Staatsverschuldung
Als Staatsverschuldung bezeichnet man die zusammengefassten Schulden eines Staates, also die vom Staat an Dritte geschuldeten Verbindlichkeiten. Die Staatsverschuldung wird dabei in der Regel brutto betrachtet, das heißt, die Verbindlichkeiten gegenüber Dritten werden nicht um die Forderungen des Staates gegenüber Dritten vermindert ausgewiesen. Da sich im Staatshaushalt die Einnahmen im Wesentlichen aus Steuereinnahmen rekrutieren, aus denen der Kapitaldienst der Staatsverschuldung, also Zinsen und Tilgung zu begleichen sind, wird die Staatsverschuldung indirekt auch als Verschuldung der Steuerzahler angesehen.
{{Anker|Arten der Staatsverschuldung}}Klassifizierungen der Staatsverschuldung
Die Staatsverschuldung kann unterschieden werden* nach veröffentlichter und verdeckter Staatsverschuldung: Neben der explizit veröffentlichten Verschuldung sind die meisten Staaten auch weitere Verbindlichkeiten (verdeckte Verschuldung) eingegangen, die nicht oder nur begrenzt oder in anderen Zusammenhängen veröffentlicht werden, obwohl sie wirtschaftlich in vollem Umfang vom Staat zu tragen sind. Die verdeckte Verschuldung wird vom Staat nicht zu den offiziellen Staatsschulden addiert, so dass die veröffentlichten Staatsschulden im Gegensatz zu dem der Privatwirtschaft auferlegten Vorsichts- und Vollständigkeitsprinzip in der Regel eine zu optimistische Darstellung der tatsächlichen Verschuldungslage ergeben. Zum einen besteht die verdeckte Staatsverschuldung typischerweise aus Renten- und Pensionsverpflichtungen für Staatsangestellte, die im Gegensatz zur Privatwirtschaft, in der solche Verpflichtungen zumeist orientiert am Kapitalwert dieser Renten- und Pensionszahlungen als Verschuldung ausgewiesen werden, zumeist gar nicht bilanziert und veröffentlicht werden. Zum anderen sind dies oft Verschuldungen von Institutionen im direkten oder indirekten Staatsbesitz wie z. B. Landesbanken und Stadtsparkassen oder Sondervermögen, bei denen der Staat auch für die volle Verschuldungshöhe haften muss. Hintergrund dieser Klassifizierung nach veröffentlichter und verdeckter Verschuldung ist zumindest die Tatsache, dass die Privatwirtschaft ihre Schulden und Eventualverbindlichkeiten in der Regel explizit und vollständig ausweisen muss, um drohende Überschuldungen oder Zahlungsunfähigkeiten frühzeitig erkennen zu können. Die Geschäftsführungen der Privatwirtschaft machen sich regelmäßig strafbar, wenn sie dann unterlassen, frühzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Staaten haben sich für ihre eigenen Aktivitäten – umstrittenerweise – nicht den vollen konsolidierten Ausweis ihrer eingegangenen Verbindlichkeiten auferlegt, obwohl sie den Staaten wirtschaftlich in vollem Umfang zuzurechnen sind. Diese Klassifizierung nach veröffentlichter und verdeckter Staatsverschuldung ist deshalb besonders erheblich, weil sie die Höhe der Staatsverschuldung wesentlich ändern kann, während die nachfolgenden Klassifizierungen nur die Darstellung der Struktur der Staatsverschuldung unterschiedlich ausweist.
* nach internen und externen Gläubigern: Man kann die Verschuldung eines Staates danach klassifizieren, ob die Gläubiger inländische oder ausländische Wirtschaftssubjekte (Personen, Haushalte, Banken, Firmen) sind, auch interne und externe Verschuldung genannt. Hinter dieser Klassifizierung steht der stark vereinfachende – aber grundsätzlich nicht falsche – Gedanke, dass interne Schulden des Staates Schulden an sich selbst nahekommen. "Vereinfachend" ist der Gedanke deswegen, weil nur bei einer theoretischen Gleichverteilung – also wenn ein Staat jedem seiner Bürger oder Haushalte den gleichen Betrag an Staatsverbindlichkeiten schulden würde und auch jeder Bürger oder Haushalt Steuerverbindlichkeiten in Höhe mindestens dieses gleichen Betrags an den Staat hätte – die Staatsschulden in der Art und Weise nur gegen sich selbst gerichtet wären, dass eine Konsolidierung oder Verrechnung möglich wäre und praktisch gar keine Staatsverschuldung bestünde. Eine externe Verschuldung belastet jedoch einen Staat, ohne dass der Staat diese mit seinen Bürgern oder Haushalten verrechnen könnte, weil tatsächliche Dritte die Gläubiger sind.
* nach eigener und fremder Währung: Man kann die Verschuldung eines Staates nach der Währung klassifizieren, in der die Kapitaldienste (Zins und Tilgung) an die Gläubiger zu leisten sind. Hinter dieser Klassifizierung steht der Gedanke, ob ein Staat eventuell selbst die Währung beeinflussen kann, in der er seine Kapitaldienste zu leisten hat. Bei Schulden in einer nationalen Währung und einer hohen Abhängigkeit der nationalen Zentralbank von den Staatsregierungen wäre das der Fall. Schon bei einer Unabhängigkeit der Zentralbank nimmt dieses Beeinflussungspotential ab. Bei einer Gemeinschaftswährung wie dem Euro besteht nur ein schwacher Einfluss, während bei einer Verschuldung in einer wirklichen Drittwährung von keinem Einfluss mehr auszugehen ist.
