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Lothar de Maizière

26.04.2012 @ 11:45, Dr Lol,

miniatur|Lothar de Maizière (2011)

Lothar de Maizière [{{IPA|də mɛˈzjɛʀ}}] (* 2. März 1940 in Nordhausen) wirkte vom Herbst 1989 bis zum Spätsommer 1991 als deutscher Politiker (CDU) und wurde besonders durch seinen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung bekannt. Zuvor war er und seither ist er wieder als Rechtsanwalt in Berlin tätig.

Vom 12. April bis 2. Oktober 1990 war er der erste demokratisch gewählte und zugleich letzte Ministerpräsident der Deutschen Demokratischen Republik und vom 3. Oktober bis 19. Dezember 1990 einer von fünf aus der DDR stammenden Bundesministern für besondere Aufgaben. Am 17. Dezember bat er wegen zu klärender Vorwürfe, er habe als inoffizieller Mitarbeiter unter dem Decknamen „Czerni“ (auch „Czerny“{{Der Spiegel|ID=13501875 |Titel=Ehrlich, treu, zuverlässig |Jahr=1990 |Nr=50 |Datum=1990-12-10 |Seiten=30–38}}) mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammengearbeitet, um Entlassung aus dem Ministeramt.{{Der Spiegel|ID=13503000 |Titel=Menschlich bewegt |Jahr=1990 |Nr=52 |Datum=1990-12-24 |Seiten=20–23}}{{Der Spiegel|ID=13489015 |Titel=Als sogenannte Spitzenquelle |Jahr=1991 |Nr=12 |Datum=1991-03-18 |Seiten=41–48}}Robert Leicht: [http://www.zeit.de/1992/05/neues-von-czerni/komplettansicht Neues von „Czerni“], in: Die Zeit Nr. 5, 24. Januar 1992. Im Februar 1991 nahm er seine Parteiämter, die er hatte ruhen lassen, wieder auf, nachdem ihn der auf einer Pressekonferenz vorgetragene Untersuchungsbericht der Regierung entlastet hatte.L. de Maizière 2010, S. 331. Im Herbst 1991 trat er als stellvertretender CDU-Vorsitzender zurück und gab sein Bundestagsmandat ab.

Bei der Vorstellung seiner Erinnerungen zur Geschichte der deutschen EinheitL. de Maizière 2010. Das Zitat ist entnommen aus der [http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2010/09/2010-09-22-merkel-de-maiziere-lothar.html Rede der Bundeskanzlerin am 2. September 2010] sagte seine einstige stellvertretende Regierungssprecherin Angela Merkel über ihn: Sein „politisches Ziel, das Freiheitsstreben und das mit der friedlichen Revolution Errungene in rechtsstaatliche Formen zu gießen, hat der deutschen Vereinigung Gestalt gegeben.“

Ausbildung und Beruf


Nach dem Abitur am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster 1958 studierte de Maizière von 1959 bis 1965 Viola an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Er war danach bis 1975 als Bratschist an mehreren Orchestern, u. a. auch dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, tätig. Wegen einer Nervenentzündung am linken Arm, die ihn bei seiner Berufsausübung behinderte, studierte er von 1969 bis 1975 im Fernstudium Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin. Seit 1975 ist er als Rechtsanwalt tätig. Er war in der DDR ab 1987 stellvertretender Vorsitzender des Kollegiums der Berliner Rechtsanwälte unter dem Vorsitzenden Gregor Gysi. Er besaß auch eine Rechtsanwaltszulassung zum Militärstrafsenat beim Obersten Gericht der DDR. Als Rechtsanwalt vertrat er bis 1989 vor Gericht vornehmlich Jugendliche, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Teilnahme an pazifistischen Aktivitäten durch die Justiz der DDR verfolgt wurden.

Familie


Lothar de Maizière ist verheiratet und hat drei Töchter. Er stammt aus der politisch sehr aktiven Familie de Maizière, deren Mitglieder Nachfahren hugenottischer Einwanderer sind.

