-, später auch Kupfergewinnung arsenreiches Fahlerz abgebaut. Die Fahlerze der Reviere im Deckgebirge weisen einen erhöhten Wismutgehalt auf.{{Internetquelle|hrsg=mineralienatlas.de|titel=Das Bergbaurevier Freudenstadt-Dornstetten-Schönegrund|url=http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Deutschland/Baden-W%FCrttemberg/Schwarzwald/Freudenstadt|zugriff=1. Februar 2009}} Der Abbau führte zu einer Erstbesiedlung des Christophstals rund 30 Jahre vor der Stadtgründung Freudenstadts.
Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau stellte 2008 bei Bohrungen ein im Vergleich zu anderen deutschen Gangrevieren „erhebliches" Schwerspatpotential fest.{{Internetquelle|hrsg=Regierungspräsidium Freiburg.Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau|titel=Lagerstättenerkundung durch Bohrungen im Jahr 2008. Basisdaten für eine nachhaltige Rohstoffversorgung|url=http://www.lgrb.uni-freiburg.de/lgrb/download_pool/lgrbn_0708.pdf|zugriff=1. Februar 2009}}
Ein Probeabbau erfolgt derzeit beim Dorothea-Untersuchungsstollen unweit der Talstraße im Forbachtal.Nachbargemeinden
Folgende Städte und Gemeinden grenzen im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, an die Stadt Freudenstadt: Baiersbronn, Seewald, Grömbach, Pfalzgrafenweiler, Dornstetten, Glatten, Loßburg und Bad Rippoldsau-Schapbach (alle Landkreis Freudenstadt).
Stadtgliederung
Das Stadtgebiet Freudenstadts gliedert sich in die Kernstadt Freudenstadt mit Christophstal und Zwieselberg (rund 16.000 Einwohner) und die Stadtteile Dietersweiler und Lauterbad (2.305 Einwohner im Mai 2008{{Internetquelle|hrsg=Stadt Freudenstadt|titel=Zahlen-Fakten|url=http://www.freudenstadt.info/index.phtml?La=1&NavID=611.178.1 |zugriff=17. September 2008}}), Grüntal und Frutenhof (1.075 Einwohner), Igelsberg (259 Einwohner), Kniebis (890 Einwohner), Musbach (777 Einwohner) und Wittlensweiler (2.220 Einwohner). Die Stadtteile untergliedern sich in weitere Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.
{{Siehe auch|Liste der Orte im Landkreis Freudenstadt}}
Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt in der Form „Freudenstadt, Stadtteil …“. Bei den Stadtteilen handelt es sich mit Ausnahme von Kniebis um ehemals selbständige Gemeinden. In Freudenstadt ist die Unechte Teilortswahl eingeführt, das heißt, das Stadtgebiet gliedert sich in sechs Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Die Kernstadt und der Stadtteil Igelsberg sind zu einem Wohnbezirk zusammengefasst, die restlichen Wohnbezirke sind identisch mit den Stadtteilen. In den Stadtteilen bestehen Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzenden. In den Ortschaften befinden sich Verwaltungsstellen des Bürgermeisteramtes.
Abgegangene, heute nicht mehr bestehende Ortschaften und Burgen sind die Burg Hofstätten und die Siedlung Burgberg auf dem Schwarzwald im Stadtteil Dietersweiler, Schöllkopf, ein im Dreißigjährigen Krieg abgebranntes Gehöft im Bereich der Kernstadt, die Siedlungen und Einzelhöfe Wolfhaus im Stadtteil Grüntal, Slunwag im Stadtteil Igelsberg sowie Gallushütte und Hilpertshöfle im Stadtteil Musbach.{{Literatur|Titel=Regierungsbezirk Karlsruhe|Sammelwerk=Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden|Band=V.|Verlag=Kohlhammer|Ort=Stuttgart|Jahr=1976|Seiten=623–629|ISBN=3170025422}}{{Internetquelle|hrsg=Stadt Freudenstadt|titel=Hauptsatzung der Stadt Freudenstadt|url=http://www.freudenstadt.info/media/custom/606_191_1.PDF |zugriff=17. September 2008|format=PDF}}
Raumplanung
Freudenstadt ist ein Mittelzentrum innerhalb der Region Nordschwarzwald, in der Pforzheim als Oberzentrum ausgewiesen ist. Zum Mittelzentrum Freudenstadt gehören die Städte und Gemeinden Alpirsbach, Bad Rippoldsau-Schapbach, Baiersbronn, Dornstetten, Glatten, Grömbach, Loßburg, Pfalzgrafenweiler, Schopfloch, Seewald, Waldachtal und Wörnersberg.
Klima
Die Jahresdurchschnittstemperatur lag zwischen 1990 und 2007 bei 7,9 °C. Die höchste durchschnittliche Maximaltemperatur ergab sich mit 21,2 °C im August, die niedrigste durchschnittliche Minimaltemperatur im Januar bei –2,2 °C. Analog dazu sind die höchste und die niedrigste Tagesdurchschnittstemperatur verteilt. Die zwischen 1961 und 1990 gemessene Jahresniederschlagsmenge ist aufgrund der Gebirgsrandlage der Stadt mit 1681,4 Millimeter für Deutschland überdurchschnittlich hoch. Über das Jahr wurden dabei recht konstante Werte verzeichnet, wobei das Maximum mit 189,9 Millimetern im Dezember verzeichnet wurde. Für die Regentage ergibt sich ein ähnliches Bild mit einer recht homogenen Verteilung von 15,2 Tagen im Juni und Juli und 19,7 Tagen im Dezember. Im Jahr gab es im Mittel 205,6 Regentage. Bei den durchschnittlichen täglichen Sonnenscheinstunden zwischen 1990 und 2007 erreichte Freudenstadt mit 4,6 einen hohen Wert, der vermutlich auf die weitgehende Nebelfreiheit zurückzuführen ist. Die meisten Sonnenstunden wurden im Juni verzeichnet (7,1 Stunden), die geringsten im Dezember mit 1,8 Stunden.
Wetterdaten für Freudenstadt werden von der Warte des Deutschen Wetterdienstes auf dem erhöht liegenden Kienberg gesammelt. Die Firma Meteomedia unterhält Wetterstationen auf dem Marktplatz und in Freudenstadt-Langenwald.