* nach Abgrenzung der staatlichen Schuldnerinstitutionen: Insbesondere in einem föderalen Staat kann es verschiedene Körperschaften, z. B. Bund, Länder, Städte und Gemeinden geben, die eine Verschuldung aufgenommen haben. Genauso können mit mehreren Staaten gemeinschaftlich Schulden aufgenommen werden, wie dies auch für Projekte in der EU der Fall ist. Des Weiteren ist zu unterscheiden, ob Schulden im Kernhaushalt einer Gebietskörperschaft oder in einem Extrahaushalt aufgenommen worden sind. In diesem Kontext kann differenziert werden zwischen der Staatsverschuldung der öffentlichen Kernhaushalte sowie der Staatsverschuldung des öffentlichen Gesamthaushalts (Kernhaushalte + Extrahaushalte).
* nach unterschiedlichen Messkonzepten: Zu unterscheiden sind etwa in Europa die veröffentlichten Kreditmarktschulden der öffentlichen Haushalte in finanzstatistischer Abgrenzung, der Maastricht-Schuldenstand und der umgangssprachliche Schuldenstand. In Abhängigkeit vom praktizierten Rechnungsstil kann das angewendete Messkonzept grundsätzlich auf kameralen (Höhe der Verbindlichkeiten) oder doppischen Daten (Verbindlichkeiten + Rückstellungen) basieren. Nicht zuletzt aufgrund fehlender gesamtstaatlicher Daten, können doppische Schuldenstände i. d. R. jedoch nur für einen Teil der Gebietskörperschaften bestimmt werden.
* nach der Entstehungsursache: Hier wird zumeist nach der Finanzierung der konjunkturellen und der strukturellen Haushaltsdefizite durch Staatsverschuldung klassifiziert. Diese Klassifizierung ist jedoch außerordentlich problematisch und umstritten, weil konjunkturelle Defizite sich per Definition langfristig mit konjunkturellen Überschüssen in der Waage halten müssten und insofern langfristig nur strukturelle Haushaltsdefizite zu finanzieren wären. Die meisten Staaten bzw. deren Regierungen haben jedoch fast nie einen konjunkturellen Haushaltsüberschuss erklärt, weil die entsprechende Regierung in ihrer Amtszeit damit einen Beitrag zur Nettoschuldentilgung des Staates leisten könnte, was empirisch gesehen amtierende Regierungen nur sehr selten durchführen.
Volkswirtschaftliche Bedeutung
Die Bewertung der Staatsverschuldung ist in den Wirtschaftswissenschaften kontrovers: Während David Ricardo sie als „eine der schrecklichsten Geißeln, die jemals zur Plage einer Nation erfunden wurden“ bezeichnete, lässt sich aus keynesianischer Sicht eine verstärkte Verschuldung temporär zur „Ankurbelung“ des Wirtschaftswachstums rechtfertigen.
Wirtschaftliche Grenzen
Staatsschulden kann ein Staat im Verhältnis zum BIP nur begrenzt aufnehmen, da ab einem bestimmten Verschuldungsgrad Investoren und Gläubiger an der Rückzahlungsfähigkeit der Volkswirtschaft zu zweifeln beginnen (sinkende Bonität). Die Einschätzung dieser Fähigkeit hängt unter anderem von der Zinslastquote ab, also den staatlichen Zinsausgaben gemessen an den Staatsausgaben insgesamt oder am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Sind die Zinssätze niedriger als die Wachstumsrate des BIP (in laufenden Preisen), ist als fester Prozentsatz am BIP eine dauerhafte Nettoneuverschuldung des Staates möglich.Fritz Helmedag: Staatsschulden als permanente Einnahmequelle. In: Wirtschaftsdienst 2010/9.
Für Staaten mit hoher Staatsverschuldung erhöhen sich im Allgemeinen nicht nur die Zinssätze, die die Investoren für ihre Kredite verlangen, sondern es verringert sich auch die Anzahl derjenigen Investoren, die überhaupt noch bereit sind, Geld zur Verfügung zu stellen. Ein hoch verschuldeter Staat kann in einen Teufelskreis aus immer höheren finanziellen Verpflichtungen (Zinsen und Tilgung bereits bestehender Schulden) und einem immer begrenzteren Zugang zum Finanzmarkt geraten. Dies kann mit dem Verlust der Kreditwürdigkeit oder gar mit der Zahlungsunfähigkeit des Staates (Staatsbankrott) enden, insbesondere wenn die Verschuldung in fremder Währung oder einer Gemeinschaftswährung wie dem Euro vorliegt.miniatur|300px|Zinslastquote verschiedener Staaten bezüglich des Bruttoinlandsprodukts
Verfügt ein Staat über eine eigene nationale Währung und ist eine Notenbank mit geringer Unabhängigkeit von der Staatsregierung dafür verantwortlich, so kann diese Regierung versucht sein, einfach mehr Geld zu drucken und sich dadurch die Rückzahlung der eigenen Schulden zu erleichtern. Dies führt allerdings zu einem weiteren Verlust an Glaubwürdigkeit und Kreditwürdigkeit sowie (durch Inflation) zu einer Entwertung aller Geldvermögen in der betreffenden Währung.
