Nutzenfunktion
Eine Nutzenfunktion ist eine mathematische Funktion, die in der Volkswirtschaftslehre und dort insbesondere in der Haushaltstheorie benutzt wird, um die Präferenzen von Wirtschaftssubjekten (in der Regel Haushalten) zu modellieren. Sie ordnet jeder beliebigen Kombination von Gütern eine Zahl derart zu, dass Güterkombinationen, die vom Haushalt für besser als andere befunden werden, eine höhere Zahl erhalten. Diese Zahl bezeichnet man dann als Nutzen der jeweiligen Güterkombination. Darunter wird der (subjektive) Grad der Befriedigung verstanden, den man durch den Konsum der entsprechenden Güter erfährt.
In der modernen mikroökonomischen Theorie beinhalten Nutzenfunktionen tatsächlich nur Aussagen über paarweise Vergleiche: Liefert eine Güterkombination – ein so genanntes Güterbündel –, einen höheren Nutzen als eine andere, so kann daraus lediglich gefolgert werden, dass jene aus Sicht des entsprechenden Haushalts „besser“ als diese ist; wie hoch die Zahlen sind oder wie groß der Abstand zwischen ihnen ist, hat keinerlei Bedeutung. Man bezeichnet derartige Nutzenfunktion auch als ordinale Nutzenfunktionen, weil sie lediglich eine Ordnung der Güterbündel vorgeben. Das Konzept der ordinalen Nutzenfunktion basiert auf einem anderen theoretischen Fundament als die so genannten kardinalen Nutzenfunktionen, bei denen auch der Unterschied zwischen dem Nutzenwert zweier Güter interpretierbar ist.Vgl. Jehle/Reny 2011, S. 17.
Das Konzept der Nutzenfunktion wird sowohl unmittelbar in der Mikroökonomie als auch im Kontext makroökonomischer Fragestellungen eingesetzt.
Definition und Einordnung
Im Folgenden wird jeweils von (bloß) ordinaler Messbarkeit des Nutzens ausgegangen und die Nutzenfunktion so dargestellt, wie sie in der Haushaltstheorie konstruiert wird.
Illustrative Definition im Zwei-Güter-Fall
thumb|upright=2.5|Nutzenfunktion im Zwei-Güter-Fall (hier: Cobb-Douglas-Nutzenfunktion, siehe unten).
Beschränkt man zunächst zur Vereinfachung den Umfang der Güterbündel auf zwei Güter, so kann man sich beispielsweise ein Güterbündel A vorstellen, das sich aus zwei Güterarten zusammensetzt: Kiwi (Gut 1) und Kirschen (Gut 2). In Güterbündel A sei nun eine gewisse Menge Kiwi – bezeichnet mit – und eine gewisse Menge Kirschen – bezeichnet mit enthalten; man schreibt für dieses Güterbündel kurz . Analog stellt man sich ein zweites Güterbündel B aus Kiwi und Kirschen vor, das entsprechend durch dargestellt ist. Mit konkreten Werten kann man sich beispielsweise vorstellen, dass , das heißt in Güterbündel A sind zwei Kiwi und sechs Kirschen enthalten, während . Nimmt man wie üblich an, dass die Präferenzen monoton sind (salopp: „mehr ist besser“), sollte der Haushalt B gegenüber A vorziehen. Es gibt unendlich viele Nutzenfuntionen, die die Präferenzen abbilden können, da sie ja lediglich sicherstellen müssen, dass der Funktionswert an der Stelle größer ist als der an der Stelle . Beispielsweise könnte man eine Funktion verwenden, mit der und . Auch negative Werte sind möglich: Sei eine andere Nutzenfunktion und bzw. , dann ist auch diese Nutzenfunktion konsistent mit den Präferenzen des Haushalts.
Analog müssen Güterkombinationen, die der Haushalt gleich gerne mag, auch gleiche Nutzenwerte erhalten. Wenn zum Beispiel das Güterbündel als gleich gut empfunden wird wie das Güterbündel , dann muss auch für jede Nutzenfunktion gelten, dass .