| TABELLE =
| DIAGRAMM TEMPERATUR = aktiviert
| DIAGRAMM NIEDERSCHLAG = aktiviert
| DIAGRAMM NIEDERSCHLAG HÖHE = 250
| QUELLE = *[http://www.dwd.de/bvbw/appmanager/bvbw/dwdwwwDesktop?_nfpb=true&_pageLabel=_dwdwww_klima_umwelt_klimadaten_deutschland&T82002gsbDocumentPath=Navigation%2FOeffentlichkeit%2FKlima__Umwelt%2FKlimadaten%2Fkldaten__kostenfrei%2Fausgabe__mittelwerte__node.html__nnn%3Dtrue DWD] für Monatsniederschlags-Mittelwerte (Erhebungszeitraum: 1961 bis 1990)
* [http://www.wetteronline.de/cgi-bin/regframe?3&PRG=klstatausw&LANG=de&WMO=10720&STARTMONAT=01&STARTJAHR=1997&ENDMONAT=12&ENDJAHR=2007&ART=TMX wetteronline.de] für alle anderen Mittelwerte (Erhebungszeitraum: 1990 bis 2007)
| Überschrift =
| Ort = Freudenstadt (Kienberg, 797 m ü. NN)
| hmjan = 1.9
| hmfeb = 3.2
| hmmär = 7.0
| hmapr = 10.8
| hmmai = 15.8
| hmjun = 19.2
| hmjul = 21.0
| hmaug = 21.2
| hmsep = 16.3
| hmokt = 11.9
| hmnov = 5.3
| hmdez = 1.9
| lmjan = −2.2
| lmfeb = −2.0
| lmmär = 0.4
| lmapr = 2.6
| lmmai = 7.2
| lmjun = 10.2
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| avjan = −0.2
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| avokt = 8.7
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| nbjan = 173.7
| nbfeb = 151.7
| nbmär = 150.1
| nbapr = 124.3
| nbmai = 128.3
| nbjun = 137.0
| nbjul = 114.9
| nbaug = 112.1
| nbsep = 104.7
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| nbnov = 172.8
| nbdez = 189.9
| shjan = 2.4
| shfeb = 3.0
| shmär = 4.2
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| shmai = 6.1
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| shjul = 6.9
| shaug = 6.8
| shsep = 5.2
| shokt = 3.6
| shnov = 2.1
| shdez = 1.8
| rdjan = 17.4
| rdfeb = 17.2
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| rdnov = 19.0
| rddez = 19.7
}}
Geschichte
Spätere Stadtteile und Bergbau im St. Christophstal
miniatur|hochkant|Ruinen des [[Kloster Kniebis|Klosters Kniebis]]
miniatur|hochkant|Christophstaler Münze von 1627
Der heutige Stadtteil Grüntal-Frutenhof wurde erstmals 1100 als Grindelen urkundlich erwähnt. Das Gehöft Frutenhof fand dagegen erst 1470 schriftliche Erwähnung. 1583 bekam Grüntal eine eigene Pfarrei.{{Internetquelle|hrsg=Stadt Freudenstadt|titel=Stadtteile – Grüntal|url=http://www.freudenstadt.info/index.phtml?La=1&NavID=606.26|zugriff=2. Februar 2009}} Um das Jahr 1230 ist die Existenz von Igelsberg als Illigsberg gesichert, als es vom Pfalzgraf Rudolf von Tübingen zu Lehen an das Bistum Straßburg ging. Seit 1381 gehörte Igelsberg zum benediktinischen Kloster Reichenbach und kam erst 1595 zu Württemberg.{{Internetquelle|hrsg=Stadt Freudenstadt|titel=Stadtteile – Igelsberg|url=http://www.freudenstadt.info/index.phtml?La=1&NavID=606.24|zugriff=2. Februar 2009}}
Im heutigen Kniebis stand um 1250 eine Kapelle eines Herrenalber Mönchs, die 1278 zu einem Franziskanerkloster umgebaut wurde, das 1320 zu Württemberg kam. Um sich gegen mögliche Angriffe des habsburgischen Bischofs von Straßburg zu schützen, ließ der von den Habsburgern unter Friedrich dem Schönen zum Kaiser Ludwig dem Bayer übergelaufene Graf Eberhard Schanzen auf dem Kniebis errichten.{{Internetquelle|hrsg=Stadt Freudenstadt|titel=Stadtteile – Kniebis|url=http://www.freudenstadt.info/index.phtml?La=1&NavID=606.29|zugriff=2. Februar 2009}} Der Stadtteil Musbach, namentlich das gegenwärtige Untermusbach, fand 1274 als Muosbach Eingang in Schriftstücke und war seit Anbeginn württembergisch. Wohl 1291 kam das heutige Untermusbach vom Pfalzgrafen von Tübingen zum Kloster Reichenbach. Erst 1595 wurde es württembergisch.{{Internetquelle|hrsg=Stadt Freudenstadt|titel=Stadtteile – Musbach|url=http://www.freudenstadt.info/index.phtml?La=1&NavID=606.25|zugriff=2. Februar 2009}} Dietersweiler fand 1347 erstmals als Dietrichsweiler urkundliche Erwähnung. Zusammen mit dem bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts als Witelineswilare bestehenden Stadtteil Wittlensweiler wurde es von den Herren von Lichtenfels an die Herren von Neuneck veräußert. Wittlensweiler ging 1473 an Württemberg, Dietersweiler folgte 1511.{{Internetquelle|hrsg=Stadt Freudenstadt|titel=Stadtteile – Wittlensweiler|url=http://www.freudenstadt.info/index.phtml?La=1&NavID=606.27|zugriff=2. Februar 2009}}{{Internetquelle|hrsg=Stadt Freudenstadt|titel=Stadtteile – Dietersweiler|url=http://www.freudenstadt.info/index.phtml?La=1&NavID=606.28|zugriff=2. Februar 2009}}
1520 bis 1534 erfolgte unter österreichischer Herrschaft eine Erzförderung in der Nähe des ehemaligen Gehöfts Schöllkopf. 1544 wurde das Kloster auf dem Kniebis aufgelöst. Viele kleine Bergwerke, deren Stollen waagrecht in den Berg führten, entstanden, darunter um 1560 der nach Herzog Christoph benannte "St.-Christoph-Erbstollen", dessen Name auch auf die Siedlung im Tal überging, die kurz darauf entstand. Vertikale Die steilen Talhänge des Christophstal begünstigten die Anlage von Stollen, die Schächte blieben in Zahl und Bedeutung deutlich zurück. Aber nicht nur im Christophstal wurden Gruben angelegt. Die Charlottengrube entstand in der Nähe Lauterbads, auf dem Kienberg der Georgsstollen sowie die Grube "Schweitzer Treu". Auch in den späteren Ortsteilen wurde geschürft: In Wittlensweiler wurde zwischen 1812 und 1824 eine Grube in der Pfarrgasse („Friedrich- und Wilhelmina-Fundgrub in der Kirchgaß“) betrieben, die Schwerspat und Brauneisen förderte.Freudenstädter Beiträge 8/1992 - Kurt F. Kunzmann, Der Bergbau und die Mineralien des Freudenstädter Revieres
Bereits 1536 wurden die Bergleute mit besonderen Privilegien ausgestattet. 1598 wurden 87 Tonnen Erz gefördert, das je Tonne bis zu 1800 Gramm Silber und 140 Kilogramm Kupfer enthielt. Die Silberschmelze wurde mit Holzkohle aus den Wäldern der Umgebung beheizt.{{Literatur|Autor=Statistisch-Topographisches Bureau Württemberg|Herausgeber=W. Nitzschke|Titel=Friedrich I.|Sammelwerk=Das Königreich Württemberg: Eine Beschreibung von Land, Volk und Staat|Jahr=1863|Seiten=848}} 1603 betrug die Förderung 94 Kilogramm Silber. Daraus entstanden die sogenannten Christophstaler. Später konzentrierte sich der Abbau deutlich auf Kupfer sowie Eisen.