Verteilung der Schulden auf die Generationen
{{Hauptartikel|Ricardianische Äquivalenz}}
Kritiker einer Verschuldungspolitik argumentieren, dass durch die Staatsverschuldung die jetzige Generation auf Kosten zukünftiger Generationen lebe (Generationenbilanz). Danach seien Staatsschulden auf die Zukunft verschobene Steuererhöhungen, die dann von den „nachfolgenden Generationen zu tragen sind“.
Dieser Zusammenhang ist in der makroökonomischen Theorie als Barro-Ricardo-Äquivalenzproposition bekannt und beinhaltet als Kernaussage, dass sich das permanente Einkommen der Haushalte durch die Neuverschuldung (=Steuersenkung) nicht verändert und damit keine Auswirkung auf die Ausgaben (=Nachfrage) der Haushalte hat, da die Haushalte die zukünftigen Steuerzahlungen, die durch die gegenwärtige Verschuldung bedingt sind, schon in der Gegenwart durch Sparen antizipieren. In diesem Zusammenhang wird die Frage diskutiert, ob die vom Staat ausgegebenen Wertpapiere Vermögen darstellen oder einer laufenden Besteuerung entsprechen, da die Wirtschaftssubjekte erkennen, dass die Wertpapiere mit den zukünftigen Steuererhöhungen zurückgezahlt werden müssen. Aus diesem Grund sollte ein nicht von Ausgabenkürzungen des Staates begleiteter Anstieg des Budgetdefizits zu einem Anstieg der Sparquote in gleicher Höhe folgen.
Die keynesianischen Kritiker dieser neoklassischen Theorie argumentieren hingegen, dass eine Steuersenkung durchaus nachfragewirksam sein kann, da sie die Liquiditätsbeschränkung (Unfähigkeit zur Aufnahme von Krediten) vieler Haushalte entschärft, weil ihnen mehr liquide Mittel zur Verfügung stehen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Barro-Ricardo-Äquivalenz nicht uneingeschränkt gültig sein kann, da die Anfang der 1980er Jahre in den USA durchgeführte Steuersenkung nicht zu einem Anstieg der Sparquote führte (die Sparquote sank von ca. neun Prozent im Jahr 1981 auf unter fünf Prozent 1990).
Sparmaßnahmen und Rationalitätenfalle
Die Beurteilung der Bekämpfung der Staatsverschuldung durch Sparmaßnahmen unterliegt häufig einer sogenannten Rationalitätenfalle. Was auf den ersten Blick plausibel klingt und jedem Privathaushalt einleuchtet („Ich habe zu hohe Schulden, also muss ich sparen.“), kann für die Volkswirtschaft unerwartete Folgen haben: Wenn der Staat seine Ausgaben kürzt, indem er beispielsweise Transferzahlungen an die Industrie und Haushalte in Form von Förderungen und Subventionen kürzt, hat dies zwar zwangsläufig Auswirkungen auf die Ausgabenseite des Staatshaushaltes: Auf die tatsächliche und/oder wahrgenommene Einkommensminderung der Haushalte können diese mit einer Verminderung des Konsums und einer Erhöhung der Sparneigung reagieren. Dies hat zur Folge, dass die aggregierte oder gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt und zu einem sinkenden oder negativen Wirtschaftswachstum führt, wodurch sich gleichzeitig die Steuereinnahmen des Staates vermindern, was effektiv zu einem negativen Spareffekt führen kann. Die Individualrationalität (Sparen vermindert Schulden) steht somit im Konflikt zur Kollektivrationalität (Wenn alle sparen kann dies keine oder negative Auswirkungen auf den Staatshaushalt haben).
Gläubiger
Die Verschuldung des Staates verteilt sich auf inländische und ausländische Gläubiger. Die Verschuldung gegenüber diesen beiden Gläubigergruppen ist unterschiedlich zu beurteilen. Während Inlandsschulden zu einer Vermögensumverteilung innerhalb der Volkswirtschaft führen (siehe Umverteilungs- und Generationenproblematik in diesem Artikel), fließt bei Zins- und Tilgungszahlungen bei Auslandsverschuldung Liquidität in eine andere Volkswirtschaft ab. Die Rückzahlung von Auslandsschulden wird der Volkswirtschaft in der Zukunft liquide Mittel zwar entziehen, jedoch lässt sich hier argumentieren, dass Staaten wie Deutschland (der deutsche Staat und die deutschen Haushalte zusammen) in globaler Sicht Netto-Gläubiger sein könnten (abhängig von der Bonität der Schuldenstaaten), weswegen ein weltweiter Schuldenabbau zu einem Zufluss an liquiden Mitteln beitragen könnte. Die nachvollziehbaren Argumente der Steuererhöhung/Verteilungsproblematik und die wirtschaftstheoretisch abgestützte Warnung vor einer zu hohen Auslandsverschuldung von Netto-Schuldnerländern ist somit sachlich von dem Argument der Belastung von Generationen zu trennen.