Formale Definition
In der mikroökonomischen Theorie geht man davon aus, dass Individuen Präferenzen über die ihnen potenziell zur Verfügung stehenden Auswahlalternativen haben. Mathematisch lassen sich derartige Präferenzen (die sehr allgemein sein können) als binäre Relationen darstellen. Beispielsweise wird so als Präferenz-Indifferenz-Relation vereinbart und durch wird ausgedrückt, dass das Güterbündel mindestens so gut wie oder besser als bewertet wird. Es sind also und wiederum Vektoren von Gütern. Um diese Information auch in der korrespondierenden Nutzenfunktion zu bewahren, muss auch dort der Nutzenwert (das heißt der Funktionswert der Nutzenfunktion) für gleich hoch oder höher sein als der von . Dies führt auf folgende exakte Definition:
{{Kasten|DefinitionVgl. beispielsweise Mas-Colell/Whinston/Green 1995, S. 9.: Eine reellwertige Funktion ( die Zahl der Güterbündel) ist eine Nutzenfunktion, die die Präferenz-Indifferenz-Relation abbildet, wenn gilt: .}}
Nutzenfunktion ermöglichen es so, die mathematisch häufig schwierig zu handhabenden Präferenzordnungen äquivalent funktional zu repräsentieren.
Ebenso wie bei der Analyse der Präferenzrelationen kann auch hier die Indifferenz und die strikte Präferenz aus der Präferenz-Indifferenz-Relation hergeleitet werden. Die Definition der strikten Präferenz lautet: Für zwei Alternativen und ist genau dann , wenn (1) , aber (2) nicht zugleich . Handelt es sich bei nun um eine Nutzenfunktion, so gilt mit ihrer obigen Definition wegen (1), dass und wegen (2), dass nicht , was eben impliziert, dass bei strikter Präferenz auch tatsächlich . Analog zeigt sich auch für die Indifferenzrelation , dass sie nach obiger Definition von gerade dadurch in der Nutzenfunktion zum Ausdruck gebracht wird, dass für zwei für gleichwertig erachtete Güterbündel . Wie groß der Abstand zwischen den Funktionswerten ist oder wie hoch die Funktionswerte selbst sind, ist ohne Aussagekraft.
Nutzenkonzept und Transformationen der Nutzenfunktion
Die hier zugrunde gelegte Interpretation ist recht allgemein gefasst, dergestalt dass die konkreten Nutzenwerte für sich nicht interpretierbar sind – es geht beim Vergleich von Güterbündeln lediglich darum, wie sich die zwei korrespondierenden Nutzenwerte zueinander verhalten, das heißt ob einer größer, gleich groß oder kleiner als der andere ist. Dies basiert auf dem Ansatz, die Messbarkeit des Nutzens als ausschließlich ordinal aufzufassen. Das Nutzenkonzept der modernen Haushaltstheorie fußt auf dieser Annahme, da in den Präferenzrelationen keinerlei weitere Informationen enthalten sind (paarweiser Vergleich von Alternativen). Es ist damit intuitiv einsichtig, dass Nutzenfunktionen im oben definierten Sinne auch beliebig positiv streng monoton transformiert werden können, dass also dieselben Informationen enthält wie , wenn nur streng monoton steigend in ist.
Denkbar – aber nicht mit obigem Konzept vereinbar – sind hingegen durchaus auch andere Typen von Nutzenfunktionen. Misst man den Nutzen beispielsweise auf einer Kardinalskala, so wäre eine Transformation nur dann zulässig, wenn sie positiv affin ist, wenn also . Die restriktiveren Anforderungen der Kardinalskala korrespondieren allerdings mit erweiterten Interpretationsmöglichkeiten, denn hier wäre es durchaus möglich, aus der Tatsache, dass der Nutzenwert beim Übergang von Güterbündel zu um 10 steigt, während er beim Übergang von zu um 20 steigt, zu folgern, dass der zusätzliche Nutzen von gegenüber doppelt so hoch ist wie der von gegenüber .
