Navigation


Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe

16.05.2012 @ 15:48, Luckas-bot,

miniatur|Flagge des RGW
miniatur|8625 Jahre RGW87
Briefmarke der DDR [[Briefmarken-Jahrgang 1974 der Deutschen Post der DDR|1974
]]

Der 1949 gegründete Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW; {{ruS|Совет экономической взаимопомощи}}, CЭB, SEW), im Westen oft als Comecon (aus der englischen Übersetzung {{lang|en|Council for Mutual Economic Assistance}}) bezeichnet, war der wirtschaftliche Zusammenschluss der sozialistischen Staaten unter Führung der Sowjetunion. Er löste sich – wie das 1955 gegründete militärische Bündnis Warschauer Pakt (im Ostblock selbst als Warschauer Vertrag bezeichnet) – im Jahr 1991 infolge der politischen Umwälzungen des Jahres 1989 auf.

Geschichte


miniatur|RGW im Jahr 1986
111   Mitglied
112   Ruhende Mitgliedschaft
113   Assoziiertes Land
114   Beobachter

Der RGW wurde als sozialistisches Pendant zum Marshallplan und zur Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) gegründet. Er ist auch im Rahmen der Herausbildung des Kalten Krieges und der Zwei-Lager-Theorie zu sehen.

Das Gründungskommuniqué wurde am 25. Januar 1949 veröffentlicht,{{Literatur
| Autor=Curt Gasteyger
| Titel=Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe. Gründungskommuniqué vom 25. Januar 1949
| Sammelwerk=Europa von der Spaltung zur Einigung
| Ort=Bonn
| Jahr=1997
| Seiten=108f.
| Online=[http://www.forost.ungarisches-institut.de/pdf/19490125-1.pdf PDF; 11 kB]
| Zugriff=26. Januar 2009
}}

nachdem zuvor am 18. Januar in Moskau Vertreter aus sechs Ostblock-Staaten das Protokoll zur Gründung unterzeichnet hatten.{{Literatur
| Herausgeber=Alexander Uschakow
| Titel=Protokoll über die Gründung eines Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe zwischen der Regierungen den UdSSR, der Republik Polen, der Rumänischen Volksrepublik und der Republik Bulgarien, unterzeichnet am 18. Januar 1949 in Moskau
| Sammelwerk=Integration im RGW (COMECON)
| Ort=Baden-Baden
| Jahr=1983
| Seiten=19–21
| Online=[http://www.forost.ungarisches-institut.de/pdf/19490118-1.pdf PDF; 15 kB]
| Zugriff=26. Januar 2009
}}

Gründungsmitglieder waren neben der Sowjetunion die Länder Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und die Tschechoslowakei. Am 23. Februar 1949 trat Albanien dem Bündnis bei (dessen Mitgliedschaft später ruhte), am 29. September 1950 folgte die DDR (bis 1990). Die Mongolei (6. Juli 1962), Kuba (1972) und Vietnam (1978) wurden später ebenfalls Mitglieder. Am 17. September 1964{{Literatur
| Herausgeber=Alexander Uschakow
| Titel=Kommunique vom 17. September 1964 über die Unterzeichnung eines Abkommens über die Teilnahme Jugoslawiens an der Arbeit einiger Organe des RGW
| Sammelwerk=Integration im RGW (COMECON)
| Ort=Baden-Baden
| Jahr=1983
| Seiten=888
| Online=[http://www.forost.ungarisches-institut.de/pdf/19640917-1.pdf PDF]
| Zugriff=27. Januar 2009
}}

trat Jugoslawien einigen Organen des RGW bei.