Wenn Kreditinstitute ihrerseits das Geld bei einer Zentralbank aufnehmen, leiht mittelbar die Zentralbank dem Staat Geld.[http://www.handelsblatt.com/finanzen/anleihen/staatsanleihen-renditen-im-sinkflug;2630755 „Renditen im Sinkflug“, Handelsblatt 5. August 2010]
Verdrängung privater Investitionen
Ein weiterer volkswirtschaftlich bedeutender Effekt steigender Staatsverschuldung ist der Crowding-out-Effekt auf dem Kapitalmarkt. Einfach formuliert: Durch die hohe Nachfrage des Staates nach Geld steigen die Zinsen und damit die Finanzierungskosten der Unternehmen. Für sie werden Kredite teurer, Investitionen unterbleiben. Dadurch sinkt ihre Wettbewerbsfähigkeit, das Wirtschaftswachstum leidet.
Das Ausmaß der Verdrängung wird in der Theorie der drei großen Schulen (Keynesianer, Monetaristen, Neoklassiker) stark unterschiedlich beurteilt. Weiterhin kann die Zentralbank diesen Effekt einer expansiven Fiskalpolitik durch eine expansive Geldpolitik neutralisieren (Monetisierung des Budgetdefizits).
Inflationswirkungen
Bei einer hohen Staatsverschuldung besteht für die Regierungen in Ländern mit nicht unabhängigen Zentralbanken häufig ein starker Anreiz, das Zinsniveau künstlich niedrig zu halten und Zusatzeinnahmen durch die Ausweitung der Bargeldmenge zu schaffen. Beide Maßnahmen führen zu Inflation. Vielfach enden Situationen, in denen Staaten überschuldet sind, in Hyperinflation und Währungsreform.
Neokeynesianische Begründung
{{Belege fehlen}}
Neokeynesianisch wird staatliche Verschuldung als wirtschaftspolitisches Mittel sowohl gegen Deflationen als auch zur Überwindung von Nachfragelücken gesehen. Ersteres wurde von Ökonomen wie Wolfgang Stützel vor allem damit begründet, dass Geld letzten Endes lediglich Schuldschein-Charakter habe. Eine umfassende Schuldentilgung führt nach dieser Sichtweise direkt zu Deflation. Daher wird von verschiedenen neokeynesianischen Ökonomen der Staat dazu aufgefordert, sich zur Vermeidung von Deflation langfristig zu verschulden.
Grundsätzlich soll sich der Staat nach Meinung neokeynesianischer Theoretiker antizyklisch verhalten, d. h. zur Überwindung einer Nachfragelücke soll der Staat einen Konjunkturaufschwung vor allem über eine Anschubfinanzierung (durch höhere Staatsausgaben oder Steuersenkungen, das sogenannte deficit spending) ermöglichen. In der Theorie erhöht die vermehrte staatliche Nachfrage den privaten Konsum und die Investitionstätigkeit der Industrie. In der Folge sollen dadurch die Einkommen und somit auch die Steuereinnahmen wieder steigen. Im Extremfall entstünde das Schuldenparadoxon: Die Kosten der Schuldentilgung könnten geringer sein als die zusätzlichen Steuereinnahmen. Nach ursprünglicher keynesianischer Deutung soll eine antizyklische Finanzpolitik jedoch aus Rücklagen finanziert sein.
Ob eine hohe Staatsverschuldung zu mehr Wachstum führt, ist im Hinblick auf den anhaltenden Anstieg der Staatsverschuldung und die gleichzeitig niedrigen Wachstumsraten in manchen Ländern wie zum Beispiel Japan umstritten. Falls bei hoher Staatsverschuldung die Zinsforderungen der Gläubiger höher sind als die jährliche Neuverschuldung, ergibt sich eine Liquiditätslücke, auf die der Staat reagieren kann, indem er wiederum mehr Schulden aufnimmt, staatliche Vermögenspositionen auflöst, staatliche Ausgaben reduziert oder z. B. durch Steuererhöhungen seine Einnahmesituation verbessert. Somit werden die ursprünglichen Ziele der Schuldenpolitik [entweder a) keynesianische Ankurbelung oder b) Finanzierung aktueller Staatstätigkeit, ohne dafür Steuern erheben zu müssen] ad absurdum geführt, falls die gesteigerte staatliche Nachfrage nicht zum erwünschten Wirtschaftswachstum und damit höheren Steuereinnahmen führt oder der Staat seine Ausgabenpolitik im Aufschwung nicht korrigiert.
Siehe auch: Keynesianismus
Verteilungspolitische Wirkungen der Staatsverschuldung
Kontrovers diskutiert wird die verteilungspolitische Wirkung der Staatsverschuldung. Hierbei sind mehrere Aspekte zu unterscheiden:
Die Zinslast, die vom Staat durch Steuern oder Ausgabenkürzungen aufgebracht werden muss und an die Gläubiger bezahlt wird, mindert den Spielraum des Staates und verlangt somit politische Entscheidungen. Sollen die Steuern nicht erhöht werden, sinken damit die Anteile des Haushaltes, die zur Umverteilung beitragen, sofern nicht andere Ausgaben noch stärker zu deren Gunsten gekürzt werden.
