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Konservendose

08.05.2012 @ 10:23, RedBot,

miniatur|Dreiteilige Konservendose mit zur Versteifung gesicktem Dosenkörper (Zarge) und geschweißter Längsnaht
miniatur|Zweiteilige (tiefgezogene) Konservendose aus Weißblech mit Aufreißdeckel

Konservendosen sind Dosen zum Aufbewahren und Konservieren von Lebensmitteln. Sie sind aus Blech (z. B. Weißblech oder verzinktem Stahl) gefertigt und werden nach dem Befüllen durch Verlöten oder Bördeln hermetisch verschlossen. Einmal geöffnet, lassen sie sich nicht wieder verschließen.

Geschichte


Im Jahre 1795 setzte Napoleon, nachdem er zum Oberbefehlshaber der französischen Armee ernannt worden war, einen Preis von 12.000 Goldfranc für ein Verfahren aus, mit dem man Nahrungsmittel haltbar machen und die Soldaten unabhängig von Plünderungen ernähren konnte.

Die entscheidende Idee, Nahrungsmittel in luftdicht verschlossenen Behältnissen zu erhitzen und dadurch zu konservieren, kam dem Pariser Konditor und Zuckerbäcker Nicolas Appert. Er verwendete Glasflaschen. Diese Methode wurde von der französischen Marine geprüft und Appert bekam das Geld 1810 ausbezahlt, für „Die Kunst alle animalischen und vegetabilischen Substanzen … in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigenthümlicher Würze mehrere Jahre zu erhalten.“[http://www.weck.de/body_geschichte.htm Artikel auf der Seite der Firma Weck] Der britische Kaufmann Peter Durand kam 1810 auf die Idee, die Methode von Appert mit Blechkanistern umzusetzen und erfand damit die Konservendose. Diese Erfindung wurde am 25. August 1810 patentiert.[http://books.google.co.jp/books?id=HvkKAQAAIAAJ&pg=PA193 Specifikation of the patent granted to Peter Durand] (via Google Books) Durand selbst befasste sich nicht mit der Produktion, dies geschah erstmals durch die Briten Bryan Donkin und John Hall, die 1813 eine Konservenfabrik eröffneten und an die britische Armee lieferten.

Technischer Aufbau


Vor allem Weißblech und Aluminiumblech werden als Material für Konservendosen verwendet. Weißblech ist ein dünnes Stahlblech mit einer Dicke von bis zu 0,39 Millimetern, dessen Oberfläche durch ein Schmelztauchverfahren oder elektrolytisch mit Zinn beschichtet wurde, um den Stahl vor Korrosion zu schützen. Etwa 70 Prozent des hergestellten Weißblechs werden im Lebensmittelbereich für die Herstellung von Konservendosen und Getränkedosen verwendet. In neuerer Zeit wird dafür auch chromatiertes (elektrolytisch verchromtes) Stahlblech verwendet.

Es gibt dreiteilige Konservendosen, bestehend aus dem röhrenförmigen und an der Längsnaht geschweißten oder gebördelten (und eventuell zusätzlich gelötetem) Dosenkörper (der „Zarge“) und den beiden Deckeln. Zweiteilige Konservendosen bestehen aus dem tiefgezogenen (und eventuell zusätzlich abgestreckten) Dosenkörper und dem Deckel.

Frühe Konservendosen wurden durch Verlöten mit Blei verschlossen. Dies konnte unter ungünstigen Umständen zu einer Bleivergiftung nach dem Verzehr der in der Dose aufbewahrten Lebensmittel führen. Bekannt geworden ist hier vor allem die Arktisexpedition des Briten Sir John Franklin von 1845, deren Mitglieder nach drei Jahren Dosennahrung an schwerer Bleivergiftung litten.

thumb|Konservendosen-Verschließmaschine für den Hausgebrauch

Heutige Konservendosen werden nach dem Befüllen durch Bördeln luftdicht verschlossen. Hierzu sind Dosenverschließmaschinen im Einsatz, die z. T. über 20 Verschließstationen verfügen.