Am 23. Januar 1572 wurde unter Herzog Ludwig der Bau eines Hüttenwerkes angeordnet. Sein Nachfolger Friedrich I. sorgte im Hinblick auf eine weitgehende Rohstoff-Autarkie des Herzogtums für die Gründung weiterer Verarbeitungsbetriebe. 1595 plante Baumeister Heinrich Schickhardt eine Eisenschmiede, aus der der spätere obere Großhammer entstand. 1606-1610 kam eine Messingfaktporei mit Brennöfen und Schmiede hinzu. 1616 wurde der obere Drahtzug eingerichtet, 1621 der untere. Es entstanden ein Kupferhammer, ein Pfannenhammer, ein weiterer Großhammer, der spätere Wilhelmshammer. Zwischen Kupferhammer und (unterem) Pfannenhammer wurde eine zweite Schmelze errichtet. An einem Ort, der nicht mehr bekannt ist, stand auch eine Glockengießerei. Zwischen 1622 und 1628 wurde im Christophstal eine Münze betrieben, in der erst Münzen aus der Kipper- und Wipperzeit geprägt wurden, danach aber reguläre Münzen.Freudenstädter Beiträge 9/1999 – Albert Raff, Die Bedeutung von Christophstal für die württembergische Münzgeschichte
Stadtplanung
miniatur|hochkant|[[Friedrich I. (Württemberg, Herzog)|Friedrich I., und Gründer von Freudenstadt]]
Herzog Friedrich I. betrieb als Vertreter des Frühabsolutismus eine aktive Macht- und Wirtschaftspolitik. Die Förderung des Bergbaus in Christophstal und die Ansiedlung von protestantischen Glaubensflüchtlingen sollten im merkantilistischen Sinne die Einnahmen des Landesherren sichern. Die bestehenden Landesfestungen wurden ausgebaut. An der Westflanke, nahe dem strategisch wichtigen Kniebis-Pass, sollte mit Freudenstadt eine neue befestigte Residenz weitere geplante Territorialerwerbungen im Westen als Brückenschluss zu den westrheinischen Besitzungen sichern. 1595 hatte der Herzog Besigheim und Mundelsheim von Baden erworben. Im selben Jahr setzte er mit Gewalt seine Ansprüche auf Reichenbach durch. Sein weiteres Ziel war der Erwerb des Bistums Straßburg. 1604 erlangte er zumindest auf dreißig Jahre befristet die Pfandschaft Oberkirch von diesem Bistum.{{Literatur|Autor=Dieter Stievermann|Herausgeber=Sönke Lorenz … In Zusammenarbeit mit Christoph Eberlein …und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen|Titel=Friedrich I.|Sammelwerk=Das Haus Württemberg – ein biographisches Lexikon|Verlag=Kohlhammer|Ort=Stuttgart; Berlin; Köln|Jahr=1997|ISBN=3-17-013605-4, Seiten 139–142}} Friedrich beauftragte seinen Baumeister Heinrich Schickhardt um das Jahr 1598, das Gebiet um das heutige Freudenstadt zu untersuchen. Rückblickend berichtet Schickhardt 1632 in der Zusammenfassung seines Lebenswerkes („Inventar“):
{{Zitat|Da hab ich, alß es noch ein wald gewesen, den ersten augenshein ein genommen, den Boden an vilen undershidlichen orten zemlich tief ersuochen lassen, aber wenig guots gefunden, dero wegen ich in underthonigkhait darfür gehalten, das nit Rhatsam ein Stat dahen zu bauwen […]|ref={{Literatur|Autor=Heinrich Schickhardt|Titel=Inventar|Jahr=1632|Kapitel=Stätt von Newem erbautt.|Online=[http://plone.schule-bw.de/unterricht/faecheruebergreifende_themen/landeskunde/modelle/epochen/neuzeit/schickhardt/freudenstadt/t1.pdf Landesbildungsserver Baden-Württemberg]|Zugriff=17. September 2008}}}}
Dennoch bestand der Herzog auf den Bau der Stadt. Schickhardts quadratischer Grundriss für Freudenstadt geht wahrscheinlich auf Zeichnungen Albrecht Dürers in seiner Festungslehre zurück.Albrecht Dürer: Etliche underricht, zu befestigung der Stett, Schloß, und flecken. Nürnberg 1527. Für die entsprechende Zeichnung lieferte möglicherweise ein Plan der aztekischen Stadt Tenochtitlán die Grundlage. In: {{Literatur|Autor=Hanno-Walter Kruft|Titel=Geschichte der Architekturtheorie. Von der Antike bis zur Gegenwart.|Verlag=C. H. Beck|Ort=München|Jahr=2004|Seiten=124|ISBN=340634903X}} Schickhardt entwarf Freudenstadt auf Geheiß Friedrichs I. am Reißbrett. Zunächst legte er dem Herzog den als Baublockplan bekannten Entwurf vor, bei dem jeweils mehrere Häuser in Zeilen oder rechteckig, teils mit Innenhof, angelegt sind. Die massive Festung mit dem Schloss war in diesem ersten Plan in einer Ecke der Anlage vorgesehen, der Marktplatz im Zentrum der Stadt war verhältnismäßig klein geplant. Schickhardts zweiter Entwurf ist eine Fortentwicklung des Baublockplans. Es sind bereits deutliche Ansätze der später realisierten Häuserzeilen zu erkennen. Das Schloss in der damals üblichen Bauweise war abermals in einer Ecke der Anlage in die Festungsmauern eingebettet. Tatsächlich wurde Freudenstadt dann nach dem Dreizeilenplan erbaut, wobei das nun in der Mitte der Stadt geplante Schloss und die Festung erst später entstehen sollten. Diese Entscheidung ließ zu, die Stadt flexibel zu vergrößern, bis eine konstante Einwohnerzahl erreicht war. Das Schloss war im Dreizeilenplan mittig und um 45° zur geometrischen Stadt gedreht auf dem Marktplatz vorgesehen. Die geplante massive Konstruktion der Festung wurde zurückgenommen und gleicht mehr einer Stadtmauer, was darauf hindeutet, dass dem Herzog bereits zu diesem Zeitpunkt doch nicht mehr so viel an der militärischen Funktion seiner Stadt gelegen war. Gleichwohl ist ein Plan Schickhardts bekannt, der den Dreizeilenplan um eine mächtige Festung erweiterte. Ob es sich dabei mehr um eine „Spielerei“ oder um eine echte Planung handelte, ist allerdings nicht bekannt. Umgeben wird das Zentrum auf dem Plan von drei Häuserzeilen, die an ein Mühlebrett erinnern. Selbst die Namen der ersten Bewohner, vornehmlich Handwerker, die vom Bau der neuen Stadt profitieren wollten, sind eingetragen. Diese Anmerkungen dürften von Elias Gunzenhäuser, dem örtlichen Bauleiter, stammen.