Sein Vater Clemens de Maizière (1906–1980), in der Wendezeit als langjähriger Stasi-Mitarbeiter enttarnt, war ebenfalls Rechtsanwalt in der DDR, Synodaler der Berlin-Brandenburgischen Kirche und Mitglied der Ost-CDU, wo er einen Ortsverband leitete. Sein Onkel Ulrich de Maizière diente in der Reichswehr, der Wehrmacht und der Bundeswehr und war Generalinspekteur der Bundeswehr. Dessen Sohn, Lothar de Maizières Cousin Thomas de Maizière, ist seit 3. März 2011 Bundesverteidigungsminister. Sein Großvater mütterlicherseits ist der Historiker und Politiker Johannes Rathje.http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article423294/Heiligabend_1945_Fest_des_Friedens.html

Partei


Lothar de Maizière war seit 1956 Mitglied der CDU, einer der vier Blockparteien in der DDR. Obwohl er in dieser Partei nach eigenen AngabenLesung am 23. März 2011 in Erfurt (Schriften: L. de Maizière 2010). Dazu Interview in der „Thüringer Allgemeinen“, 19. März 2011. „nicht einmal Kassierer“ war, wurde er in der friedlichen Revolution an die Spitze berufen und war von November 1989 bis 1990 Vorsitzender. Von Oktober 1990 bis zu seinem Rücktritt am 6. September 1991 war er Erster Stellvertretender Vorsitzender der gesamtdeutschen CDU. In dieser Zeit war er auch Landesvorsitzender der CDU in Brandenburg.

Abgeordneter


Von März bis Oktober 1990 war Lothar de Maizière Mitglied der Volkskammer der DDR. Er war im Wahlkreis Berlin für die CDU gewählt worden. Kurzzeitig amtierte er vom 27. März bis zum 10. April 1990 als Fraktionsvorsitzender von CDU und Demokratischem Aufbruch, bis er wegen seiner bevorstehenden Wahl zum Ministerpräsidenten von Günther Krause abgelöst wurde. de Maizière gehörte im Oktober 1990 zu den Abgeordneten, die von der Volkskammer in den Bundestag entsandt wurden. Bei der Bundestagswahl im Dezember 1990 zog er über die Landesliste Brandenburg der CDU erneut in den Bundestag ein, aus dem er am 15. Oktober 1991 ausschied.

Öffentliche Ämter


miniatur|Lothar de Maiziere mit dem Vorsitzenden der [[Partei des Demokratischen Sozialismus|PDS, Gregor Gysi (l), bei den Kommunalwahlen in der DDR am 6. Mai 1990 kurz vor dem Beginn des Wahlstudios im Palast der Republik]]

Am 18. November 1989 trat er als stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates und als Minister für Kirchenfragen der DDR in die von Hans Modrow geführte DDR-Regierung ein.Zur vorbereitenden Tagung des „Demokratischen Blocks“ am 11. November berichtete de Maizière (2010, S. 88–90) über die erste persönliche Begegnung mit Egon Krenz und seine Kritik an dessen „Hofberichterstattung alten Stils“. Er diktierte ihm dann einen alternativen Text und bekam von einem Nachbarn zugeflüstert: „Sehen Sie, so wird aus einem Generalsekretär ein Sekretär.“

Am 5. Februar 1990 stellte Bundeskanzler Helmut Kohl in Berlin die „Allianz für Deutschland“ als künftigen Partner seiner Partei in der DDR vor. Das Wahlbündnis bestand aus den neu gegründeten Oppositionsgruppen Demokratischer Aufbruch (DA) und Deutsche Soziale Union (DSU) sowie der DDR-CDU als bestimmender Kraft.Uwe Müller: [http://www.welt.de/politik/deutschland/article6255667/De-Maiziere-greift-Helmut-Kohls-Erinnerungen-an.html De Maizière greift Helmut Kohls Erinnerungen an], Welt Online, 5. Februar 2010. De Maizière war noch weitgehend unbekannt, als er in der ersten freien Volkskammerwahl 1990 als Spitzenkandidat der Allianz für Deutschland kandidierte. Er kämpfte mit den Wahlslogans „Wohlstand für alle“ und „Wir sind ein Volk“ für das Amt des ersten frei gewählten Ministerpräsidenten der DDR.