China (bis 1961) und Nordkorea hatten Beobachterstatus. Im November 1986 nahmen Delegierte aus der Demokratischen Republik Afghanistan, Angola, Äthiopien, der Volksdemokratischen Republik Jemen (Südjemen), Laos, Mosambik und Nicaragua als Beobachter auf einem Treffen teil.{{Literatur
| Herausgeber=Library of Congress
| Titel=The Council for Mutual Economic Assistance
| Online=[http://memory.loc.gov/frd/cs/germany_east/gx_appnb.html Country Studies]
| Zugriff=27. Januar 2009

}}

Am 16. Mai 1973 unterzeichnete Finnland ein Kooperationsabkommen mit dem RGW, 1975 folgten dann der Irak und Mexiko, Nicaragua 1984, Mosambik 1985. Angola, Äthiopien und die Volksdemokratische Republik Jemen folgten 1986 und Afghanistan 1987.

1991 scheiterte der Versuch, das zentralverwaltungswirtschaftliche System des RGW marktwirtschaftlich zu reformieren. Mit der Auflösung der Sowjetunion löste sich auch der RGW am 28. Juni 1991 auf.

Aufgaben


Der RGW hatte zum einen die Aufgabe, eine bessere wirtschaftliche Spezialisierung und Arbeitsteilung zwischen den sozialistischen Staaten zu erreichen und zum anderen eine allmähliche Angleichung der sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen. Als Folge der arbeitsteiligen Spezialisierung entstand eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen der UdSSR und den anderen RGW-Staaten. Mit der Spezialisierung sollten höhere Stückzahlen erreicht und dadurch Kosten verringert werden (Synergie).

Die im Namen formulierte „gegenseitige Wirtschaftshilfe“ geschah vor allem dadurch, dass die wirtschaftlich verhältnismäßig starken Länder (Sowjetunion, DDR, Tschechoslowakei, Ungarn) die schwächeren (Bulgarien, Rumänien, Kuba, Mongolei und Vietnam) im Rahmen der sozialistischen ökonomischen Integration wirtschaftlich unterstützten. Gleichzeitig wurde damit eine ideologische Stärkung im Sinne des Marxismus-Leninismus verfolgt.

Der Außenhandel zwischen den Mitgliedern war durch mehrjährige bilaterale Verträge und einige multilaterale Verträge gekennzeichnet. Für die Koordinierung der langfristigen Wirtschaftspläne in der Sowjetunion (Fünfjahresplan, ab 1959 Siebenjahresplan) entstand ein bürokratischer Apparat, die Gosplan-Behörde, der auch für die Verknüpfung mit den Wirtschaftsplänen der anderen RGW-Staaten sorgte.

Obwohl vom System her nicht vorgesehen, war der Handel zwischen den Mitgliedern annähernd ausgeglichen, da es aufgrund der fehlenden Konvertibilität der Währungen wenig attraktiv war, Gläubigerpositionen im Außenhandel aufzubauen. Der Zahlungsverkehr wurde von der Internationalen Bank für wirtschaftliche Zusammenarbeit (IBWZ) abgewickelt, als RGW-Organ 1957 mit Sitz in Moskau gegründet. Zahlungsmittel waren Transferrubel und Goldreserven. Da die nationalen Preise politische Preise waren, taugten sie wenig zur Festsetzung der Preise im Außenhandel. Deshalb wurden Durchschnittspreise des Weltmarktes als Grundlage verwendet.[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46414037.html Spiegel.de: Proletarische Profite] Artikel von 22. August 1966.

Unter dem Dach des RGW kam es auch zu Standardisierungsbemühungen, so etwa am 23. Dezember 1968 zum Vertrag über ein Einheitliches System Elektronischer Rechentechnik (ESER), der auf die Entwicklung einer standardisierten Rechentechnik abzielte.

Gemeinsame Projekte

Energiesektor


Auf der X. Tagung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) im Dezember 1958 in Prag wurde der Bau der Erdölleitung Freundschaft beschlossen, die 1963 in Betrieb genommen wurde. Auf der XXVIII. Tagung des RGW im Juni 1974 in Sofia wurde der Bau der Erdgastrasse Druschba beschlossen. Mit dem Aufbau internationaler Pipeline- und Hochspannungsleitungsnetze fanden wichtige, auch politisch wirksame Vernetzungen statt.