Datei:Renaissance B27 Erster Entwurf für Freudenstadt.jpg|Erster Entwurf („Baublockplan“)
Datei:2-mischplan.jpg|Zweiter Entwurf (Baublockplan mit deutlichen Elementen der Zeilenpläne)
Datei:Freudenstadt Dreizeilenplan.jpg|Dritter, endgültiger Entwurf („Dreizeilenplan“)
Datei:129 Lexikon Württemberg-Freudenstadt.jpg|Entwurf für Dreizeilenplan erweitert um Festung
Datei:Fachwerk.png|„Giebelhaus“ im typischen Fachwerkstil mit „Arkaden“
Datei:Häuser Marktplatz Freudenstadt alt.png|Anordnung der „Giebelhäuser“ am Marktplatz
Datei:Freudenstadt Fünfzeilenplan.jpg|Entwurf zur Erweiterung der Stadt 1604 („Fünfzeilenplan“)
Datei:Freudenstadt Stadtmauer 1612.jpg|Skizze der geplanten Befestigung um 1612
Stadtgründung
Der 22. März 1599, als die ersten Häuser und Straßen von Schickhardt in Anwesenheit des Herzogs abgesteckt wurden, gilt als das Gründungsdatum der Stadt. Die Häuser am Marktplatz hatten zum Platz hin ausgerichtete Dachgiebel und wurden daher „Giebelhäuser“ genannt. Es handelte sich um typische Fachwerkhäuser. Ein vom Zimmermann aufgestelltes Gerüst aus Balken wurde mit Mauerwerk ausgefüllt und hell verputzt, während die Balken, die zum Teil sichtbar blieben, dunkel angestrichen wurden. Heute sind im Stadtkern keine Häuser dieser Bauweise mehr erhalten. Im wenig entfernten Dornstetten ist diese Bauweise im historischen Ortskern noch sichtbar.
Am 1. Mai 1601 erfolgte die Grundsteinlegung für die wohl von Elias Gunzenhäuser entworfene Stadtkirche, die am Marktplatz als Winkelkirche gebaut wurde. Zwar wird oft behauptet, die Kirche sei von Schickhardt erbaut worden, die wenigen historischen Quellen sprechen aber dagegen, siehe Seeger, Christoph: „Es muß nicht immer Schickhardt sein!“ Zur Bedeutung Heinrich Schickhardts für den Kirchenbau in Württemberg zu Beginn des 17. Jahrhunderts. In: Kretzschmar, Robert (Hg.): Neue Forschungen zu Heinrich Schickhardt. (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg B 151), Stuttgart: Kohlhammer 2002, S. 111–143. Ab 1602 wurden in der Nordwestecke - ebenfalls durch Gunzenhäuser - das Kaufhaus, in den 1660er Jahren in der Nordostecke das Rathaus, beide ebenfalls als Winkelbauten erbaut. Am 6. Mai, wurde die „Stadt ob Christophstal“ erstmals urkundlich als „Freudenstadt“ erwähnt. Wie es zu dieser Namensgebung kam, ist nicht geklärt. Am 3. November erfolgte eine Ausschreibung, mit der gezielt Ansiedlungswillige angesprochen wurden, denen Bauplatz, Holz und Felder versprochen wurden.{{Internetquelle|hrsg=Landesbildungsserver Baden-Württemberg|titel=Heinrich Schickhardt und die Gründung von Freudenstadt|url=http://www.schule-bw.de/unterricht/faecheruebergreifende_themen/landeskunde/modelle/epochen/neuzeit/schickhardt/freudenstadt/12geschichte.html|zugriff=1. Februar 2009}} Auf diese Art wurden vor allem von der habsburgischen Gegenreformation betroffene protestantische Glaubensflüchtlinge aus den österreichischen Kronländern Steiermark, Kärnten und Krain in die junge Stadt gelenkt. Da viele Flüchtlinge aus Krain nur slowenisch sprachen, predigte bald auch ein slowenischer Pfarrer. 1603 erhielt die junge Stadt ein Wappen, den ersten Bürgermeister und zwei Jahre später ihre Gemarkung. Hierzu wurden Teile des Dornstetter Waldgedings und der Nachbargemeinde Baiersbronn abgetrennt. Freudenstadt wurde Sitz eines kleinen Amtes.
Da sich die Einwohnerzahl gut entwickelte, ordnete Herzog Friedrich I. die Vergrößerung der Stadtanlage an. Schickhardt erstellte daraufhin den Fünfzeilenplan. Zwei zusätzliche Häuserreihen sollten zusammen mit den drei bestehenden etwa 2500 Einwohnern Wohnplatz bieten. 1608 starb Herzog Friedrich I. von Württemberg jedoch. Da die bisherigen Parzellen der nunmehr vierzeiligen Stadt zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig bebaut waren, baten die Bürger seinen Sohn und Nachfolger, Johann Friedrich von Württemberg, zumindest die Erweiterung um eine fünfte Häuserzeile aufzugeben. Diesem Gesuch wurde stattgegeben. Nach dem Tod des Herzog Friedrichs wurden auch die Pläne für das Schloss in „Friedrichs Stadt“ nicht mehr berücksichtigt. Die freie Fläche im Zentrum blieb somit ein riesiger Platz, der heute als größter bebauter Marktplatz Deutschlands gilt (siehe weiter unten: Städtebeziehung u. a. zu Heide, mit dem größten unbebauten Marktplatz Deutschlands). Außerdem besaß die Stadt lange Zeit keine Stadtmauer. Zwar gab es hierfür immer wieder Pläne (beispielsweise Schickhardts Plan von 1612, siehe oben), teils wurden auch Arbeiten begonnen, tatsächlich umgesetzt oder fertiggestellt wurden die Vorhaben jedoch nie. 1616 erfolgte dann mit dem Weiler St. Christophstal die erste Eingemeindung in die junge Stadt.