Misst man den Nutzen auf einer Verhältnisskala, so wäre eine Transformation nur dann zulässig, wenn sie positiv linear ist, wenn also . Hier könnte man daraus, dass der Nutzen von Güterbündel doppelt so groß ist wie der von , folgern, dass ersteres Bündel auch einen doppelt so hohen Nutzen wie letzteres stiftet.
Im Extremfall ist überhaupt keine Transformation zulässig (Absolutskala), wobei dann selbst die absolute Nutzenhöhe (zum Beispiel ) interpretierbar wäre.
Existenz einer Nutzenfunktion
In den obigen Definitionen zeigt sich bereits der enge Zusammenhang zwischen Präferenzrelation und Nutzenfunktion. Sobald man anders als in den vereinfachenden Beispielen die Zahl der betrachteten Güterbündel größer werden lässt, kann es allerdings dazu kommen, dass die Präferenzen von Akteuren nicht mehr durch eine Nutzenfunktion dargestellt werden können.
{{Kasten|Repräsentierbarkeit durch eine NutzenfunktionZum ersten Teil vgl. Mas-Colell/Whinston/Green 1995, S. 9, zum zweiten Jehle/Reny 2011, S. 14 ff. Für den ersten Teil ist der Beweis direkt enthalten, der (recht aufwändige) Beweis des zweiten wird bei Jehle/Reny vereinfacht, indem überdies noch die Eigenschaft strenger Monotonie vorausgesetzt wird. Zum vollständigen Beweis siehe zum Beispiel Barten/Böhm 1982, S. 388–390. Zum Begriff „Repräsentationstheorem“ vgl. Harris Selod: http://selod.ensae.net/m1/doc/m1_chapter1_quick.pdf (PDF-Datei), abgerufen am 28. März 2012.:# (Repräsentationstheorem:) Eine Präferenz-Indifferenz-Relation kann genau dann (und nur dann) durch eine Nutzenfunktion repräsentiert werden, wenn sie rational ist.
# Wenn eine Präferenz-Indifferenz-Relation nicht nur rational, sondern darüber hinaus auch noch stetig ist, dann existiert in jedem Fall eine reellwertige Nutzenfunktion , die diese Präferenzstruktur abbildet.
}}
Dabei bezeichnet man eine Präferenz-Indifferenz-Relation als rational, wenn sie 1) vollständig und 2) transitiv ist. Die erste Eigenschaft gewährleistet, dass der Haushalt für jedes Paar von Güterbündel eine Bewertung dahingehend vornehmen kann, ob er eines besser als das andere oder beide gleich gut findet. Transitivität setzt voraus, dass es keine zirkulären Präferenzen gibt: Wenn Güterbündel A mindestens so gut ist wie B und B mindestens so gut wie C, dann ist auch A mindestens so gut wie C, und zwar für beliebige Güterbündel A, B und C. Für die formale Definition der beiden Eigenschaften wird auf den Artikel Präferenzrelation verwiesen.
Die Rückrichtung der ersten Eigenschaft kann man mittels zweier einfacher Beispiele illustrieren. Wenn man beispielsweise zwei Güterbündel und betrachtet und der Haushalt nicht weiß (oder nicht angibt), wie er das Bündel im Vergleich zu bewertet, dann können wir auch nicht wissen, ob in einer Nutzenfunktion ,
Eigenschaften
Funktionale Eigenschaften
Basierend auf den zugehörigen Präferenzordnungen lassen sich auch Aussagen über die Eigenschaften einer Nutzenfunktion treffen.
