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Privatfernsehen

18.05.2012 @ 13:25, Dersachse95,

{{Dieser Artikel|behandelt das Fernsehangebot privater Sender, für die gleichnamige Sendung in der ARD, siehe Privatfernsehen (Magazin)}}
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Privatfernsehen ist Fernsehen, das nicht von öffentlich-rechtlichen oder staatlichen Sendeanstalten, sondern von privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen betrieben wird. Es wird, wie das Privatradio, von privaten Rundfunksendern produziert und bildet die kommerzielle, zumeist werbe- oder abonnementfinanzierte Komponente des dualen Rundfunksystems in Deutschland.

Die andere Komponente ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der durch über erhobene Gebühren finanziert wird – in Deutschland von der GEZ, in Österreich von der GIS und in der Schweiz von der Billag.

Deutschland

Bereits 1955 gab es mit Telesaar einen ersten privaten Fernsehsender in Deutschland. Das war möglich, weil das Saarland bis Ende 1956 nicht Teil der Bundesrepublik war und deshalb nicht der deutschen Rundfunkhoheit unterlag.

Mit dem 3. Rundfunk-Urteil am 16. Juni 1981, dem so genannten FRAG-Urteil, bereitete das Bundesverfassungsgericht den Weg für privaten Rundfunk. Basis sind die Landesmediengesetze, die innerhalb des dualen Rundfunksystems bis heute ihre Anwendung finden.

Mit der Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler im Jahre 1982 wurde der technische Ausbau der Breitbandverkabelung unter dem damaligen Postminister Christian Schwarz-Schilling vorangetrieben.

Am 1. Januar 1984 um 9:58 startete in Ludwigshafen mit dem Kabelpilotprojekt Ludwigshafen das duale Rundfunksystem in Deutschland. Aus einem Kellerstudio begrüßte Jürgen Doetz gemeinsam mit der Moderatorin Irene Joest die Zuschauer:

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, in diesem Moment sind Sie Zeuge des Starts des ersten privaten Fernsehveranstalters in der Bundesrepublik Deutschland“.

Die Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS) war geboren, aus der ein Jahr später – im Jahre 1985 – Sat.1 wurde (damals mit Sitz in Mainz). Einen Tag nach dem Sendestart der PKS bzw. von SAT.1, begann RTL plus (heute RTL Television) am 2. Januar 1984 seinen Sendebetrieb aus Luxemburg (heutiger Sitz Köln).

1988 erklärte Edmund Stoiber schriftlich gegenüber Franz Josef Strauß "unsere Politik bezüglich RTL-plus war immer darauf ausgerichtet, eine Anbindung von RTL an das konservative Lager zu sichern beziehungsweise ein Abgleiten nach links zu verhindern".Frankfurter Rundschau, zitiert nach [http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13532215.html RÜCKSPIEGEL Zitate, DER SPIEGEL 44/1988]

Dem anfänglichen Sendeangebot vieler Privatsender wurde oft der Vorwurf extrem geringen Anspruchs gemacht (Beispiel: RTL mit Tutti Frutti). Allerdings ging es zunächst auch nur darum, die Bekanntheit der neuen Sender mit nahezu allen Mitteln zu erhöhen, inhaltliche Erwägungen traten in dieser Frühphase hinter dem reinen Kampf um Marktanteile und Einschaltquoten weit zurück.

Heute sind einige Privatsender recht vielfältig und sprechen fast alle gesellschaftlichen Schichten an. Es haben sich auch Sparten herausgebildet, z. B. "Sport-Sender". Auch auf regionaler Ebene haben sich einige Privatsender durchgesetzt, z. B. rheinmaintv für das Rhein-Main-Gebiet mit Sitz in Bad Homburg vor der Höhe.

Österreich

In Österreich hatte jahrzehntelang der ORF eine Monopolstellung.
Mitte der 1990er Jahre kamen in Österreich die ersten privaten, lokalen Fernsehkanäle in den weit verbreiteten TV-Kabelnetzen auf. Es gab jedoch für diese Sender weder eine eindeutige gesetzliche Grundlage, noch existierte ein Privatfernsehgesetz für die terrestrische Ausstrahlung von TV-Kanälen.
So starteten u.A. 1997 bzw. 1998 in Wien die Sender "True Image Vision“ (TIV) und Wien 1 (W1), die nur über das Kabelnetz zu sehen waren.

Im Jänner 2000 wurde dieser zu einem österreichweiten Programm namens ATV ausgebaut, das jedoch wegen der damaligen Rechtslage weiterhin nur über Kabel zu empfangen war

Am 1. August 2001 trat das Privatfernsehgesetz in Kraft, das ein bundesweites und drei regionale Fernsehprogramme (in Wien, Linz und Salzburg) zuließ.