Spezialisierung


Die größeren Omnibusse der RGW-Staaten wurden bei Ikarus in Ungarn gebaut, die leistungsstärksten Traktoren sowie schwere Diesellokomotiven (z. B. DR-Baureihe 130) und Flugzeuge in der UdSSR, Fischverarbeitungsschiffe in der DDR. Straßenbahnwagen kamen von ČKD Tatra, Großdiesellokomotiven wie die M62 entstanden in der Lokomotivfabrik Woroschilowgrad und Bergbaulokomotiven wie die EL2 wurden unter anderem vom Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hans Beimler Hennigsdorf geliefert. Ab 1976 musste die Deutsche Reichsbahn ihre mittelschweren Diesellokomotiven (Baureihe 119) aus Rumänien importieren.

Geplant war auch ein Pkw der unteren Mittelklasse als Gemeinschaftsprojekt der RGW-Staaten unter Federführung der DDR und der ČSSR, das so genannte RGW-Auto.

Probleme


In der Anfangszeit gab es vor allem Probleme mit den Produktionskapazitäten, da die ausführenden Betriebe nicht auf gestiegene Produktionsmengen vorbereitet worden waren. Ein Dauerproblem war, dass die gelieferten Stückzahlen nie den benötigten Mengen entsprachen und zudem die Qualität einiger Produkte deutlich zu wünschen übrig ließ. So waren anfangs ca. 50 % der in Rumänien hergestellten Diesellokomotiven bei der Deutschen Reichsbahn nicht einsatzfähig.

Für die DDR bedeutete dies, dass einige Zweige des Fahrzeugbaus eingestellt werden mussten (u.a. Gothawagen T57), dafür entstanden Straßenbahnwagen wie der Rekowagen, Omnibusse wurden von der Firma Fritz Fleischer KG unter erschwerten Bedingungen weiterhin gebaut.

Organe


miniatur|Treffen des Exekutivkomitees

Alle Hauptorgane des RGW konnten nur unverbindliche Empfehlungen beschließen. Jedes Mitgliedsland hatte nur eine Stimme, und bis 1967 galt das Einstimmigkeitsprinzip, später konnten sich die Mitgliedsländer auch bei einer Abstimmung enthalten.

Ratstagung


Die Ratstagung war formell das oberste Organ des RGW. Sie setzte sich aus den Delegierten aller Mitgliedsländern zusammen und trat in der Regel einmal pro Jahr zusammen, seit 1987 abwechselnd in der Hauptstadt des Vorsitzenden. Geleitet wurde eine Delegation vom Ministerpräsidenten eines Mitgliedslandes oder seinem Stellvertreter.

Exekutivkomitee


Das Exekutivkomitee war das eigentlich entscheidende Organ, welches aus einem Stellvertreter des Regierungschef eines jeden Mitgliedslandes bestand.

Sekretariat


Das Sekretariat bestand aus einem sowjetischen General-Sekretär, seinen nicht-sowjetischen Stellvertretern und weiterem Personal. Der Sitz des Sekretariats war Moskau. Die Gründung wurde auf der IV. Tagung des RGW am 26. und 27. März 1954 in Ungarn beschlossen.

Weitere Organe


Weitere Organe waren Ständige Kommissionen (zuletzt zweiundzwanzig) und Komitees (sechs). Es gab sie seit 1957, doch wurden sie erst später zu Hauptorganen aufgewertet. Des Weiteren gab es die Internationale Bank für wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Internationale Investitionsbank sowie die Medunion.{{Literatur
| Herausgeber=Alexander Uschakow
| Titel=Statut der Internationalen Investitionsbank
| Sammelwerk=Integration im RGW (COMECON)
| Ort=Baden-Baden
| Jahr=1983
| Seiten=249–261
| Online=[http://www.forost.ungarisches-institut.de/pdf/19700000-2.pdf PDF; 33 kB]
| Zugriff=26. Januar 2009