{{Kasten|Zusammenhang zwischen den Eigenschaften der Präferenzrelation und den Eigenschaften der daraus konstruierten NutzenfunktionJehle/Reny 2011, S. 17.:
*
*
*
Dabei bezeichnet man eine Präferenz-Indifferenz-Relation als streng monoton, wenn
Indifferenzkurve
{| align="right" |
|thumb|upright=80%|Drei Indifferenzkurven im Zwei-Güter-Fall.
|thumb|upright=75%|Indifferenzkurven im Drei-Güter-Fall
|}
thumb|right|upright=2.5|Visualisierung der Eigenschaft als Niveaumenge – Indifferenzkurven als Konturlinien der Nutzenfunktion. Im Beispiel: Cobb-Douglas-Nutzenfunktion wie oben; in der 164(x1,x2)-165Ebene sind vier Konturlinien/Indifferenzkurven eingezeichnet. (Beachte, dass die 166x2-167Achse hier aus Gründen der Übersichtlichkeit die 168x1-169Achse 170nicht171 im Nullpunkt schneidet; stellt man sich die Achse hingegen auf der linken Seite vor, zeigt sich das vertraute Bild einer Indifferenzkurve im Zwei-Güter-Fall.
{{Hauptartikel|Indifferenzkurve}}
Nutzenfunktionen geben wie oben definiert das Nutzenniveau an, das bestimmte Güterbündel generieren. Betrachtet man die Funktion von einer anderen Seite kann man auch ein gewisses Nutzenniveau
Im Zwei-Güter-Fall lassen sich Indifferenzkurven wie nebenstehend recht einfach visualisieren. Zwischen der horizontalen und der vertikalen Achse befindet sich die Menge aller möglichen Güterbündel (jeder Punkt in diesem Bereich markiert eine bestimmte Kombination von Gut 1 und Gut 2). Auf der Indifferenzkurve 2 liegen beispielsweise sämtliche Punkte, die dem Haushalt den gleichen Nutzen stiften wie B und man sieht so unter anderem, dass der Haushalt zwischen C und B indifferent ist (das heißt C und B gleich gut findet). Nimmt man wie üblich Monotonität der Präferenzen an („mehr ist besser“), dann stehen Indifferenzkurven für ein umso höheres Nutzenniveau, je weiter sie vom Ursprung entfernt liegen – die Güterbündel auf Indifferenzkurve 2 sind also stets besser als diejenigen auf Kurve 1.
Mathematisch ist eine Indifferenmenge im oben definierten Sinne eine Niveaumenge zur Nutzenfunktion. Ist beispielsweise
Aus der Eigenschaft folgt auch, dass sich Indifferenzkurven nicht schneiden können. Wären nämlich A und B zwei echt verschiedene Indifferenzmengen und gäbe es ein Güterbündel
Grenznutzen und Grenzrate der Substitution
Grenznutzen
Die erste partielle Ableitung
thumb|upright=90%|Illustration des Ersten Gossen’schen Gesetzes. Auf der horizontalen Achse ist die Gütermenge, auf der vertikalen der Nutzen abgetragen (Nutzenfunktion im Ein-Güter-Fall).
In manchen Anwendungen wird angenommen, dass der Grenznutzen von Gütern in der Menge typischerweise abnehmend ist; bereits Hermann Heinrich Gossen stellte im Rahmen seiner Nutzentheorie die Behauptung auf, dass der zusätzliche Nutzen weiterer Einheiten eines Gutes immer geringer werde, je mehr Einheiten man von dem Gut bereits besitzt (Erstes Gossen’sches Gesetz). Allerdings muss bedacht werden, dass die Annahme nicht mit einer ordinalen Nutzentheorie wie sie oben haushaltstheoretisch fundiert zugrunde gelegt wurde, vereinbar ist. Dies deshalb, weil die Nutzenwerte ja gerade keine Bedeutung haben – die Tatsache, dass damit eine Nutzenfunktion
Eine weitere übliche Annahme ist ein strikt positiver Grenznutzen, das heißt jede zusätzliche Einheit eines Gutes generiert einen Mehrnutzen. Diese Annahme korrespondiert in der präferenztheoretischen Fundierung mit der Annahme strenger Monotonität der Haushaltspräferenzen, wonach in jeder Umgebung eines Güterbündels ein strikt präferiertes Güterbündel existiert, in dem von allen verbliebenen Gütern gleich viel, von mindestens einem Gut aber mehr enthalten ist.