Für die einzige ausgeschriebene österreichweite Senderkette bewarb sich neben einigen anderen Senderprojekten auch ATV, welches schließlich den Zuschlag erhielt.

Am 1. Juni 2003 startete ATVplus als erster terrestrischer Privatsender Österreichs. Bis dahin war Österreich der letzte Staat in Europa in dem kein frei über Antenne empfangbares Privatfernsehen existierte. Über Kabel ist bereits zuvor, nämlich im Oktober 2002, der österreichische Musikfernsehsender Gotv gestartet.
Am 21. Juni 2004 folgte schließlich Puls-TV im Großraum Wien als zweiter terrestrisch empfangbarer Sender. Der Sender wurde später an ProSiebenSat.1 verkauft und von diesen zum neuen Sender Puls 4 umgebaut, der im Februar 2008 als zweites österreichweit empfangbares, privates Vollprogramm auf Sendung ging.
Im Dezember 2007 ging Austria 9 TV als vierte private Anstalt ebenfalls österreichweit auf Sendung.
Seit 1. Oktober 2009 existiert mit Servus TV ein fünfter österreichweit empfangbarer Privatsender.

Am 1. Dezember 2011 startet schließlich ein zweiter Kanal von ATV. Der sechste österreichweit empfangbare Privatsender wird ATV2 heißen.

Die Sender stehen alle reichweitentechnisch weit hinter dem ORF zurück. Allerdings haben 2009 zwei Sender Rekorde erreicht: Puls4 erzielte mit einem Europa League-Spiel einen Rekordmarktanteil von 25,1 %; und ATV lag am 5. November in der Prime Time mit 443.000 Zuschauern vor beiden ORF-Programmen, die 300.000 bzw. 413.000 Zuschauer hatten.

Schweiz


In der Schweiz gibt es eine schwächere Unterscheidung zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Fernsehen, da die 1953 gegründete Fernsehanstalt Schweizer Fernsehen von der privatrechtlichen SRG SSR betrieben wird, wenn auch im Rahmen des Service public unter einer Spezialkonzession des Bundesrates.{{Internetquelle|url=http://www.medialine.de/deutsch/wissen/medialexikon/medialexikon-schweiz.php?snr=440|titel=Privatfernsehen in der Schweiz|werk=Medialexikon Schweiz|hrsg=Burda News Group|zugriff=2012-01-28}}

Abgesehen davon entstanden die ersten Privatsender in den 1980ern. Der erste ging 1980 in Wil auf Sendung (1998/9 in Tele Ostschweiz aufgegangen), wobei später Lokalsender in Solothurn und Zug folgten. 1988 starte der transnationale Wirtschaftssender European Business Channel, der allerdings bereits 1990 auf Grund mangelnden Interesses wieder eingestellt wurde. 1992 gründete Roger Schawinski TeleZüri und gliederte im Oktober 1998 Tele24 als eigenen Sender aus. Das Medienhaus Tamedia übernahm beide Sender und schloss 2001 Tele24, sowie den eigenen 1999 gegründeten Sender TV3. TeleZüri wurde damit zum stärksten Regionalsender. In anderen Regionen abseits von Zürich entstanden weitere Regionalsender wie TeleBärn (1995) in der Region Bern, Tele Tell (1994) in der Region Luzern, Tele Südostschweiz (1999) in der Region Chur, Tele Top (1999) in der Region Frauenfeld und TeleOstschweiz (1999) in der Region St. Gallen. Diese Regionalsender kooperieren seit 2000 in dem Werbeverbund TeleNewsCombi. Nach dem Ende von Tele24 und TV3 waren Star TV (1995) und VIVA Schweiz (1999, 2011 ersetzt durch Comedy Central Schweiz) die einzigen verbliebenen überregionalen Privatsender, jedoch mit einem Spartenprogramm mit geringem Marktanteil. 2006 kam überregional 3 Plus TV hinzu.

Weitere Nischen-Privatsender sind das Schaffhauser Fernsehen, das Aarolfinger Lokalfernsehen und Tele D (vormals Tele Diessenhofen) in Thurgau.

Finanzierung

Die meisten privaten Sender erzielen ihren Umsatz hauptsächlich aus Werbeeinnahmen oder Verkauf von Abonnements (Pay-TV). Ein kleiner Teil der Sender finanziert sich über Spenden (wie z. B. Bibel-TV), durch Teleshopping, oder aus kostenpflichtigen Zuschaueranrufen zwecks Televoting oder Call-in-Gewinnspiele (z. B. 9Live).

Privatfernsehen in Europa

Liste deutschsprachiger Fernsehsender

Literatur


* Eric Karstens/Jörg Schütte: Praxishandbuch Fernsehen. Wie TV-Sender arbeiten. Wiesbaden: VS-Verlag, 2005. ISBN 3-531-14505-3

Einzelnachweise


Kategorie:Fernsehen
Kategorie:Medienrecht

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