Sind jedoch schuldenfinanzierte Investitionen des Staates zum Beispiel in Infrastruktur oder die zeitweise Stützung von Unternehmen sinnvoll, um nachhaltige Steuereinnahmen zu begünstigen oder zu sichern und so den oben genannten Effekt mehr als ausgleichen, steigert diese Maßnahme den Verteilungsspielraum des Staates. Diese Idee findet sich auch in den Begründungen für Konjunkturpakete in Krisenzeiten. Die Bewertung der Erfolgsaussichten der jeweiligen Maßnahmen oder deren Unterlassung ist in vielen Fällen offensichtlich schwierig und wird in Politik und Wissenschaft ausgiebig diskutiert.
Zwillingsdefizit
Wenn in einem Land sowohl ein Haushaltsdefizit des Staates als auch ein Leistungsbilanzdefizit besteht, spricht man von einem Zwillingsdefizit. Die zunehmende Staatsverschuldung wird in dieser Situation teilweise über Auslandskredite finanziert. Dies ist nur möglich, solange die ausländischen Investoren Vertrauen darin haben, dass der Wechselkurs der Währung des Staates stabil ist. Fällt das Vertrauen weg, so ist es notwendig, entweder die Zinsen zu erhöhen oder den Inlandskonsum einzuschränken, was wiederum Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum hat. Im Extremfall trägt die Staatsverschuldung damit zum Entstehen von Finanzkrisen bei.
Rechtliche Begrenzung der Staatsverschuldung
{{Hauptartikel|Schuldenbremse}}
Verschiedene Länder haben in den letzten Jahren gesetzliche Begrenzungen für staatliche Neuverschuldung implementiert:
* Europäische Union: Stabilitäts- und Wachstumspakt
* Deutschland: Schuldenbremse
Staatsverschuldung im internationalen Vergleich
miniatur|Öffentliche Bruttoverschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (2010). Forderungen gegenüber Dritten, z. B. aus [[Staatsfonds, sind nicht gegen die Staatsschulden aufgerechnet.]]
miniatur|Defizit / Überschuss Europäischer Staaten in % des BIP
miniatur|Staatsverschuldung europäischer Länder in % des BIP im Jahr 2010 (lt. [[Internationaler Währungsfonds|IWF)]]
miniatur|Entwicklung der Schuldenquote europäischer Staaten in % des BIP
Um die Staatsverschuldung verschiedener Länder vergleichen zu können, muss berücksichtigt werden, dass die Volkswirtschaften unterschiedlich groß sind. Deshalb setzt man die Gesamtverschuldung in Bezug zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Beispiel: Deutschlands Staatsverschuldung beträgt 83 % des BIP (2011). Das heißt: Die gesamte Volkswirtschaft müsste 10 Monate arbeiten und die Erlöse vollständig an die Gläubiger des deutschen Staats abgeben, um die Staatsschuld zu tilgen.
Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds vom September 2011 lag bei 46 von 171 Ländern die Schuldenquote über der Grenze von 60 % vom BIP (Maastrichtkriterien), unterhalb derer im Allgemeinen die Staatsschulden als unkritisch gelten. Bei 13 Ländern davon lag sie sogar über 100 %. Bei der Hälfte der 171 vom Internationalen Währungsfonds gelisteten Länder lag die Schuldenquote bei unter 44 %.
Während in den Jahren von 2000 bis 2007 in 91 Ländern die Schuldenquote reduziert werden konnte stieg sie in 24 Ländern an, in 30 Ländern blieb sie etwa gleich (weniger als 5 Prozentpunkte Veränderung). Von 2007 bis 2011 stieg die Schuldenquote weltweit dagegen in 83 Ländern an, während sie in 39 Ländern reduziert werden konnte und in 48 Ländern etwa gleich blieb. Diese Unterschiede in der Schuldenentwicklung lassen sich auf die Finanzkrise ab 2007 und die anschließende Staatsschuldenkrise im Euroraum zurück führen von denen weltweit viele Länder direkt oder indirekt betroffen sind.
Siehe hierzu die Liste der Länder nach Staatsschuldenquote.
Es gibt - wenige - Länder ohne Staatsverschuldung, eines davon ist Liechtenstein.
Staatsverschuldung in entwickelten Ländern
{{Lückenhaft|Aktuellere Werte und fehlende Daten für USA, Japan und Schweiz.}}
In der Geschichte waren Kriege und Wirtschaftskrisen die wesentlichen Antriebskräfte für steigende Verschuldung. Die Phase des Wirtschaftswachstums vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis Anfang der 1970er-Jahre ermöglichte den meisten Industrieländern einen Schuldenabbau. Danach stieg die Verschuldung in fast allen OECD-Ländern bis 1996 rasant an; danach sank sie wieder leicht. Wichtigster Grund für den starken Anstieg deutscher Staatsschulden in den 1990er Jahren war die Wiedervereinigung. Der Durchschnitt der OECD-Staaten lag 2001 bei 64,6 % (bei starken Unterschieden: Australien 20,9 %, Japan 132,6 %, Deutschland 60,2 % nach OECD-Kriterien). Die Finanzkrise ab 2007 hat die Verschuldung in den Euro-Ländern im Schnitt auf knapp 85 Prozent des BIP in die Höhe getrieben (vor der Krise: 70 Prozent).{{Tagesschau|ID=rekordverschuldung112|Beschreibung=Größter Schuldenberg der Bundesrepublik.|AlteURL=http://www.tagesschau.de/inland/rekordverschuldung112.html}} tagesschau, 11. März 2010.