Nach dem Verschließen werden die Dosen in einem Autoklaven pasteurisiert oder sterilisiert, um sie haltbar zu machen.

Auf der Innenseite sind heutige Dosen gewöhnlich mit einem Kunststoffüberzug versehen. Die hierbei verwendeten Lacke sind Kunststoffe auf Basis von Polyester, Epoxydharzen oder Organosolen. Epoxy-Systeme stehen zur Zeit in der Kritik, da sie in geringen Mengen Stoffe wie Bisphenol A (s. Bisphenol-A-Problematik) in das von ihnen eingeschlossene Medium (den Konserveninhalt) abgeben. Vor der Einführung des Kunststoffüberzugs war das Umfüllen des Inhalts in andere Gefäße erforderlich, da nach Luftzutritt durch Öffnen das Metall der Doseninnenseite mit dem (sauren) Doseninhalt reagierte.

Die Außenlackierung bzw. der (Offset-)Druck und die Prägung werden bei größeren Stückzahlen vor der eigentlichen Dosenfertigung auf das Ausgangsmaterial (Blechtafel oder Blechband) aufgebracht. Bei tiefgezogenen Dosen wird der Druck in verzerrter Form aufgebracht. Das gewünschte Bild ergibt sich erst nach der Verformung.

Kleine Stückzahlen von Promotiondosen können auch nachträglich geprägt werden, oder mit Tampondruck bedruckt werden. Neu ist die Laserbeschriftung von verschlossenen Blechdosen.

Sogar mikrowellengeeignete Dosen sind inzwischen verfügbar. Hierzu wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem metallener Dosenkörper und Kunststoffdeckel verbunden werden können. Durch den Kunststoffdeckel als durchlässiges Fenster für elektromagnetische Mikrowellen gelangt die Energie in die Dose und erhitzt dort das Produkt.Packaging Europe. Volume 2.2, 2007, S. 7. bei manchen Produkten (Erdnüsse; Katzenfutter) werden zum vorübergehenden, nicht ganz dichtenden Wiederverschließen (nach Entfernen des Aufreißblechs) PE-Deckel beigegeben.

Verwendung


miniatur|links|Konservendosen im Supermarkt
Typische durch Erhitzen in Konservendosen haltbar gemachte Lebensmittel sind Obst wie Pfirsiche, Birnen und Ananas, Gemüse, insbesondere Hülsenfrüchte wie gekochte Linsen und Bohnen, Fisch wie Sardinen, Makrelen und Heringe sowie Corned Beef, Wurst, Dauerbrot als auch Fertiggerichte mit und ohne Fleisch.

Sofern die Lebensmittel, wie z. B. Gemüse, frisch verarbeitet und direkt abgefüllt werden, garantiert eine Konservendose die Bewahrung von Aroma und einem Teil der Vitamine über etliche Jahre.

Konservendosen mit aufgewölbten Deckeln, Bombagen müssen meist weggeworfen werden. Der Verzehr des Inhalts kann eine lebensbedrohliche Vergiftung (Botulismus) bewirken. Surströmming allerdings wird grundsätzlich in Bombagen angeboten.

Auch Pulver, z. B. Milchpulver, wird in Konservendosen verpackt. Vor dem Verschließen wird in diesem Fall in der Dose ein Vakuum erzeugt und anschließend Stickstoff als Schutzatmosphäre eingefüllt, um ein Verderben des Inhalts zu vermeiden, da Pasteurisieren bei pulverförmigen Produkten nicht möglich ist.

Bei der Konservierung von Lebens- oder Genussmitteln werden unterschieden:
* Vollkonserven mit unbegrenzter, mindestens zweijähriger Haltbarkeit,
* Halbkonserven (Präserven), die durch chemische Zusätze beschränkt haltbar gemacht wurden,

* Dreiviertelkonserven, die bis zu zwölf Monate haltbar sind (bei max. 20 °C).

Dosenöffner


Um die Konservendosen zu öffnen, mussten diese anfangs mit dem Beil, Hammer und Meißel oder einem großen Messer aufgebrochen werden. Der praktisch handhabbare Dosenöffner wurde im Jahre 1855 von Robert Yeates erfunden.

