Navigation


Magna Germania

24.04.2012 @ 14:32, Derschueler,

thumb|Römische Provinzen mit der angrenzenden Magna Germania
thumb|Magna Germania im Weltbild der Römer des 2. Jahrhunderts n. Chr. nach [[Ptolemäus in einer Karte des 15. Jahrhunderts]]
thumb|Magna Germania, Karte aus dem 19. Jahrhundert

Als Magna Germania bzw. Germania Magna („Großes Germanien“) wurde in der Antike der Rom bekannte, aber nur zeitweise besetzte Teil des Siedlungsgebiets der Germanen östlich des Rheins (Rhenus) bis zur Elbe (Fluvius Albis) und nördlich der Donau (Danuvius) bezeichnet. Im südöstlichen Bereich war die Moldau Grenzfluss. Seit dem 19. Jahrhundert wird auch teilweise der Begriff Germania libera („freies Germanien“) gebraucht, doch findet sich dieser Terminus nicht in den Quellen.

Die Absicht des römischen Kaisers Augustus, Magna Germania als Provinz in das römische Imperium einzugliedern, scheiterte infolge der römischen Niederlage in der Varusschlacht. Diese führte letztlich zur Rückbeorderung der römischen Truppen aus Magna Germania hinter die Rheinlinie im Jahre 16 n. Chr. durch Tiberius (14-37 n. Chr.), den Nachfolger des Augustus.

Geschichte

Varusschlacht


Hauptartikel: Varusschlacht

Zahlreiche Versuche des Römischen Reiches unter Augustus, Magna Germania über Lippe (Lippia), Lahn (Laugona) und Werra zu erobern und als Römische Provinz dem Reich einzuverleiben, wurden in vielen Verteidigungsschlachten vereitelt. Für die systematischen Expansionsversuche Roms sprechen die durch Münzen des Varus datierte römische Städtegründungen Römisches Forum Lahnau-Waldgirmes, Römerlager Lahnau-Dorlar (beide bei Wetzlar), in Haltern, Olfen, Oberaden, Anreppen, Rödgen und Hedemünden sowie die Funde von Bentumersiel. Das römische Scheitern ermöglichte den in der Magna Germania lebenden Germanenstämmen eine bis zur Völkerwanderung vergleichsweise unbeeinflusste Kulturentwicklung, wenngleich in der Folgezeit auch zahlreiche Impulse aus dem römischen Raum in das germanische Grenzgebiet ausgingen. Nach gegenwärtigem Stand der Diskussion ist auch durchaus von einem überwiegend friedlichen römisch-germanischen Marktleben im Grenzgebiet östlich des Rheines und nördlich der Donau auszugehen.

Der bedeutendste der germanischen Verteidigungskämpfe war die Varusschlacht 9 n. Chr., in der der Cheruskerfürst Arminius mit seinem Heer drei römische Legionen unter dem Feldherren Publius Quinctilius Varus besiegte (20.000 Mann Verlust für die Römer). Die Lage des in den Quellen erwähnten, von den Römern nach der Varusschlacht vorübergehend behaupteten Aliso bleibt trotz der von Ptolemäus angegebenen geografischen Koordinaten ungewiss. Die vernichtende Niederlage in der Varusschlacht fand ihren Niederschlag in der zukünftigen römischen Militär- und Siedlungspolitik in diesem geografischen Raum und in der römischen Geschichtsschreibung. Römische Siedlungspolitik in Germanien fand danach nur noch diesseits oder in direkter Nähe (Taunus, Wetterau, Decumates agri) der Reichsgrenze an Rhein und Donau statt.

Schlacht bei Kalefeld


Hauptartikel: Römisches Schlachtfeld bei Kalefeld

Im Jahr 2008 wurde im Kalefelder Ortsteil Wiershausen am Harz ein im Jahr 2000 entdeckter Fundort als antikes Schlachtfeld mit zahlreichen römischen Waffen und Ausrüstungsteilen aus dem 3. Jahrhundert identifiziert. Die im Dezember 2008 der Öffentlichkeit vorgestellten Funde weisen nach Medienberichten im Gegensatz zur bisherigen Auffassung auf weitaus intensivere und weiträumigere römische Militäraktivitäten östlich des Rheins auch nach dem Ende der römischen Operationen im Raum der Germania Magna, also nach 16 n. Chr. (Rückzug des Germanicus), hin.{{internetquelle|url=http://www.tagesschau.de/kultur/kalefeld100.html|titel=Video:Kalefeld|werk= Tagesschau.de|datum=14.12.2008|zugriff=24. August 2009}}[http://www.hna.de/hnascoutextraliste/00_20081215092800_Sensationsfund_Forscher_graben_Spuren_der_Roem.html Forscher ergraben Spuren der Römer] Zwar war aufgrund schriftlicher Quellen seit langer Zeit bekannt, dass auch in der Folgezeit römische Militäroperationen in diesem Raum stattfanden; sollten sich die vorläufigen Fundbewertungen jedoch bestätigen, so wäre dies ein Beleg für diese Aussagen, zumal dann die Römer noch im 3. Jahrhundert wesentlich weiträumiger operiert hätten, als bisher angenommen.

Militärlager


In Germania Magna sind einige römische Lager bekannt, die von den Truppen über einen Zeitraum von bis zu mehreren Jahren genutzt wurden.