Der hohe Wahlsieg mit 48,1 Prozent für die Allianz war überwiegend auf die Erwartungen der DDR-Bevölkerung an die deutsche Wiedervereinigung und die D-Mark zurückzuführen, wofür die Ost-CDU eintrat, und ebenfalls auf die Popularität von Bundeskanzler Kohl, der de Maizières Wahlkampf unterstützte.

Nach der Wahl wurde er am 12. April 1990 zum Ministerpräsidenten der DDR gewählt, gleichzeitig wurde auch sein Kabinett bestätigt. Von August 1990 an war er zusätzlich auch Außenminister der DDR.

Am Tag der Deutschen Einheit – dem 3. Oktober 1990 – wurde de Maizière zum Bundesminister für besondere Aufgaben in der von Kohl geführten Bundesregierung ernannt.

Am 10. Dezember, wenige Tage nach der Bundestagswahl 1990, veröffentlichte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ das Ergebnis von Recherchen, wonach de Maizière bei der Staatssicherheit als inoffizieller Mitarbeiter unter dem Decknamen „Czerni“ geführt worden sei. De Maizière dementierte diese Vorwürfe,{{WWW-DDR|2199|Maizière, Lothar de|Helmut Müller-Enbergs}} trat aber am 19. Dezember 1990 als Bundesminister zurück. Seine CDU-Parteiämter ließ er bis zur Wiederaufnahme nach einer von Wolfgang Schäuble am 22. Februar 1991 gegebenen Pressekonferenz, bei der dieser ihn entlastete,{{Der Spiegel|ID=13489767 |Titel=Nicht ehrenrührig. Die Union rehabilitiert de Maiziere – was ihn entlasten soll, belastet ihn tatsächlich |Jahr=1991 |Nr=9 |Datum=1991-02-25 |Seiten=20–22}} ruhen.L. de Maizière 2010, S. 321-332: Abschnitt „Czerni und der lange Schatten der Stasi“. Im September 1991 gab er den stellvertretender CDU-Vorsitz und andere Ehrenämter sowie sein Bundestagsmandat zurück. 1994 lehnte er das Angebot der Berliner CDU auf einen Listenplatz für die Bundestagswahl ab.

Weitere Arbeit


Von 1986 bis 1990 war er Vizepräses der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR und arbeitete dort wie auch andere evangelische Christen (z. B. Manfred Stolpe) am Dialog der Kirchen mit der Regierung und der SED.

Seit 1993 war de Maizière Repräsentant der Hunzinger Information AG in Berlin,[http://www.hunzinger.de/home2/highlights/Weitere%20Highlights/Doku.%20Bundesverdienstkreuz%20an%20MH,%2031.%20Oktober%201999.Mailversion.pdf hunzinger.de] (PDF) im März 2004 war er Vorsitzender des Aufsichtsrates.[http://www.hunzinger.de/home2/deutsch1.html hunzinger.de]

Heute ist er Vorsitzender der privaten Stiftung Denkmalschutz Berlin[http://www.stiftung-denkmalschutz-berlin.de Internetauftritt der Stiftung Denkmalschutz Berlin] und zweiter Vorsitzender von Werkstatt Deutschland e.V.,[http://www.werkstatt-deutschland.net/info_vorstand_kontakt.htm Vorstand und Mitglieder der Werkstatt Deutschland] auf dessen Initiative der Quadriga-Preis zurückgeht. Auch ist er Kovorsitzender des Petersburger Dialogs.