Aufreissdeckel


Heute werden Konservendosen überwiegend mit Aufreissdeckeln (Ring-Pull) angeboten. Solche Deckel werden mit einer Lasche aus Metall versehen, die mit dem Deckel vernietet ist. Das Öffnen erfolgt entlang einer eingebrachten Ritzlinie.

Die Fertigung erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst wird ein Deckel aus einer Blechtafel ausgestanzt. Anschließend wird im Anroller die Geometrie des Deckelrandes geformt und in der Gummiermaschine die Dichtungsmasse (Compound) eingebracht. Nach Trocknung des Compounds ist die erste Fertigungsstufe (Shell) fertig. Es handelt sich um einen voll funktionsfähigen Deckel ohne Öffnungsmechanismus.

Im letzten Fertigungsschritt wird die Lasche aus schmalen Metallcoils gestanzt und geformt. Aus dem Spiegel des Shells wird eine Blase gezogen und in mehreren Schritten zu einem Zylinder geformt. Gleichzeitig wird der Deckelspiegel mit Sicken versehen. Die vorgefertigte Lasche wird schließlich auf den Zylinder aufgelegt und der Zylinder wird planiert, so dass sich eine Nietung ergibt.

Typische Fertigungsgeschwindigkeiten liegen bei 300 bis 500 Hüben pro Minute. Auf mehrbahnigen Anlagen mit bis zu 4 Werkzeugen können so 2000 Deckel pro Minute gefertigt werden.

Aufreissdeckel wurden zunächst vor allem aus Aluminium gefertigt, seit den achtziger Jahren haben sich Aufreissdeckel aus Stahl für Konservendosen durchgesetzt.

Siehe auch


* Hobokocher

* Schnurtelefon

Literatur


* M. Appert: The art of preserving of all kinds of animal and vegetable substances for several years. Black, Parry, and Kingsbury, London 1812
* The Repertory oft Arts, Manufactures, and Agriculture. London, Second Series 112; Sept 1811: Specification of the patent granted to Peter Durand, of Hoxton-square, in the County of Middlesex, Merchant; for a Method of preserving Animal Food, Vegetable Food, and other perishable Articles, a long Time from perishing or becoming useless. Communicated to him by a person residing abroad. 25. August 1810
* N. D. Cowell: More light on the dawn of canning. Food Technology 2007; No. 5: S. 40-45
* M. Appert: Le livre de tous ménages, ou l'art de conserver, pendant plusieurs années, toutes les substances animales et végétales. Barrois L'Ainé, Paris 1831
* K. Gierschner et al: Specific modifications of cell wall hydrocolloids in a new technique for processing high quality canned vegetables. Deutsche Lebensmittel-Rundschau 1995; 91: S. 103-109

* R. Garciaa, J. Adriana: Nicolas Appert: Inventor and manufacturer. Food Reviews International 2009; 25: S. 115-125

Weblinks

  • [http://www.welt.de/print-welt/article399676/Dosenbrot_kommt_ins_Museum.html Dosenbrot nach 50 Jahren noch essbar]
    * Udo Pollmer: [http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/1258785/ Die Konservendose hat Geburtstag], Beitrag im Deutschlandradio Kultur vom 29. August 2010
    {{Commonscat|Cans|Dosen}}

    {{Wiktionary|Konservendose}}

    Fußnoten

Kategorie:Behälter

Kategorie:Lebensmittelkonservierung

{{Link FA|fr}}

ar:عبوة الصفيح
bg:Консерва
bjn:Balik
ca:Llauna
cs:Plechovka
da:Konservesdåse
Tin can
es:Lata
eu:Lata
fa:قوطی (بسته‌بندی)
fi:Tölkki
Boite de conserve
hu:Konzervdoboz
id:Kaleng
is:Niðursuðudós
it:Lattina
ja:缶
jv:Trontong
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nl:Conservenblik
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pl:Puszka
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th:กระป๋อง
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