Elendsjahre und Wiederaufblühen
miniatur|Freudenstadt auf einem Stich von Merian aus dem Jahr 1643
Nur wenige Jahre nach der Gründung, als schon fast 3.000 Einwohner in Freudenstadt gelebt haben soll, brach 1610/11 die Pest aus und soll 800 Menschen hinweggerafft haben. Weitere 900 sollen daraufhin abgewandert sein. Viehkrankheiten und Missernten verschlimmerten die Situation. 1632 brach im Gasthaus Zum Güldenen Barben am unteren Marktplatz ein Brand aus, der sich wegen der Anordnung der Fachwerkhäuser in Häuserzeilen schnell ausbreitete. Heinrich Schickhardt vermerkt zum Ausmaß des Schadens:
{{Zitat|Auff den 24. Maii anno 1632 ist in der Fredenstatt eine ershröckhliche brunst außgangen, [darin sind 3 Personen gestorben und 144 Häuser abgebrannt. Das Feuer ist in der Herberge zum Güldenen Barben ausgebrochen, welches das erste Haus überhaupt in dieser Stadt war. Es ist ein Überschlag gemacht worden, dass sie zu Erbauung der abgebrannten Häuser samt 8 Scheuern bedürfen an Eichen- und Tannenbauholz: 18.577 Stämme, Bretter 44.125 und Latten 44.350.]|ref=}}
Nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen im Dreißigjährigen Krieg wurden durch kaiserlich-habsburgische Truppen erneut Gebäude in Brand gesetzt und die wenigen verbliebenen Einwohner beinahe gänzlich ermordet und geplündert. Die Einwohnerzahl in jenen Tagen dürfte im niedrigen zweistelligen Bereich gelegen haben. 1635 brach zudem erneut die Pest aus, die wiederum beinahe jegliches Leben vernichtete. Freudenstadt blieb über Jahre weitgehend verödet. Selbst 1652, fast zwanzig Jahre nach den tragischen Ereignissen, ist in Aufzeichnungen nur von etwa 300 Bürgern die Rede.{{Internetquelle|hrsg=Landesarchiv Baden-Württemberg|titel=Zur Geschichte des Amts- / Oberamts Freudenstadt vor 1807|url=https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/einfueh.php?bestand=5187 |zugriff=17. September 2008}}
Erst ab 1667 zeigte sich wieder eine gewisse Dynamik in der Stadtentwicklung, als diese von Herzog Eberhard III. zur Festung erklärt und endlich mit dem Bau der lange ersehnten Stadtmauer begonnen wurde. Eberhard III. galt als den Freudenstädtern sehr zugeneigt und half der Bevölkerung in vielerlei Weise. Damit die Einwohner in der Stadt blieben, erhielten sie sechs Jahre Steuerfreiheit. Neue Bürger brauchten zwölf Jahre keine Steuern zu zahlen. Es gab verbilligte Bauplätze, das Bauholz wurde verschenkt. Erstmals nach der langen Kriegszeit wurden die Ämter wieder besetzt. Auch die Lateinschule, ein Eckbau hinter der Stadtkirche, wurde wieder eröffnet. In Freudenstadt gedieh das Leben wieder. Der Bau der Festung kam vor allem bis 1674 gut voran, als wieder einmal der Tod eines Monarchen die Stadtentwicklung bedeutend prägte.
Das Königliche Statistisch-Topographische Bureau{{Literatur|Autor=Königliches statistisch-topographisches Bureau|Verlage=Verlag von Karl Aue in Stuttgart|Titel=Beschreibung des Oberamts Freudenstadt|Jahr=1858}} beschreibt die damals erbauten vier "massiven, sehr festen, gewölbeartigen" Stadttore 1858 genauer. Das Stuttgarter Thor im Osten war mit "aus Stein gehauenen Kanonen- und Mörserläufen verziert" und trug die herzögliche Inschrift E.H.Z.W. 1668 (für Eberhard Herzog zu Württemberg) sowie das Württembergische und Dettingische Wappen. Es beherbergte außerdem oberamtsgerichtliche Gefängnisse. Das Straßburger Tor im Süden war "weniger reich verziert" und erhielt dieselben Wappen und die Inschrift 1678. Über dem Torbogen befand sich eine vermietete Wohnung und jeweils ein Gefängnis des Oberamts und des Oberamtsgerichts. Das Murgthal-Thor im Westen umfasste die Wohnung des Oberamtsdieners und zwei Gefängnisse des Oberamts Freudenstadt. Die Inschriften lauteten E.H.Z.W. 1631 auf der Außenseite und F.C.H.Z.W. 1681 auf der Innenseite. Dies entspricht den Initialen von Friedrich Carl, dem Vormund des Herzogs Eberhard Ludwigs. Das Hirschkopf-Thor im Norden war mit der Jahreszahl 1622 beschriftet und damit das älteste Stadttor. Dort waren die Wohnung des Oberamtsgerichtsdieners sowie drei Gefängnisse des Oberamtsgerichts untergebracht.
Auf dem Kniebis entstanden 1674 bis 1675 Befestigungswälle für den Reichskrieg gegen Ludwig XIV., den Sonnenkönig. Herzog Karl Alexander ließ diese zum Fort Alexander ausbauen, heute gemeinhin bekannt als Alexanderschanze. Die Schanze war von 1799 bis 1801 in den Koalitionskriegen Schauplatz von Feindseligkeiten zwischen Österreichern und Franzosen. Diesen fiel auch das Klostergebäude Kniebis in einem Brand zum Opfer.
Von der Garnisonsstadt zum Oberamt und Kurort
1721 entsteht mit dem von Christoph Wilhelm Dietrich gegründeten und namensgebenden Gut Lauterbad eines der ersten Gebäude im heute zum Stadtteil Dietersweiler gehörenden Weiler Lauterbad.
{{Siehe auch|Lauterbad}}
1737 wurde Freudenstadt Standort einer kleinen Garnison. 1759 wurde das Amt Freudenstadt zum Oberamt erhoben. 1784 wurde der Bergbau mit der Schließung des Stollens Dorothea im Christophstal gänzlich eingestellt. 1833 erfolgte eine Vergrößerung des Stadtgebiets um etwa 2300 Hektar Wald des ehemaligen Waldgedings und 1837 eröffnete eine „Siechstation“ mit vier Betten. Freudenstadt wurde zusehends zu einer Stadt des Handwerks, was durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz mit der Gäubahn Stuttgart–Freudenstadt 1879 begünstigt wurde. 1864 wurden die Freudenstädter Stadttore abgerissen. 1876 gab der damalige Stadtschultheiß Hartranft die Absicht bekannt, Freudenstadt mit seiner reinen Luft zur Kurstadt zu machen. Das Vorhaben gelang, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein stetig wachsender Kurbetrieb ein. Zu den bekanntesten Hotels jener Zeit gehörten das Hotel Rappen, das Schwarzwaldhotel Waldlust der Hotelier-Familie Luz und das Hotel Palmenwald des Stuttgarter Unternehmers Lechler. Insgesamt gab es um 1930 rund 20 Hotels in der kleinen Stadt, davon fünf der höchsten Kategorie. Freudenstadt war als Kurort weltweit bekannt und zog Gäste wie den englischen König Georg V., die schwedische Königin, John D. Rockefeller, Mark Twain oder den Sultan von Selangor an.
1888 wurde das Bezirkskrankenhaus in der Herrenfelderstraße eröffnet. Zwei Stadtärzte und zwei Diakonissen nahmen ihren Dienst auf.{{Internetquelle|hrsg=Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH|titel=Geschichte|url=http://www.klf-net.org/FDS/geschichte.htm |zugriff=17. September 2008}} Die Stadt wurde zum beliebten Urlaubsort für Großstadtbewohner. 1899 wurde anlässlich des 300-jährigen Stadtjubiläums ein Aussichtsturm auf dem Freudenstädter Hausberg, dem Kienberg, eröffnet und auf den Namen Friedrichsturm (nach Herzog Friedrich I.) getauft.