Außerdem ist de Maizière Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft e.V. bzw. Deutschen Gesellschaft.[http://www.deutsche-gesellschaft-ev.de/uber-uns/verein/vorstand-und-kuratorium deutsche-gesellschaft-ev.de]

Er arbeitet seit 1996 in seiner Anwaltskanzlei in Berlin, mit Spezialisierung auf Fragen zur Wiedervereinigung. Darüber hinaus ist Lothar de Maizière Vorsitzender des Lenkungsauschusses des Petersburger Dialogs und Geschäftsführer des EUREF Institutes, das der Berliner Projektentwickler Reinhard Müller auf dem Gelände des Schöneberger Gasometers in Berlin entwickelt.

Schriften


* Anwalt der Einheit. Ein Gespräch mit Christine de Mazières. Argon Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-87024-792-4.
* Unter Mitarbeit von Volker Resing: „Ich will, dass meine Kinder nicht mehr lügen müssen“. Meine Geschichte der deutschen Einheit. 2. Aufl., Herder Verlag, Freiburg 2010, ISBN 978-3-451-30355-5.

* „Ist zusammen gewachsen, was zusammen gehört?“ In: Anwaltsblatt (Berlin) Jahrg. 53, Oktober 2003, S. 568–571.

Literatur


* {{WWW-DDR|2199|Maizière, Lothar de|Helmut Müller-Enbergs}}

Ehrungen


* Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Nordhausen 2010
* Russischer Orden der Freundschaft 2010 für die Tätigkeit als Kovorsitzender des Petersburger Dialogs[http://de.rian.ru/society/20100302/125315407.html Lothar de Maiziere mit Freundschaftsorden ausgezeichnet], RIA Novosti, 2. März 2010., überreicht durch den russischen Ersten Vizepremier Wiktor Subkow.

* Quadriga-Preis 2010 in der Kategorie „Architektur der Einheit“. Laudator: Richard Schröder.Bereits am 3. Oktober 1991, am Ende der Deutschen Demokratischen Republik, hatte L. de Maizière von R. Schröder zusammen mit einem Geschenk eine aus alten Beständen stammende „Plakette“ überreicht bekommen mit der Inschrift „Für vorbildliche Leistungen zu Ehren der DDR“; abgebildet bei de Maizière (Schriften) 2010, S. 317, mit dem Kommentar: „Eine nettere Auszeichnung konnte ich mir an diesem Tag kaum vorstellen.“

Siehe auch


* Kabinett Kohl III
* Regierung de Maizière

* Regierung Modrow

Weblinks


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{{Wikinews|Kategorie:Lothar de Maizière|Lothar de Maizière}}
* {{DNB-Portal|119020556}}
* [http://biosop.zhsf.uni-koeln.de/ParlamentarierPortal/vk_db/vk_db.php Datenbank der Volkskammerabgeordneten]
* [http://1989.dra.de/no_cache/themendossiers/wirtschaft/Waehrungs-wirtschafts-undsozialunion.html Hörzitat] zur Unterzeichnung des Staatsvertrages am 18. Mai 1990 in Bonn
* [http://www.amadelio.de/vlog/2007/04/30/vlog-videoblog-lothar-de-maiziere-deutsche-wiedervereinigung/ Interview mit L. de Maizière und U. Müller], April 2007, mit Video (14 min)Die aus deutsch-deutscher Sicht kommentierte Bibelstelle vom Ende des Videos (ab 13. Minute) steht auch unter „Berühmte Zitate“ im englischen Wikipedia-Artikel [http://en.wikipedia.org/ „Lothar de Maiziere“] als Übernahme aus der New York Times von 1994.

* [http://www.20-juli-44.de/pdf/1995_maiziere.pdf 20-juli-44.de] – „Gott mehr gehorchen als den Menschen“, Gedenkrede zum Hitler-Attentat am 20. Juli 1995 in Strausberg (PDF; 58 kB)

Anmerkungen und Einzelnachweise


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