Die Tabelle gibt den staatlichen Schuldenstand (brutto, ohne Gegenrechnung von staatlichen Forderungen an Dritte) relativ zum jeweiligen BIP aus den Jahren 2009 und 2008 wieder. Rot und orange markierte Zahlen liegen über den durch die Maastricht-Kriterien festgelegten Defizitgrenze von 3 % (Neuverschuldung) bzw. der Gesamtverschuldungsgrenze von 60 %.
{| class="wikitable sortable" style="text-align:right"|- class="hintergrundfarbe5"
! style=text-align:left rowspan="2" | {{Farbindex|B3B7FF|EZ16}}
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{{Farbindex|ffffff|nicht EU27}}
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in Mrd.Eurostat-Datenbank: [http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=nama_gdp_k&lang=de BIP und Hauptkomponenten - Volumen], BIP zu Marktpreisen, Einheit: „Mio. Euro“.
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|- class="hintergrundfarbe5"
! colspan="2" | in Mrd.
! colspan="2" | im Verhältnis zum BIPEurostat-Datenbank: [http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=gov_dd_edpt1&lang=de Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten], Einheit: Prozent des BIP.
! colspan="2" | in Mrd.Eurostat-Tabelle: [http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/refreshTableAction.do?tab=table&plugin=1&pcode=teina225&language=de Bruttoverschuldung des Staates], Einheit: „Mio. Euro“ und „Prozent des BIP“.
! colspan="3" | im Verhältnis zum BIP
! colspan="2" | pro EinwohnerEurostat-Datenbank: [http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&init=1&language=de&pcode=tps00001&plugin=1 Bevölkerung am 1. Januar]
|- class="hintergrundfarbe5"
! style=text-align:left | Staat
! class="unsortable" | 2009 !! class="unsortable" | 2008
! class="unsortable" | 2009 !! class="unsortable" | 2008
! 2009 !! 2008
! class="unsortable" | 2009 !! class="unsortable" | 2008
! 2010 !! 2009 !! 2008
! class="unsortable" | 2009 !! class="unsortable" | 2008
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| 22,6 || 18,6
| bgcolor=#ffff9f| 41,0 % || bgcolor=#ffff9f| 35,5 % || 27,7 %
| 4.172,9 || 3.446,2
|-
| style=text-align:left class="hintergrundfarbe6" | {{SortKey|1130|Luxemburg}}
| 37,8 || 39,3
| -0,3 || 1,1
| bgcolor=#ffff9f| -0,7 % || 2,9 %
| 5,5 || 5,4
| bgcolor=#c0ffc0| 19,1 % || bgcolor=#c0ffc0| 14,8 % || 13,7 %
| 11.071,9 || 11.122,4
|-
| style=text-align:left class="hintergrundfarbe6" | {{SortKey|1140|Slowenien}}
| 34,9 || 37,1
| -1,9 || -0,6
| bgcolor=#ffd8b0| -5,5 % || -1,7 %
| 12,5 || 8,4
| bgcolor=#ffff9f| 38,8 % || bgcolor=#ffff9f| 35,3 % || 22,6 %
| 6.159,8 || 4.173,1
|-
| style=text-align:left class="hintergrundfarbe6" | {{SortKey|1150|Zypern}}
| 16,9 || 17,2
| -1 || 0,2
| bgcolor=#ffb0b0| -6,1 % || 0,9 %
| 9,5 || 8,3
| bgcolor=#ffd8b0| 61,5 % || bgcolor=#ffff9f| 58,5 % || 48,4 %
| 11.955,5 || 10.575,6
|-
| style=text-align:left class="hintergrundfarbe6" | {{SortKey|1160|Malta}}
| 5,7 || 5,7
| -0,2 || -0,3
| bgcolor=#ffd8b0| -3,8 % || -4,5 %
| 3,9 || 3,6
| bgcolor=#ffd8b0| 69,0 % || bgcolor=#ffd8b0| 67,8 % || 63,7 %
| 9.545,2 || 8.840,1
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2010|Vereinigtes Königreich (in GBP)}}
| 1.395,9 || 1.448,4
| -160,3 || -71,4
| bgcolor=#ffb0b0| -11,5 % || -4,9 %
| 950,4 || 753,6
| bgcolor=#ffd8b0| 79,9 % || bgcolor=#ffd8b0| 69,6 % || 52 %
| 15.419,2 || 12.318,3
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2020|Polen (in PLN)}}
| 1.342,6 || 1.272,8
| -95,7 || -46,9
| bgcolor=#ffb0b0| -7,1 % || -3,7 %
| 684,4 || 600,8
| bgcolor=#ffff9f| 54,9 % || bgcolor=#ffff9f| 50,9 % || 47,2 %
| 17.945,4 || 15.763,3