Datei:Freudenstadt Marktplatz um 1900 .jpg|Stadtkirche und Marktplatz vor der Zerstörung der Stadt um 1900
Datei:Waldlust.PNG|Innenausstattung des Schwarzwaldhotels Waldlust um 1900
Datei:Kurhaus Palmenwald, Freudenstadt, 2009, IMGP3140.jpg|Das Hotel Palmenwald zeugt von der vergangenen Größe als mondäner Kurort
Rolle im Dritten Reich und Zweiten Weltkrieg
{{Hauptartikel|Württemberg zur Zeit des Nationalsozialismus}}
1938 wurde das Oberamt Freudenstadt in Landkreis Freudenstadt umbenannt. Während des Zweiten Weltkriegs entstand auf dem fast 1.000 Meter hoch gelegenen heutigen Stadtteil Kniebis, unweit der Alexanderschanze, eine Befehlszentrale der Wehrmacht zur Verteidigung der Westfront – das Führerhauptquartier Tannenberg. An der Schanze wurden neue Sicherungsanlagen als Teil des Westwalls gebaut. In Freudenstadt selbst wurden viele Verwundete behandelt. Der einwöchige Besuch Adolf Hitlers 1940 nach dem Frankreichfeldzug zur Einweihung des Hauptquartiers und im Freudenstädter Lazarett wurde in Wochenschauberichten propagandistisch dargestellt. Freudenstadt und das Umland wurden damit in Frankreich zu einem Symbol des Naziregimes und der französischen Niederlage, was 1945 eine nicht unwichtige Rolle spielen sollte.
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
Am 16. April 1945, nur wenige Wochen vor dem Kriegsende, wurde die Stadt unerwartet von Truppen der 1. französischen Armee unter General Lattre de Tassigny angegriffen, wobei es durch Bombenabwurf und Artilleriebeschuss zu großflächigen Zerstörungen kam. Freudenstadt war Knotenpunkt des französischen Vordringens Richtung Stuttgart wie zum Hochrhein, während die Amerikaner im Rhein-Maingebiet nach Osten vorgingen.Der deutsche Südwesten zur Stunde Null. Zusammenbruch und Neuanfang im Jahr 1945 in Dokumenten und Bildern. (Taschenbuch) von Generallandesarchiv Karlsruhe (Autor), Verlag: Karlsruhe, Harschdruck, (1. Januar 1975) ASIN: B001G6AU34 Die Wehrmacht hatte vier Stunden vor dem Einmarsch der Franzosen in Freudenstadt die drei Fachwerkviadukte der Gäubahn Stuttgart–Freudenstadt gesprengt,[http://www.gruental-frutenhof.de/Gemeinde/Geschichte/Geschichte1.html Die Geschichte des heutigen Freudenstädter Stadtteils Grüntal-Frutenhof] da die Bahnlinie nicht dem Feind in die Hände fallen sollte. Der französische Heeresbericht nennt eine Abteilung der SS (nach deutschen Quellen ein Dutzend sogenannter Werwölfe), die im Vorfeld Freudenstadts eine Sperre errichtet hatten. Freudenstadt geriet mit Unterbrechungen etwa 16 Stunden lang unter Artilleriefeuer. Kein Einwohner wagte es, den französischen Truppen zur Übergabe der Stadt entgegenzugehen, umgekehrt rechneten diese mit erheblichem militärischen Widerstand in der Stadt. Da die Hauptwasserleitung durch US-amerikanische Luftangriffe{{Internetquelle|hrsg=Haller Tagblatt|titel=Das Wunder von Freudenstadt|url=http://www.hallertagblatt.de/landundwelt/suedwestumschau/3733495/artikel.php|zugriff=5. Februar 2009}}Im Jahr 2006 wurden so auch zwei amerikanische Zehnzentnerbomben bei Bauarbeiten am Hauptbahnhof gefunden und entschärft. Siehe dazu [https://www.tagblatt.de/1315247 Schwäbisches Tagblatt] (aufgerufen am 5. Februar 2009) und die wichtigsten Feuerwehrwagen vom Artilleriebeschuss zerstört worden waren, breiteten sich Feuer nahezu ungehindert aus. Teilweise wurde Gülle zum Feuerlöschen verwendet.Hans Rommel:Vor zehn Jahren 16./17. April 1945 – Wie es zur Zerstörung von Freudenstadt gekommen ist – Freudenstädter Heimatblätter Beiheft 1 Freudenstadt: Oskar Kaupert 1955 56 Eine Übergabe fand erst statt, als die französischen Truppen bis zum Rathaus vorgerückt waren. Es gab einige Dutzend zivile Opfer; etwa 600 Gebäude, 95 Prozent der gesamten Innenstadt, wurden in der Nacht vom 16. auf den 17. April durch direkte oder indirekte Einwirkung zerstört und 1400 Familien obdachlos. Beim Einmarsch der französischen Truppen und den folgenden drei Tagen kam es zu teilweise heftigen Übergriffen.{{Literatur|Autor=Volker Kopp|Titel=Besetzt. Französische Besatzungspolitik in Deutschland|Verlag=be.bra-Verlag|Ort=Berlin|Jahr=2005}} Nach Angaben der Ärztin Renate Lutz seien allein bei ihr über 600 vergewaltigte{{Literatur|Autor=Annette Bruhns|Herausgeber=Spiegel Special|Titel=Der Krieg gegen die Frauen|Nummer=2|Jahr=2005|Kapitel=Der Ostfeldzug|Seiten=84}} Frauen in Behandlung gewesen.{{Literatur|Autor=Margarete Dörr|Titel=„Wer die Zeit nicht miterlebt hat…“. Frauenerfahrungen im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach|Verlag=Campus Verlag|Seiten=575|Jahr=1998|ISBN=3593360950}} Auf Vorhaltungen habe die Zivilbevölkerung laut Berichten von Zeitzeugen auch die Antwort erhalten, es sei Krieg, Freudenstadt müsse drei Tage brennen.{{Literatur|Autor=Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte|Titel=Dokumente deutscher Kriegsschäden|Seiten=181|Jahr=1960}}
Viele der verschont gebliebenen Bauten wurden in der Folgezeit von der französischen Besatzung beansprucht. Zahlreiche Familien hausten in notdürftig überdachten Kellerräumen. Insgesamt reduzierte sich der durchschnittliche Wohnraum je Einwohner auf unter acht Quadratmeter. Die Zeit war von großer Not geprägt, die Trümmerentfernung erfolgte anfänglich nur schleppend.Datei:Kaufhausstraße Freudenstadt Weltkrieg.jpg|Zerstörte Gebäude in der Kaufhausstraße
Datei:Stadtkirche Freudenstadt Weltkrieg.jpg|Überreste der Stadtkirche
Das Wunder von Freudenstadt
miniatur|Wiederaufgebautes Zentrum
miniatur|hochkant|„Neues“ Freudenstädter Rathaus
{{Zitat|Der neue Stadtplan lehnt sich an die geschichtlichen und natürlichen Begebenheiten an und entwickelt den alten Plan [Schickhardts] mit modernen Mitteln weiter. Damit ist er freilich ein neuer Plan geworden. Aber er berücksichtigt liebgewordene Tradition, vor allem dadurch, daß er nicht nur den großen Marktplatz beibehält, sondern die in ganz Deutschland berühmten, einzigartigen Arkaden. Die Stadt wird ein neues Gesicht und eine neue Atmosphäre erhalten, nachdem das Alte uns unwiederbringlich verloren ist. Aber sie ist nicht nur Neuentwicklung, sondern Fortentwicklung.|ref={{Literatur|Autor=Ludwig Schweizer|Titel=Die alte und die neue Stadt|Verlag=Der Grenzer (Zeitung)|Jahr=1950}}|Autor=Ludwig Schweizer}}
Es setzte eine lange Diskussion über den Wiederaufbau der Stadt ein. Modelle einheimischer Architekten sowie renommierter Stadtplaner jener Zeit wurden begutachtet. Es galt, eine ausgewogene Mischung zwischen Tradition und Moderne zu finden. Der Wohnraum sollte beim Wiederaufbau den veränderten Lebensgewohnheiten angepasst werden. Bereits 1945 wurde eine große Zahl unterschiedlicher Pläne (von Paul Heim, Hermann Gabler, Adolf Abel, Paul Schmitthenner und anderen) zum Wiederaufbau vorgelegt.