{| class="prettytable sortable"

|- valign=top
! align=left width=200pt | Name
! align=left | Ort
! align=left | Beginn
! align=left | Ende
! align=left | Entdeckung
! align=left | Kategorie

! align=left | Bemerkungen

|- valign=top
| Holsterhausen
| Dorsten
| |
| 1952
| Marschlager

| Lippe; mindestens zehn Lager, teilweise übereinander

|- valign=top
| Haltern
| Haltern am See
| 7 v. Chr. oder später
| 9 n. Chr.
| 1816
| Kohortenlager

| Lippe; insgesamt sechs Komplexe

|- valign=top
| Olfen
| Olfen
| 11 v. Chr.
| 7 v. Chr.
| 2011
| Versorgungslager

| Lippe

|- valign="center"
| Beckinghausen
| Lünen
| |
| 1906
| Uferkastell

| Lippe

|- valign=top
| Oberaden
| Bergkamen
| |
| 1905
| Mehrlegionenlager

| Lippe

|- valign=top
| Anreppen
| Delbrück
| |
| 1968
|

| Lippe

|- valign=top
| Kneblinghausen
| Rüthen
| |
| 1901
|

| nahe der Möhne

|- valign=top
| Hedemünden
| Hann. Münden
| 11 bis 9 v. Chr.
| 8 oder 7 v. Chr. oder später
| 1998
|

| Werra; mindestens vier Komplexe

|- valign=top
| Aliso
| unbekannt
| | 9. n. Chr.
| -
|

| Standort nicht bekannt; um 15/16 n. Chr. gab es Aliso noch einmal an gleicher oder anderer Stelle

|- valign=top
| Dorlar
| Lahnau
| bis 10 n. Chr.
| Mitte 1. Jh. n. Chr.
| 1985
| Marschlager

| Hessen

|- valign=top
| Marktbreit
| Marktbreit
| 5/6 n. Chr.
| vor 9 n. Chr.
| 1985
| Doppellegionslager

| Main; zwei Lager übereinander

|}

Geographie der Magna Germania


Die Geographie der Magna Germania ist in der Geographike Hyphegesis des Ptolemäus um 150 n. Chr. durch die geographischen Koordinaten der Hauptorte umfassend beschrieben. Durch eine geodätische Deformationsanalyse, die das Institut für Geodäsie an der Technischen Universität Berlin im Rahmen eines Projekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter der Leitung von Dieter Lelgemann in den Jahren 2007-2010 durchführte, konnten viele historische Ortsbezeichnungen örtlich bestimmt und heutigen Ortslagen zugeordnet werden.Siehe dazu "Germania und die Insel Thule" unter Literatur und folgende Karte http://www.fundstuecke.at/2010/10/03/ptolemaeus-magna-germania/

Siehe auch


* Limes
* Geschichte der Römer in Germanien
* Liste der römischen Provinzen bis Diokletian
* Römisches Forum Lahnau-Waldgirmes

* Westfälisches Römermuseum Haltern

Literatur


* Walter Pohl: Die Germanen. Enzyklopädie deutscher Geschichte. Bd 57. Oldenbourg, München 2000. ISBN 3-486-55705-X (Knapper Überblick mit Forschungsteil und Bibliographie)

* {{Literatur|Titel=Germania und die Insel Thule. Die Entschlüsselung von Ptolemaios´ "Atlas der Oikumene"|Herausgeber=Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch und Dieter Lelgemann |Buch. 131 Seiten mit teils farbigen Karten |Verlag=Wissenschaftliche Buchgesellschaft |Ort=Darmstadt |Jahr=2010 |ISBN=978-3-534-23757-9}}

Siehe auch: Angaben im Artikel Germanen sowie die entsprechenden Artikel im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde.

Weblinks


* [http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Gazetteer/Periods/Roman/_Texts/Ptolemy/2/10.html Edition der Geographike Hyphegesis des Ptolemäus mit Übersetzung und Karte der Magna Germania]
* [http://www.roemerforum-lahnau.de/ Römerforum Lahnau]
* [http://www.grote-archaeologie.de/roemer.html Hedemünden]
* [http://www.kalkriese-varusschlacht.de/ Museum und Park Kalkriese]

* [http://www.oeaw.ac.at/gema/gb.htm Quellen- und Literaturliste zur Magna Germania]

Einzelnachweise


{{Vorlage:Navigationsleiste Römische Kastelle in der Germania Magna}}

{{Coordinate||NS=50.9|EW=11.1|type=country|region=DE}}

Kategorie:Germanen

Kategorie:Antike Geographie (Germanien)

ar:جرمانية
ast:Xermania Magna
bg:Магна Германия
br:Germania
ca:Germània (regió)
cs:Germánie
cy:Germania
da:Germanien
el:Μεγάλη Γερμανία
Germania
eo:Germania Magna
es:Germania Magna
et:Germaania
eu:Germania Magna
fi:Germania
Germanie
fy:Germaanje
ga:Germania
hr:Germanija
id:Germania
it:Germania Magna
ja:ゲルマニア
ko:게르마니아
ku:Germanya
la:Germania Magna
lv:Ģermānija
nl:Germanië
nn:Germania
no:Germania
pl:Germania
pt:Germânia
ru:Древняя Германия
sh:Germanija
sk:Germánia
sv:Germanien
tr:Germania
uk:Стародавня Германія
vec:Germania (provincia romana)
vi:Germania
zh:日耳曼尼亚

weiter

Text und Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Artikel Magna Germania der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Original-Artikel lässt sich hier bearbeiten.