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2030|Schweden (in SEK)}}
| 3.057,1 || 3.154,6
| -16,7 || 77,7
| bgcolor=#ffff9f| -0,5 % || 2,5 %
| 1.293,8 || 1.207,5
| bgcolor=#ffff9f| 39,7 % || bgcolor=#ffff9f| 42,7 % || 38,3 %
| 139.769,3 || 131.497,8
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2040|Dänemark (in DKK)}}
| 1.657,9 || 1.737,4
| -45,1 || 59
| bgcolor=#ffff9f| -2,7 % || 3,4 %
| 689 || 593,8
| bgcolor=#ffff9f| 43,7 % || bgcolor=#ffff9f| 41,8 % || 34,2 %
| 125.019 || 108.440,6
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2050|Tschechische Republik (in CZK)}}
| 3.627,2 || 3689
| -215 || -100,3
| bgcolor=#ffd8b0| -5,9 % || -2,7 %
| 1.282,3 || 1104,9
| bgcolor=#ffff9f| 37,6 % || bgcolor=#ffff9f| 34,4 % || 30 %
| 122.501,6 || 106.434,9
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2060|Rumänien (in RON)}}
| 491,3 || 514,7
| -40,8 || -27,9
| bgcolor=#ffb0b0| -8,3 % || -5,4 %
| 116,5 || 68,5
| bgcolor=#ffff9f| 31,0 % || bgcolor=#c0ffc0| 23,6 % || 13,3 %
| 5.420,2 || 3.183,3
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2070|Ungarn (in HUF)}}
| 26094,8 || 26.543,3
| -1.055,7 || -1.014,8
| bgcolor=#ffd8b0| -4 % || -3,8 %
| 20.421,3 || 19.348
| bgcolor=#ffd8b0| 81,3 % || bgcolor=#ffd8b0| 79,7 % || 72,9 %
| 2.035.820,1 || 1.926.058
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2080|Bulgarien (in BGN)}}
| 66,3 || 66,7
| -2,6 || 1,2
| bgcolor=#ffd8b0| -3,9 % || 1,8 %
| 9,8 || 9,4
| bgcolor=#c0ffc0| 16,3 % || bgcolor=#c0ffc0| 14,6 % || 14,1 %
| 1.287,7 || 1.228,9
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2090|Litauen (in LTL)}}
| 92,4 || 111,2
| -8,2 || -3,6
| bgcolor=#ffb0b0| -8,9 % || -3,3 %
| 27,1 || 17,4
| bgcolor=#ffff9f| 38,0 % || bgcolor=#c0ffc0| 29,4 % || 15,6 %
| 8.091,4 || 5.161,4
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2100|Lettland (in LVL)}}
| 13,2 || 16,3
| -1,2 || -0,7
| bgcolor=#ffb0b0| -9 % || -4,1 %
| 4,8 || 3,2
| bgcolor=#ffff9f| 44,7 % || bgcolor=#ffff9f| 36,7 % || 19,5 %
| 2.115,2|| 1.400,8
|-
| style=text-align:left bgcolor=#D7DBFF | {{SortKey|2110|Estland (in EEK)}}
| 214,8 || 251,5
| -3,7 || -6,9
| bgcolor=#ffff9f| -1,7 % || -2,7 %
| 15,5 || 11,6
| bgcolor=#c0ffc0| 6,7 % || bgcolor=#c0ffc0| 7,2 % || 4,6 %
| 11.564,3|| 8.650,7
|-
| style=text-align:left | {{SortKey|3010|USA (in USD)}}
| ||
| ||
| ||
| 12.311,3|| 10.699,8
| bgcolor=#ffb0b0| 98,5 % || bgcolor=#ffd8b0| 89,9 % || 76,1 %
| 39.488,3|| 35.315,3
|-
| style=text-align:left | {{SortKey|3020|Japan (in JPY)}}International Monetary Fund: [http://www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2012/01/weodata/weorept.aspx?sy=2008&ey=2017&scsm=1&ssd=1&sort=country&ds=.&br=1&pr1.x=34&pr1.y=10&c=193%2C158%2C122%2C542%2C124%2C137%2C156%2C181%2C423%2C138%2C935%2C196%2C128%2C142%2C939%2C182%2C172%2C576%2C132%2C936%2C134%2C961%2C174%2C184%2C532%2C144%2C176%2C146%2C178%2C528%2C436%2C112%2C136%2C111&s=GGXWDG%2CGGXWDG_NGDP&grp=0&a= World Economic Outlook Database, April 2012]
| ||
| ||
| ||
| ||
| bgcolor="#ffb0b0"| 215,3 % || bgcolor="#ffb0b0"| 210,2 % || 191,8 %
| ||
|-
| style=text-align:left | {{SortKey|3030|Schweiz (in CHF)}}Eidgenössische Finanzverwaltung EFV: [http://www.efv.admin.ch/d/downloads/finanzstatistik/Berichterstattung/2010/FS_ZB_2010_Web_d.pdf]Finanzstatistik der Schweiz 2010, Zwischenbericht 2012, Seite 3
| 538,4|| 541,5
| 13,6|| 4,4
| bgcolor=#c0ffc0 | 2,5 % || 0,8 %
| 208,9|| 222,5
| bgcolor=#ffff9f | 37,9 % || bgcolor=#ffff9f | 39,0 % || 40,8 %
| ||
|}
Die Staaten sind innerhalb ihrer „Farbzugehörigkeit“ (EU27, EZ16, sonstige) absteigend nach dem BIP 2009 sortiert.
