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Strafgesetzbuch (Deutschland)

21.05.2012 @ 16:29, Alros002,

{{Infobox Gesetz
| Titel=Strafgesetzbuch
| Abkürzung=StGB
| Art=Bundesgesetz
| Geltungsbereich=Bundesrepublik Deutschland
Beachte auch §§ 3–7, 9 StGB für Auslandstaten
| Rechtsmaterie=Strafrecht
| FNA=450-2
| DatumGesetz=15. Mai 1871
(RGBl. S. 127)
als Reichsstrafgesetzbuch
| Inkrafttreten=1. Januar 1872
| Neubekanntmachung=13. November 1998
(BGBl. I S. 3322)
| Neufassung=
| InkrafttretenNeufassung=
| LetzteÄnderung=Art. 5 Abs. 3 G vom 24. Februar 2012
(BGBl. I S. 212, 248)
| InkrafttretenLetzteÄnderung=1. Juni 2012
(Art. 6 Abs. 1 G vom 24. Februar 2012)
| Außerkrafttreten=
| GESTA=N021

}}

Das Strafgesetzbuch (StGB, bei nötiger Abgrenzung auch dStGB) regelt in Deutschland die Kernmaterie des materiellen Strafrechts. Während es dazu die Voraussetzungen und Rechtsfolgen strafbaren Handelns bestimmt, ist das Verfahren zur Durchsetzung seiner Normen, das Strafverfahren, durch ein eigenes Gesetzbuch – die Strafprozessordnung – geregelt. Das Strafgesetzbuch ist seit über 140 Jahren gültig und erfuhr seitdem mehr als zweihundert Änderungen. Die meisten Änderungen betreffen den Besonderen Teil (BT).

Geschichte


Vor 1945


miniatur|hochkant|Strafgesetzbuch von 1914

Das heute für die Bundesrepublik Deutschland geltende Strafgesetzbuch geht auf das 1871 beschlossene und am 1. Januar 1872 in Kraft getretene Reichsstrafgesetzbuch für das Deutsche Reich zurück, welches wiederum im Wesentlichen mit dem Strafgesetzbuch für den Norddeutschen Bund vom 31. Mai 1870 übereinstimmte.

Nach 1945

Dieses Strafgesetzbuch unterlag nach 1945 vielen Novellierungen, mit denen der Gesetzgeber auf den rechts- und kriminalpolitischen Wandel, auf gesellschaftliche Wertvorstellungen, erkennbar gewordene Strafbarkeitslücken, aber auch auf wissenschaftliche und technische Neuerungen reagierte. Als solche Beispiele für „neuartige“ Delikte sind etwa zu nennen: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Computerbetrug, Geldwäsche, Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen.

Insbesondere ist in der Geschichte des Strafgesetzbuches unter anderem das ÿ74ÿ1. Gesetz zur Reform des Strafrechtsÿ75ÿ (1 StrRG) vom 25. Juni 1969 zu nennen. Im Allgemeinen Teil (AT) wurden statt Zuchthaus, Gefängnis, Einschließung und Haft eine einheitliche Freiheitsstrafe eingeführt und Ehrenstrafen abgeschafft. Des Weiteren zu nennen ist das 2. Gesetz zur Reform des Strafrechts (2 StrRG) vom 4. Juli 1969, das unter anderem einen neuen Allgemeinen Teil schuf, die Mindestdauer der Freiheitsstrafe auf einen Monat anhob, die Verwarnung mit Strafvorbehalt sowie das Tagessatzsystem für die Geldstrafe einführte und das Maßregelsystem neugestaltete.Tröndle: Strafgesetzbuch. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-60892-6, S. 2. Mit dem 6. Strafrechtsreformgesetz, das am 1. April 1998 in Kraft trat, wurde unter anderem der Strafrahmen bei Vermögensdelikten verringert und bei Körperverletzungsdelikten erhöht.

Aufbau

Das Strafgesetzbuch ist in zwei Hauptabschnitte unterteilt:

Allgemeiner Teil

Der Allgemeine Teil vom Strafgesetzbuch enthält die Lehre vom Verbrechen und dessen Rechtsfolgen,

und allgemeine Vorschriften zur Beurteilung der Straftat.

Hier ist Grundsätzliches geregelt, wie zum Beispiel

* Geltungsbereich des Gesetzes
* Gesetzliche Definitionen
* (Vorsatz und Fahrlässigkeit) und Schuldfähigkeit
* Täterschaft und Teilnahme (Täter, mittelbarer Täter, Mittäter, Anstiftung, Beihilfe)
* Rechtfertigungsgründe (Notwehr, Nothilfe)
* Sanktionenrecht (Geldstrafe, Freiheitsstrafe, sonstige Maßnahmen)

* Verjährung

Besonderer Teil

Dieser enthält die einzelnen Straftatbestände, geordnet nach geschützten Rechtsinteressen (sog. Rechtsgütern), zum Beispiel

* Straftaten gegen den demokratischen Rechtsstaat
* Straftaten gegen die öffentliche Ordnung (Landfriedensbruch u. a.)
* Straftaten gegen die Rechtspflege (Meineid, uneidliche Falschaussage u. a.)
* Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Kindesmissbrauch, Menschenhandel u. a.)
* Straftaten gegen die persönliche Ehre (Beleidigung, üble Nachrede u. a.)
* Straftaten gegen Leben und Gesundheit (Mord, Totschlag, Körperverletzung u. a.)
* Vermögensdelikte (Diebstahl, Betrug u. a.)
* Straftaten gegen die Umwelt (Gewässerverunreinigung, unerlaubter Umgang mit Abfällen u. a.) (siehe auch Umweltstrafrecht)
* Straßenverkehrsdelikte und sonstige gemeingefährliche Straftaten (Brandstiftung, unterlassene Hilfeleistung u. a.)