Grenzrate der Substitution
Im Zwei-Güter-Fall bezeichnet man den Absolutbetrag der Steigung einer Indifferenzkurve auch als Grenzrate der Substitution (GRS). Es ist wie man zeigen kannFür ein Güterbündel
:
(sie entspricht
:
(lies: Grenzrate der Substitution von Gut 1 bezüglich Gut 2), also gerade das Verhältnis der Grenznutzen. Die GRS gibt an, mit welchem Austauschverhältnis ein Haushalt bereit ist, eine marginale Einheit von Gut 2 gegen eine von Gut 1 einzutauschen. Diese Grenzrate der Substitution ist invariant gegenüber positiv streng monotoner Transformation. Das Konzept kann auch für eine größere Zahl von Gütern verwendet werden, wobei dann entsprechend für beliebige Güter
:
Die GRS wird üblicherweise als streng monoton fallend angenommen, was äquivalent zu der Aussage ist, dass Indifferenzkurven konvex sind und auch unmittelbar mit der Konvexitätsannahme der Präferenzen in der präferenztheoretischen Fundierung korrespondiert. Intuitiv bedeutet dies im Zwei-Güter-Fall, dass man für den Verzicht auf eine marginale Einheit von Gut 2 mit umso mehr Einheiten von Gut 1 kompensiert werden muss, je weniger man von Gut 2 besitzt.
{{Siehe auch|Sozialer Grenznutzen|Substitutionsgut}}
Beispiele für Nutzenfunktionen
Quasi-lineare Nutzenfunktion
Eine Nutzenfunktion ist quasilinear, wenn sie die Form
besitzt, wobei
Cobb-Douglas-Nutzenfunktion
{{Hauptartikel|Cobb-Douglas-Funktion#Cobb-Douglas-Nutzenfunktion}}
Als Cobb-Douglas-Nutzenfunktion bezeichnet man allgemein die Nutzenfunktion
:
mit
Intertemporale Nutzenfunktion
Eine intertemporale Nutzenfunktion bildet Präferenzen über Konsumalternativen ab, die zu verschiedenen Zeitpunkten zur Verfügung stehen. Mit ihr kann unter anderem erklärt werden, warum und in welcher Höhe Menschen sparen oder Kredite aufnehmen.
In Einklang mit empirisch beobachtbarem Verhalten geht man bei intertemporalen Präferenzen oft davon aus, dass Individuen einen zeitnäheren Konsum gegenüber einem zeitfernerer Konsum in gleicher Höhe vorziehen; man spricht hier von einer positiven Zeitpräferenz. In Nutzenfunktionen wird diese positive Zeitpräferenz häufig durch Diskontfaktoren abgebildet, wobei man vereinfachend oft von einer konstanten Zeitpräferenzrate auch bei Einkommensveränderungen ausgeht. Vermutlich hat der Gegenwartskonsum aber bei niedrigeren Einkommen einen höheren Nutzen, und bei einem Pro-Kopf-Einkommen an der Armutsgrenze ist die Zeitpräferenzrate entsprechend sehr hoch.
Die Zeitpräferenzrate eines Wirtschaftssubjektes ist die private Zeitpräferenzrate, während die einer Gesellschaft als soziale Zeitpräferenzrate bezeichnet wird. Das Konzept der Indifferenzkurve lässt sich analog anwenden.
Von-Neumann-Morgenstern-Erwartungsnutzenfunktion {{Anker|Von-Neumann-Morgenstern-Erwartungsnutzen}}
Entscheidungen unter Unsicherheit werden mikroökonomisch oft als Lotterie modelliert. Der Nutzen der Wahl einer Alternative ist hier nicht unmittelbar bekannt. Statt einer Nutzenfunktion wird daher eine Erwartungsnutzenfunktion für die Modellierung der Präferenzen des Akteurs eingesetzt.