Hauptquelle: Eurostat: [http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-22042010-BP/DE/2-22042010-BP-DE.PDF Pressemitteilung 55/2010 22. April 2010]
Weitere Quellen (bei abweichenden Werten, wurde jene aus der „Hauptquelle“ genommen):Staatsverschuldung in Entwicklungsländern
{{Hauptartikel|Staatsverschuldung der Entwicklungsländer}}
Staatsverschuldung und Ratings
Die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der umlaufenden Staatsanleihen eines Landes kommt in dessen Bonität oder Kreditwürdigkeit zum Ausdruck. Bei hoher Staatsverschuldung kann die Rückzahlungswahrscheinlichkeit sinken. Zur Einstufung der Verschuldung eines Staates als relativ hoch oder niedrig gibt es mehrere Schuldenkennzahlen. Eine Reihe entwickelter Länder wird von den privaten internationalen Rating-Agenturen als sehr kreditwürdig eingestuft, weil ihre im Bruttosozialprodukt ausgedrückte Wirtschaftsleistung als schuldenadäquat angesehen wird. Einige Industrieländer erhalten deshalb für ihre Staatsanleihen von den Rating-Agenturen den höchstmöglichen Ratingcode Aaa (Moody's), AAA (Standard & Poor's) und AAA (Fitch Ratings). Aber auch hier können wegen teilweise exzessiver Schuldenpolitik und möglicherweise weniger dynamisch verlaufender Wirtschaftsleistung Herabstufungen des Ratings drohen.
Dabei wird insbesondere die Schuldentragfähigkeit untersucht, die die Schulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt oder den Staatseinnahmen sieht. Schuldentragfähigkeit ist gerade noch vorhanden, wenn
* eine Schuldenquote unterhalb von 200-250 % (bei Barwertkalkulation (Net Present Value; NPV)) der Staatseinnahmen,* ein Schuldendienstdeckungsgrad unter 20-25 % der Staatseinnahmen,
* ein Verhältnis der Schulden (NPV) zu den Staatseinnahmen von 280 % und zusätzlich hohe Steueraufbringungsbemühungen (Steuereinnahmen/Bruttoinlandsprodukt >20 %)
nachgewiesen werden kannIWF und Weltbank, Debt Sustainability Analysis for the Heavily Indebted Poor Countries, Januar 1996, S. 2 und das Verhältnis
* Schulden/Exporterlöse 150 %
nicht überschritten wird.
Für Entwicklungsländer wird die Schuldenaufnahme zusätzlich zur tendenziell geringeren Bonität noch durch das Problem des Original Sin erschwert.
Siehe auch
* Liste der europäischer Länder nach Staatsschuldenquote
* Verschuldungsgrad
* Schuldendienstquote
* Schuldenerlass
* Zinseszins
* Schuldenuhr
Weblinks
International:
* Eurostat: [http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&init=1&language=de&pcode=teina225&plugin=1 Staatsverschuldung der Euroraum-Länder in % des BIP] (1999-2010) - tabellarisch, grafisch und kartographisch
* The World Factbook: [https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/fields/2186.html Staatsschuldenquote, alphabetisch nach Ländern]
Deutschland:
* Bund der Steuerzahler: [http://www.steuerzahler.de/ Schuldenuhr der Bundesrepublik Deutschland]
* [http://www.haushaltssteuerung.de/staatsverschuldung-deutschland.html Staatsverschuldung in Deutschland (differenziert nach Bund, Ländern, Kommunen)]
Österreich:
* Statistik Austria: [http://www.statistik.at/web_de/statistiken/oeffentliche_finanzen_und_steuern/maastricht-indikatoren/oeffentlicher_schuldenstand/index.html Öffentlicher Schuldenstand]
* [http://staatsschulden.at/ Schuldenuhr der Republik Österreich]
Schweiz:
* Bundesamt für Statistik: [http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/18/03/blank/key/schulden.html Schulden des Sektors Staat]
Literatur
* Hans Apel: Staat ohne Maß. Finanzpolitik in der Sackgasse. Econ, Düsseldorf/München 1997, ISBN 3-430-11066-1.
* Horst Böttcher: Mühlsteine. Staatsschulden und Zinslasten. Servicia, Bad Soden 1996, ISBN 3-9804200-0-0.
* David Graeber: Debt: The First 5,000 Years, Melville House 2011, ISBN 978-1933633862
* Friedrich Halstenberg: Staatsverschuldung Eine gewagte Finanzstrategie gefährdet unser Gemeinwesen. Klartext Verlag, 2001, ISBN 3-88474-966-8
* Kai A. Konrad/Holger Zschäpitz: Schulden ohne Sühne. Warum der Absturz der Staatsfinanzen uns alle trifft, C. H. Beck, München 2010 ISBN 978-3-406-60688-5
Einzelnachweise
Kategorie:Volkswirtschaftliche Kennzahl
ar:دين عامbg:Държавен дълг
ca:Deute públic
cs:Státní dluh
da:Statsgæld
el:Δημόσιο χρέος
Government debt
es:Deuda pública
eu:Zor publiko
fi:Valtionvelka
Dette publique
he:חוב ציבורי
hr:Državni dug
hu:Államadósság
it:Debito pubblico
ja:公債
kk:Мемлекеттік борыш
lt:Vyriausybės skola
ms:Hutang awam
nl:Staatsschuld
no:Statsgjeld
pl:Dług publiczny
pt:Dívida governamental
ro:Datorie publică
ru:Государственный долг
sk:Dlh verejnej správy
sv:Statsskuld
tl:Pambansang utang
uk:Державний борг
ur:حکومتی قرضے
vi:Nợ chính phủ
zh:国债
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