In manchen Konzepten war die Verkleinerung des als übergroß empfundenen Marktplatzes vorgesehen.So schrieb Abel an Schmitthenner: „Ich sehe nicht ein, warum ein Schwarzwaldstädtchen einen Platz braucht, beinahe so groß wie die Place de la Concorde in Paris.“, siehe auch [http://www.hallertagblatt.de/landundwelt/suedwestumschau/3733495/artikel.php Haller Tagblatt] (aufgerufen am 5. Februar 2009) Fraglich war auch der trauf- oder giebelständige Wiederaufbau am Marktplatz. Die „Abgebrannten“ forderten einen Wiederaufbau ihrer Häuser auf den alten Parzellengrenzen. Andererseits waren der zunehmende Verkehr und eine moderne Stadtplanung zu berücksichtigen. Bei den Konflikten setzte sich unter anderem Carlo Schmid vermittelnd ein.{{Literatur|Autor=Von Werner Durth, Niels Gutschow|Titel=Träume in Trümmern|Verlag=Vieweg Friedr. + Sohn Ver|Jahr=1988|ISBN=3528087064}} Letztendlich konnte sich die traditionelle Minderheit um Ludwig Schweizer und dessen Lehrer Schmitthenner gegen die sonst vorherrschende,Diese wiederum ging auf Architekten aus einer im Krieg gegründeten Arbeitsgruppe Albert Speers zurück, näheres bei Durth et al. modernistische Fachmeinung durchsetzen.{{Internetquelle|hrsg=Bietigheimer Zeitung|titel=Das Wunder von Freudenstadt|url=http://www.bietigheimerzeitung.de/bz/html/news/artikel_suedwestumschau.php4?artikel=3733495#Bildergalerie |zugriff=26. Juli 2008}} Beide waren Vertreter der Formensprache der Stuttgarter Schule mit ihrer Heimatschutzarchitektur. Schweizer wurde zum Stadtbaumeister ernannt. Zusammen mit der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Hermann Saam entstand ein detailliertes und einheitlich durchgeplantes Konzept zum Wiederaufbau. Freudenstadt entstand so innerhalb von nur fünf Jahren abermals als Planstadt.
Begünstigt wurde der schnelle Wiederaufbau dadurch, dass Freudenstadt neben Friedrichshafen die einzige Stadt im Bundesland Württemberg-Hohenzollern mit derart starken Zerstörungen war und deshalb großzügige Unterstützung erhielt. Die Art und das Ausmaß des ganzheitlichen Freudenstädter Wiederaufbaus sowie das damit verbundene enorme bürgerliche Engagement brachte der Stadt viel Aufmerksamkeit und Anerkennung. Insbesondere Stimmen aus der DDR lobten das Zurückgreifen auf „nationale Traditionen“ als vorbildlich, wohingegen die lokale KPD 1949 als einzige Partei im Stadtrat gegen den traditionellen Wiederaufbau mit Giebelhäusern gestimmt hatte. In Zusammenhang mit dem letztendlich gelungenen Wiederaufbau wird gerne vom „Wunder von Freudenstadt“ gesprochen.Leitthema einer Ausstellung zum Wiederaufbau vom 15. Mai 2004 bis 19. September 2004 im Stadthaus von Freudenstadt, [http://www.freudenstadt.info/index.phtml?NavID=606.54&La=1 weitere Informationen der Stadt Freudenstadt] Er gilt heute noch als Gesamtkunstwerk, das wie in wenigen anderen Städten den Zeitgeist der 1950er Jahre ausdrückt. Daher existiert zur Wahrung des einheitlichen Erscheinungsbildes bis in die Gegenwart eine sehr strenge Gestaltungssatzung für die Innenstadt.{{Internetquelle|hrsg=Stadt Freudenstadt|titel=Gestaltungsatzung für die Innenstadt von Freudenstadt|url=http://www.freudenstadt.info/media/custom/606_279_1.PDF|zugriff=3. Februar 2009}}
Neuere Geschichte
miniatur|Kongresszentrum am [[Kurhaus Freudenstadt|Kurhaus]]
miniatur|Stadtbahnen am Stadtbahnhof
Württemberg-Hohenzollern ging 1952 im Bundesland Baden-Württemberg auf. Der IX. Internationale Bürgermeisterkongress der IBU{{Literatur|Herausgeber=Internationale Bürgermeister-Union|Titel=Internationaler Bürgermeisterkongress der IBU, 12.–13. Mai 1958 in Freudenstadt|Sammelwerk=10 Jahre Internationale Bürgermeisterunion – Für Deutsch-Französische Verständigung und Europäische Zusammenarbeit|Band=IX|Jahr=1958}} 1958 in Freudenstadt leitete eine Wende in den deutsch-französischen Beziehungen auf kommunaler Ebene ein{{Literatur|Autor=Antonia Stock|Herausgeber=Uni Hildesheim|Titel=Ausgewählte deutsche Städte und ihre Partner im Ausland|Jahr=2005|Online=[http://www.vfos.de/MAStaedtepartnerschaften.pdf www.vfos.de] |Zugriff=17. September 2008|Kommentar=Magisterarbeit}}
und führte zu einer Vielzahl von Städtepartnerschaften. Freudenstadt ging daraufhin 1961 eine Partnerschaft mit der Stadt Courbevoie im Großraum Paris ein. Bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 erhielt der Landkreis Freudenstadt seine heutige Ausdehnung, Freudenstadt blieb Amtssitz des vergrößerten Kreises. Dieser wurde gleichzeitig Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die damals dem neu umschriebenen Regierungsbezirk Karlsruhe zugeordnet wurde. Damit wurde das ehemals württembergische Freudenstadt nunmehr von der ehemaligen badischen Hauptstadt Karlsruhe aus verwaltet.