}}

Das Ende der DDR-Mitgliedschaft im RGW


Die DDR hatte sich im Staatsvertrag vom 18. Mai 1990 über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion gegenüber der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, ihr Wirtschaftssystem den Bedingungen der Marktwirtschaft anzupassen. Damit war eine fortdauernde Mitgliedschaft im RGW nicht vereinbar. Die Volkskammerpräsidentin Bergmann-Pohl als amtierendes Staatsoberhaupt erklärte am 2. Oktober 1990 den Austritt der DDR aus dem RGW und seinen Unterorganisationen mit Wirkung zum 3. Oktober 1990. Das vereinigte Deutschland hat die Abwicklung aller aus der bisherigen Mitgliedschaft entstandenen Forderungen und Verbindlichkeiten übernommen.
thumb|RGW-Gebäude in Moskau

Zu dieser Vermögensposition gehörte auch der deutsche Anteil an dem Bürogebäude des RGW in Moskau (siehe Bild). Es war mit den Beiträgen der Mitgliedstaaten finanziert worden, wovon die DDR 40 Mio. Rubel, etwa ein Sechstel der Baukosten, beigetragen hatte. Der Marktwert des Gebäudes mit 30 Stockwerken wurde Anfang der 90er Jahre auf 250 bis 300 Mio. US-$ geschätzt. Die sowjetische, später russische Regierung hat diesen Anspruch bis heute nicht anerkannt.Vgl. zu diesem Abschnitt Dieter Papenfuß: Die Behandlung der völkerrechtlichen Verträge der DDR im Zuge der Herstellung der Einheit Deutschlands. Ein Beitrag zur Frage der Staatennachfolge in völkerrechtliche Verträge. C.F. Müller Verlag, Heidelberg 1997, ISBN 3-8114-5797-7.

Siehe auch


* Geschichte der Sowjetunion

Literatur


* {{Literatur|Autor=Arie Bloed|Titel=The External Relations of the Council for Mutual Economic Assistance|Verlag=Martinus Nijhoff|Ort=Dordrecht/Boston/London|Jahr=1988|ISBN=90-247-3783-4}}
* Adam Zwass:Zur Problematik der Währungsbeziehungen zwischen Ost und West Europaverlag Wien 1974

* Adam Zwass:Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe 1949 bis 1987 Springer Verlag, Wien 1988

Weblinks


{{Commons|Comecon|Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe}}

* [http://www.bechteler.com/referate/inRGW.htm Ausführliches Referat über den RGW]

Einzelnachweise



Kategorie:Internationale Wirtschaftsorganisation
Kategorie:Organisation (20. Jahrhundert)

Kategorie:1949

ar:مجلس التعاون الاقتصادي
bg:Съвет за икономическа взаимопомощ
ca:Consell d'Assistència Econòmica Mútua
cs:Rada vzájemné hospodářské pomoci
da:Comecon
Comecon
eo:Konsilio de Reciproka Ekonomia Helpo
es:Consejo de Ayuda Mutua Económica
et:Vastastikuse Majandusabi Nõukogu
eu:Elkarren Laguntza Ekonomikorako Kontseilua
fa:کمکان
fi:Keskinäisen taloudellisen avun neuvosto
Conseil d'assistance économique mutuelle
gl:Consello de Axuda Mutua Económica
he:קומקון
hu:Kölcsönös Gazdasági Segítség Tanácsa
id:Comecon
is:COMECON
it:COMECON
ja:経済相互援助会議
ko:경제 상호 원조 회의
lt:Ekonominės savitarpio pagalbos taryba
lv:Savstarpējās ekonomiskās palīdzības padome
nl:Comecon
nn:COMECON
no:COMECON
pl:Rada Wzajemnej Pomocy Gospodarczej
pt:Conselho para Assistência Econômica Mútua
ro:CAER
ru:Совет экономической взаимопомощи
sk:Rada vzájomnej hospodárskej pomoci
sr:Савет за узајамну економску помоћ
sv:Comecon
tr:Karşılıklı Ekonomik Yardımlaşma Konseyi
uk:Рада Економічної Взаємодопомоги
vi:Hội đồng Tương trợ Kinh tế
zh:经济互助委员会

weiter

Text und Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Artikel Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Original-Artikel lässt sich hier bearbeiten.