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Homo ludens

15.05.2012 @ 18:13, Vogone,

{{Dieser Artikel|behandelt das Erklärungsmodell. Für das Werk von Johan Huizinga, siehe Homo ludens (Buch).}}

Der homo ludens [{{IPA|ˈhɔmoː ˈluːdeːns}}] (lat. hŏmō lūdēns ›der spielende Mensch‹) ist ein Erklärungsmodell des lebenden Menschen, wonach dieser seine Fähigkeiten im Besonderen über das Spiel entwickele (siehe auch homo oeconomicus): Er entdecke im Spiel seine individuellen Eigenschaften und entwickele sich dadurch anhand der dabei gemachten Erfahrungen selbst zu dem, was er ist. Spielen ist dabei der Handlungsfreiheit gleichgesetzt und setzt eigenes Denken voraus.

Begriffsherkunft

Das Konzept des homo ludens ist in der Neuzeit vor allem durch den Titel des gleichnamigen Buches von Johan Huizinga (1938/39) bekannt geworden, in dem dieser zu zeigen versucht, dass sich unsere kulturellen Systeme wie Politik, Wissenschaft, Religion, Recht usw. ursprünglich aus spielerischen Verhaltensweisen entwickelt (Selbstorganisation) und über Ritualisierungen im Laufe der Zeit institutionell verfestigt haben. Aus Spiel wird »heiliger Ernst«, und wenn sich die Regeln erst richtig »eingespielt« haben, sind sie nicht mehr ohne weiteres zu ändern und beginnen ihrerseits Zwangscharakter anzunehmen.Ulrich Prill: Mir ward alles Spiel, Verlag Königshausen & Neumann, 2002, ISBN 3-8260-2355-2, Seite 14 [http://books.google.de/books?id=K7opfdUuID4C&pg=PA14&lpg=PA14&dq=%22+Homo+ludens%22+begriff++%22Ernst+J%C3%BCnger%22&source=bl&ots=exTYfJujnl&sig=MWH8OTS6tS_7d50f4HLi4-_hlXA&hl=de&ei=dkw_S4WQKZyPsAaE9J2-Bw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=20&ved=0CD0Q6AEwEw#v=onepage&q=%22%20Homo%20ludens%22%20begriff%20%20%22Ernst%20J%C3%BCnger%22&f=false]

Weitere Vertreter des Konzepts

Friedrich Schiller hob in seinen Briefen Über die ästhetische Erziehung des Menschen die Wichtigkeit des Spielens hervor und sprach sich gegen die Spezialisierung und Mechanisierung der Lebensvollziehung aus. Nach Schiller ist das Spiel eine menschliche Leistung, die allein in der Lage ist, die Ganzheitlichkeit der menschlichen Fähigkeiten hervorzubringen. Schiller prägte auch die berühmt gewordene Sentenz: »der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«

Eine der schillerschen ähnliche Kritik an der Reduzierung der Lebensweise übte schließlich auch Herbert Marcuse in seinem 1967 erschienenen Werk Der eindimensionale Mensch, in dem er die mit der Vorherrschaft der »instrumentellen Vernunft« in den Industriegesellschaften einhergehende Beschränkung der Lebensweise und Kultur kritisierte, die keinen Platz mehr für Ganzheit, Persönlichkeitsentfaltung und autonome Selbstwerdung lasse. Ähnlich wie Friedrich Schiller hält Herbert Marcuse daher eine Rückbesinnung auf das Ästhetische und Spielerische für erstrebenswert, um entgegen den allgegenwärtigen Zwängen einen Freiraum für eine menschliche Betätigung nach selbst gewählten Regeln und um ihrer selbst willen zu schaffen.

Auch Künstler wie Asger Jorn (1914–1973) und die situationistische Internationale vertraten solche Ansätze.

Potential des Spiels


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Spiel eine grundlegende menschliche Aktivität ist, die Kreativität, und im Wettkampf Energie und Kraft freisetzt. Damit enthält das Spiel das Potential, verfestigte Strukturen zu durchbrechen und Innovation hervorzubringen. Deshalb sind spielerische Elemente auch in vielen Kreativitätstechniken und modernen Managementschulungen enthalten, die darauf zielen, neue, kreative und innovative Ergebnisse zu erzeugen. Das Spiel scheint eine menschliche Aktivität zu sein, die in der Lage ist, die Elemente einer Situation so zu verändern, dass Neues und Unbekanntes entsteht und Lösungen für scheinbar nicht mehr lösbare Probleme gefunden werden können.

Siehe auch


* Ludografie
* Ludologie

* Das Glasperlenspiel

Literatur

* Friedrich Schiller (Autor), Klaus L. Berghahn (Hrsg.): Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-018062-4 (EA Tübingen 1795).
* Johan Huizinga (Autor), Andreas Flitner (Hrsg.): Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel („Homo ludens“, 1939). Rowohlt Verlag, Reinbek 2009, ISBN 978-3-499-55435-3.
* Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft („The one-dimensional man“, 1964). 5. Aufl. Dtv, München 2004, ISBN 3-423-34084-3.
* Volkmar Hansen, Sabine Jung (Hrsg.): Homo Ludens. Der spielende Mensch. AsKI e.V., Bonn 2003, ISBN 3-930370-07-7 (Katalog zur Gemeinschaftsausstellung 2003/2004 des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute e.V.).
* Hugo Rahner: Der spielende Mensch (Christ heute/2; Bd. 8). 11. Aufl. Johannes-Verlag, Einsiedeln 2008, ISBN 3-89411-194-1 (EA Einsiedeln 1952).
* Robert Pfaller: Die Illusionen der anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur. 2. Aufl. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2009, ISBN 978-3-518-12279-2.

* Horst Bredekamp: Die Immunität des Fußballs. Ein Kunststück. In: Helga Rauff (Hrsg.): Spielen zwischen Rausch und Regeln. Hatje Cantz Verlag, Ostfioldern-Ruit 2005, ISBN 3-7757-1565-7, S. 44–49 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, Deutsches Hygiene-Museum, 22. Januar bis 31. Oktober 2005).

Weblinks


* Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen als [http://gutenberg.spiegel.de/schiller/aesterz/aesterz.htm E-Text] im Gutenberg Projekt

* Johan Huizinga: Homo ludens als [http://www.dbnl.org/tekst/huiz003homo01_01/ E-Text in niederl.]

Einzelnachweise


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