1965 beschloss der Kreistag den Neubau des Freudenstädter Krankenhauses auf dem Gebiet Zehnmorgen in der Nordstadt. Der Bau wurde 1976 fertig gestellt. Seit 1977 ist das renovierte Gebäude des alten Krankenhauses der Sitz des Landratsamts. In den 1980er Jahren widersetzten sich viele Freudenstädter den Plänen von Bund und Land, den ausufernden Verkehr der Ost-West-Achse Straßburg–Freudenstadt–Tübingen mithilfe eines Tunnels aus der Innenstadt zu verbannen und damit der Stadtentwicklung neue Wege zu ebnen. Insbesondere Einzelhändler fürchteten Umsatzeinbußen durch den verminderten Durchgangsverkehr. Der Bürgerprotest war erfolgreich, gilt heute jedoch als die größte Fehlentscheidung der Nachkriegszeit. 1983 wurde das städtische Hallenbad Panoramabad eröffnet. Ebenfalls in den 1980er Jahren wurde das bereits bestehende Kurhaus um ein Kongresszentrum erweitert (siehe Kurhaus und Kongresszentrum Freudenstadt). 1986 überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 20.000. Auf Antrag der Stadtverwaltung beschloss die baden-württembergische Landesregierung mit Wirkung vom 1. Januar 1988 die Erhebung Freudenstadts zur Großen Kreisstadt. 1989 wurde das Kur- und Kongresszentrum eingeweiht und unter dem oberen Marktplatz entstand eine großräumige Tiefgarage. Dadurch wurde der Marktplatz weitgehend autofrei und zur Fußgängerzone erklärt.
Anlässlich der 400-Jahr-Feier der Stadt 1999 fand ein Festumzug statt. Der Umbau des unteren Marktplatzes zum Stadtpark wurde mit fünfzig beleuchteten Fontänen vollendet und ein neu entdecktes früheres Bergwerk in unmittelbarer Nähe des heutigen Facharztzentrums als Besucherbergwerk für den Publikumsverkehr freigegeben. 2003 erhielt Freudenstadt mit den Linien S31 und S41 Anschluss an das Karlsruher Stadtbahnnetz. Die gelben Fahrzeuge prägen seitdem das Stadtbild und geben dem Tagestourismus einen kräftigen Impuls. Im Oktober 2008 wurde mit dem vierspurigen Ausbau der Stuttgarter Straße (B 28 innerorts) als Hauptschlagader der Stadt begonnen.{{Internetquelle|hrsg=Neckar Chronik|titel=Spatenstich Stuttgarter Straße|url=http://www.neckar-chronik.de/2704407 |zugriff=29. Oktober 2008}}{{Internetquelle|hrsg=Schwarzwälder Bote|titel=Vierspuriger Ausbau|url=http://www.schwarzwaelder-bote.de/wm?catId=7830030&artId=13311776&offset=5 |zugriff=1. November 2008}}
Stadtentwicklung
miniatur|hochkant=0.5|Stadtwappen
Wappen
Das Wappen der Stadt Freudenstadt zeigt in rotem Schild unter goldenem Schildhaupt, darin eine schwarze liegende Hirschstange, zwei voneinander gekehrte silberne Fische (Barben), zwischen ihnen ein goldenes F. Die Stadtflagge ist Rot/Weiß.
Das Wappen wird bereits seit 1603 geführt. Die Hirschstange symbolisiert das Herzogtum Württemberg, die Barben sind dem Wappen der Grafschaft Mömpelgard entnommen, die damals zu Württemberg gehörte, das „F“ weist auf den Stadtgründer, Herzog Friedrich I. von Württemberg, hin. Die heutige Blasonierung des Wappens wurde vermutlich erst um 1926 festgelegt, nachdem es ursprünglich eine rote Feldfarbe hatte. Die Stadtflagge wurde erst 1950 vom Staatsministerium Württemberg-Hohenzollern verliehen.Eingemeindungen
Bereits kurz nach der Stadtgründung wurde Christophstal, das ursprünglich zu Dornstetten gehörte, eingemeindet. Erst 1926 folgte mit Zwieselberg die nächste Eingemeindung. Der Stadtteil gehörte vorher zur Gemeinde Reinerzau. Die einschneidendste Änderung brachte die Gebietsreform des Landes Baden-Württemberg in den 1970er Jahren in deren Folge am 1. Juli 1971 Igelsberg und am 1. Januar 1972 Grüntal (mit Frutenhof) eingegliedert wurden. Am 1. Januar 1975 folgten Dietersweiler (mit Lauterbad), Untermusbach (mit Obermusbach) und Wittlensweiler sowie die vorher zu Baiersbronn und Bad Rippoldsau gehörenden Teile des Weilers Kniebis, der bereits überwiegend zu Freudenstadt gehörte.
Einwohnerentwicklung
miniatur|Einwohnerentwicklung
Nach der Gründung im Jahr 1599 wuchs die Einwohnerzahl der Stadt bis Anfang 1610 auf 2.000 bis 3.000 an und gehörte damit zum Kreis der schwäbischen Städte. Nach der Pest, einem Stadtbrand, Hungersnöten und dem Dreißigjährigen Krieg lebten 1652 kaum noch Menschen im Ort. Es dauerte über 200 Jahre, bis sich die Stadt bevölkerungsmäßig erholte. 1849 konnten bei einer Volkszählung 5.154 Einwohner ermittelt werden, um 1930 war die Zehntausendermarke überschritten, die seitdem nur in den Kriegsjahren 1939–1945 unterschritten wurde. 1970 waren 14.375 Bürger mit Hauptwohnsitz in Freudenstadt gemeldet. Durch die baden-württembergische Gebietsreform in den frühen 1970ern wuchs die Einwohnerzahl durch Eingemeindungen auf 19.454 an. 1986 wurde die 20.000-Einwohner-Schwelle überschritten. Seit 1995 erweist sich die Einwohnerzahl mit knapp unter 24.000 als konstant.
{| class="wikitable"
|+ Einwohnerentwicklung der Stadt Freudenstadt
|-
! Datum || Einwohner
| rowspan="11" bgcolor="#aabbcc"|
! Datum || Einwohner
| rowspan="11" bgcolor="#aabbcc"|
! Datum || Einwohner
| rowspan="11" bgcolor="#aabbcc"|
! Datum || Einwohner
|-
| 1603 || align="center"|255 (Bürger)
| 1. Dez. 1880¹ || align="center"|6.026
| 1946 || align="center"|9.634
| 27. Mai 1987¹ || align="center"|21.090
|-
| 1609 || align="center"|etwa 2.000
| 1. Dez. 1890¹ || align="center"|6.271
| 13. Sep. 1950¹ || align="center"|10.689
| 31. Dez. 1990 || align="center"|22.935
|-
| 1676 || align="center"|1.057
| 1. Dez. 1900¹ || align="center"|7.076
| 6. Jun. 1961¹ || align="center"|14.213
| 31. Dez. 1995 || align="center"|23.809
|-
| 1744 || align="center"|1.461
| 1. Dez. 1910¹ || align="center"|8.456
| 27. Mai 1970¹ || align="center"|14.375
| 31. Dez. 2000 || align="center"|23.557
|-
| 1803 || align="center"|2.270
| 16. Jun. 1925¹ || align="center"|9.785
| 31. Dez. 1975 || align="center"|19.454
| 31. Dez. 2005 || align="center"|23.910
|-
| 1849 || align="center"|5.154
| 16. Jun. 1933¹ || align="center"|10.575
| 31. Dez. 1980 || align="center"|19.348
| 31. Dez. 2006 || align="center"|23.942
|-
| 1. Dez. 1871 || align="center"|5.145
| 17. Mai 1939¹ || align="center"|10.999
| 31. Dez. 1986 || align="center"|20.058
| 31. Dez. 2007 || align="center"|23.776
|}
¹ Volkszählungsergebnis