* Straftaten im Amt (Bestechlichkeit, Rechtsbeugung u. a.).

Das Strafgesetzbuch umfasst nicht sämtliche Straftatbestände. Verschiedene Delikte sind auch in anderen Gesetzen mit entsprechenden Strafbestimmungen enthalten, z. B.

* für Steuerdelikte in der Abgabenordnung
* für Rauschgiftdelikte im Betäubungsmittelgesetz und im Arzneimittelgesetz
* für spezifische Verkehrsdelikte im Straßenverkehrsgesetz
* für Waffendelikte im Waffengesetz und Kriegswaffenkontrollgesetz
* für Wettbewerbsdelikte und Verbraucherschutz im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sowie im Wirtschaftsstrafgesetz 1954
* für Delikte der Angehörigen der Bundeswehr in diesem Kontext im Wehrstrafgesetz
* für Kriegsverbrechen im Völkerstrafgesetzbuch.

* für Urheberrechtsdelikte im Urheberrechtsgesetz

Diese werden als das Nebenstrafrecht bezeichnet.

Siehe auch


* Liste der Tatbestände des deutschen Strafgesetzbuches

* Auslandsgeltung des deutschen Strafrechts

Literatur


Kommentare

Allgemeiner Teil:
* Walter Gropp: Strafrecht Allgemeiner Teil. 3. Aufl. Berlin/Heidelberg 2005.
* Volker Krey, Robert Esser: Deutsches Strafrecht Allgemeiner Teil. 4. Aufl. 2011, ISBN 978-3-17-021949-6.
* Kristian Kühl: Strafrecht Allgemeiner Teil. 6. Aufl. 2008, ISBN 978-3-8006-3258-9.
* Harro Otto: Grundkurs Strafrecht - Allgemeine Strafrechtslehre. 7. Aufl. 2004, ISBN 3-89949-139-4.
* Rudolf Rengier: Strafrecht Allgemeiner Teil. 3. Aufl. Verlag C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62040-9.
* Claus Roxin: Strafrecht Allgemeiner Teil. Bd. I, 4. Aufl. 2006, ISBN 3-406-53071-0; Bd. II, 2003, ISBN 3-406-43868-7
* Rolf Schmidt: Strafrecht Allgemeiner Teil. 10. Aufl. Rolf Schmidt, Grasberg 2011, ISBN 978-3-86651-090-6.

* Johannes Wessels, Werner Beulke: Strafrecht, Allgemeiner Teil. 40. Aufl. 2010, ISBN 978-3-8114-9753-5.

Besonderer Teil:
* Volker Krey, Manfred Heinrich: Strafrecht Besonderer Teil. Bd. 1. 14. Aufl. 2008, ISBN 978-3-17-020689-2.
* Volker Krey, Uwe Hellmann: Strafrecht Besonderer Teil. Bd. 2. 15. Aufl. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020747-9.
* Harro Otto: Grundkurs Strafrecht - Die einzelnen Delikte. 7. Aufl. De Gruyter Recht, Berlin 2005, ISBN 3-89949-228-5.
* Rudolf Rengier: Strafrecht Besonderer Teil I. 13. Aufl. Verlag C.H. Beck, 2011, ISBN 978-3-406-61498-9.
* Rudolf Rengier: Strafrecht Besonderer Teil II. 12. Aufl. Verlag C.H. Beck, 2011, ISBN 978-3-406-61497-2.
* Rolf Schmidt: Strafrecht Besonderer Teil I. 10. Aufl. Rolf Schmidt, Grasberg 2011, ISBN 978-3-86651-091-3.
* Rolf Schmidt: Strafrecht Besonderer Teil II. 10. Aufl. Rolf Schmidt, Grasberg 2011, ISBN 978-3-86651-092-0.
* Johannes Wessels, Michael Hettinger: Strafrecht Besonderer Teil/1. 34. Aufl. 2010, ISBN 978-3-8114-9757-3.

* Johannes Wessels, Thomas Hillenkamp: Strafrecht Besonderer Teil/2. 33. Aufl. 2010, ISBN 978-3-8114-9758-0.

Weblinks

  • {{§§|stgb|juris|text=StGB Gesetzestext}}

    * [http://delegibus.com/2010,1.pdf Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich vom 15. Mai 1871. Historisch-synoptische Edition. 1871-2009] – sämtliche Fassungen seit dem Inkrafttreten mit Geltungszeitraum und Synopsen

    Einzelnachweise

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