Dabei wird der Erwartungswert über eine (typischerweise eindimensionale) Nutzenfunktion für die einzelnen Alternativen als Nutzenwert definiert. Die Nutzenfunktion der jeweiligen Alternativen und deren Wahrscheinlichkeitsverteilung bestimmen daher den Nutzen einer Lotterie: Erwartungsnutzen ist einfach der Erwartungswert des Nutzens der Alternativen. Eine solche Nutzenfunktion wird auch als Von-Neumann-Morgenstern-(Erwartungs)-Nutzenfunktion bezeichnet.
Die Existenz einer Erwartungsnutzenfunktion setzt jedoch stärkere Annahmen voraus, insbesondere das umstrittene Unabhängigkeitsaxiom, gemäß dem irrelevante Alternativen keinen Einfluss auf das Ergebnis haben dürfen. Unabhängig von der Zulässigkeit einer Erwartungsnutzenformulierung können ökonomisch Handelnde als risikofreudig, risikoneutral oder risikoscheu eingestuft werden.
Indirekte Nutzenfunktion
{{Hauptartikel|Indirekte Nutzenfunktion}}
Im Kontext des Nutzenmaximierungsprobemes, das sich bei der Konstruktion marshallscher Nachfragefunktionen stellt, wird oftmals eine spezielle „Nutzenfunktion“ verwendet, die so genannte indirekte Nutzenfunktion. Sie wird üblicherweise mit
Für Einzelheiten wird auf den oben genannten Hauptartikel verwiesen.
Recoverability-Problem
Als Recoverability-Problem bezeichnet man die Fragestellung aus einer Nutzenfunktion die Präferenzordnung zu bestimmen, die die vorgelegte Nutzenfunktion erzeugt. Dies ist die Umkehrung des Problems, zu einer Präferenzordnung eine Nutzenfunktion mit bestimmten Merkmalen zu finden.
Makroökonomische Nutzentheorie
Im makroökonomischen Zusammenhang finden gesamtwirtschaftliche Nutzenfunktionen Verwendung, um die Vorteilhaftigkeit bestimmter politischer und ökonomischer Entwicklungen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu messen.
In der Makroökonomie wird das Konzept ebenfalls genutzt, um die Verhaltensweise wirtschaftspolitischer Akteure zu modellieren. In diesem Kontext werden im Rahmen der Public-Choice-Theorie beispielsweise Nutzenfunktionen für wiederwahlorientierte Politiker erstellt. Demnach werden Politiker diejenige politische Alternative wählen, die ihren Wiederwahlchancen am meisten nützt.
Literatur
* Anton Barten und Volker Böhm: Consumer Theory. In: Kenneth J. Arrow and Michael D. Intrilligator (Hrsg.): Handbook of Mathematical Economics. Bd. 2. North Holland, Amsterdam 1982, ISBN 978-0-444-86127-6, S. 382–429.
* Geoffrey A. Jehle und Philip J. Reny: Advanced Microeconomic Theory. 3. Aufl. Financial Times/Prentice Hall, Harlow 2011, ISBN 978-0-273-73191-7.
* Andreu Mas-Colell, Michael Whinston und Jerry Green: Microeconomic Theory. Oxford University Press, Oxford 1995, ISBN 0-195-07340-1.
* Hal Varian: Intermediate Microeconomics. A Modern Approach. 8. Aufl. W. W. Norton, New York und London 2010, ISBN 978-0-393-93424-3.
* Susanne Wied-Nebbeling und Helmut Schott: Grundlagen der Mikroökonomik. Springer, Heidelberg u.a. 2007, ISBN 978-3-540-73868-8.
Einzelnachweise
Kategorie:Wirtschaftsmathematik
cs:UžitekUtility
es:Utilidad (economía)
eu:Baliagarritasun (ekonomia)
fa:مطلوبیت
fi:Hyöty
Utilité
he:פונקציית תועלת
hu:Hasznossági függvény
it:Utilità (economia)
ja:効用
ko:효용
nl:Nut (economie)
no:Nyttefunksjon
pl:Użyteczność (ekonomia)
pt:Utilidade (economia)
ru:Полезность
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