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Friedrich Lütge

03.01.2012 @ 04:39, WWSS1,

Friedrich Lütge (* 21. Oktober 1901 in Wernigerode; † 25. August 1968 in München) war ein deutscher Ökonom und Sozial- und Wirtschaftshistoriker.

Der im Harz geborene Sohn eines Handelsmarinekapitäns studierte Volkswirtschaft und Geschichte an den Universitäten Freiburg im Breisgau, Marburg und Jena. 1924 promovierte er zum Dr. rer. pol. mit der Dissertation Die Bauernbefreiung in der Grafschaft Wernigerode und 1928 mit der Arbeit Die Geschichte des Jenaer Buchhandels zum Dr. phil. Nachdem er einige Zeit beim Gustav Fischer Verlag in Jena als Lektor gearbeitet hatte und erfolgte dort 1937 seine Habilitation für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte. Ab 1937 wirkte er als Privatdozent für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Jena. Drei Jahre später erhielt er eine außerordentliche Professur für Wohnungs- und Siedlungswirtschaft an der Handelshochschule in Leipzig. Dort wurde er 1943 ordentlicher Professor. Er war nie Mitglied der NSDAP. Von 1930 bis 1933 gehörte er der DNVP an. Von 1921 bis 1935 war er Mitglied im Stahlhelm und von 1933 bis 1935 in der SA. Lütge ist 1935 freiwillig aus der SA ausgeschieden. Von 1936 bis 1945 war er Mitglied in der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt sowie von 1939 bis 1945 Mitglied des NS-Dozentenbundes. Außerdem beantragte Lütge seine Mitgliedschaft in der NSDAP.Dies wird durch Lütges Personalakte im Universitätsarchiv Jena (Blatt 52) belegt. Die Münchener Spruchkammer kam jedoch 1946 zu dem Ergebnis, dass er die Mitgliedschaft beim Dozentenbund nicht selbst erworben hat. Vielmehr hält der Bescheid fest, dass Lütge als „Gegner des Nationalsozialismus“ auch „Nachteile in seiner Laufbahn“ erlitten hat. Lütge wurde von der Kammer als „überhaupt nicht belastet“ eingestuft.Münchener Spruchkammer Aktenzeichen 895Ha S 866 vom 20. Mai 1948 Er wurde dabei von Alfons Schmitt und Walter Weddigen als Gegner des Nationalsozialismus beurteilt.

An der Universität Leipzig wirkte Lütge von 1945 bis 1947 als ordentlicher Professor für Wirtschaftswissenschaften und als Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Danach verließ er die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) und erhielt in München eine Professur für Wirtschaftsgeschichte und Volkswirtschaftslehre, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Seit 1960 beschränkte er sich auf die Lehre des Faches Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und ebnete dem mathematisch und ökonomisch ausgerichteten Fach den Weg in die philosophischen Fakultäten.

Lütge war ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zu München von 1955 bis 1968. In der SBZ und in der DDR wurde seine Schrift Kriegsprobleme der Wohnungswirtschaft (Fischer, Jena 1940) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.http://www.polunbi.de/bibliothek/1948-nslit-l.htmlhttp://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-l.html

Literatur


* Wilhelm Abel (Hrsg.): Wirtschaft, Geschichte und Wirtschaftsgeschichte. Festschrift zum 65. Geburtstag von Friedrich Lütge. Stuttgart 1966.
* Knut Borchardt: Friedrich Lütge. In: Wirtschaft, Geschichte und Wirtschaftsgeschichte (1966), S. 1–7.
* Günther Franz: Nachruf auf Friedrich Lütge. In: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, Bd. 17 (1969), Heft 1, S. 1–5.
* Erich Maschke: Friedrich Lütge [Nachruf]. In: Historische Zeitschrift, Bd. 208 (1969), Heft 3, S. 772–774.
* Hans Rosenberg: Probleme der deutschen Sozialgeschichte, Frankfurt/Main, edition Suhrkamp, 1969, S. 87–109.
* Wolfgang Zorn: Friedrich Lütge als Sozial- und Wirtschaftshistoriker. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Bd. 55 (1969), Heft 3, S. 427–432.

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Weblinks


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Anmerkungen


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