TARGET2
TARGET2 ({{lang|en|Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System}}) ist die zweite Generation des Zahlungsverkehrssystems TARGET. Es ist seit 19. November 2007 das gemeinsame Echtzeit-Brutto-Clearingsystem (RTGS)
{{Internetquelle
|hrsg = European Central Bank, Frankfurt am Main, Germany
|titel = TARGET2
|url = http://www.ecb.int/paym/t2/html/index.en.html
|zugriff = 28. März 2011
|sprache = englisch
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des Eurosystems (ESZB). Die technische Infrastruktur der Individualzahlungsverkehrssysteme der Notenbanken der Eurozone (die Zentralbanken der Mitgliedsstaaten, die den Euro eingeführt haben) und der Europäischen Zentralbank sind damit seit dem 19. Mai 2008 zusammengeführt worden. Brutto-Clearingsysteme dienen dem täglichen Transfer von Geldern zwischen den angeschlossenen Banken. „Brutto“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass jede einzelne Zahlung aus dem Zentralbankguthaben der auftraggebenden Bank ausgeführt wird.
Über TARGET2 werden Zentralbankoperationen, Euro-Überweisungen aus Großbetragszahlungssystemen im Interbankenverkehr sowie andere Euro-Zahlungen verrechnet. Die Salden der Notenbanken der Eurozone und der Europäischen Zentralbank bilden einen Teil der Nettokapitalbewegungen ab, die zwischen den Eurosystemgliedern über das Eurosystem organisiert wurden, und werden Target2-Salden genannt; die Salden der Euro-Notenbanken können positiv oder negativ sein. Alle anderen Zentralbanken, die nicht dem Eurosystem angehören, aber am Target2-System teilnehmen, müssen, wie sämtliche Geschaftsbanken, am Tagesende mindestens ausgeglichene Target2-Salden vorweisen.
Vorgeschichte
Nachdem in den ersten Jahren seit der Euroeinführung die Zentralbanken der teilnehmenden Länder ihre lokalen Clearingsysteme miteinander vernetzt hatten, wurde am 16. November 1998 (EZB/1998/NP13) das alte TARGET-Netz geschaffen. Im Herbst 2002 wurde durch einen EZB-Ratsbeschluss die Schaffung einer zweiten Generation der gemeinsamen Plattform für Zahlungen in Euro beschlossen (TARGET2).
Im Sommer 2003 erklärten die drei Zentralbanken Frankreichs ({{lang|fr|Banque de France}}), Deutschlands (Bundesbank) und Italiens ({{lang|it|Banca d’Italia}}) ihre Bereitschaft, eine solche Einheitsplattform zu installieren und zu betreiben.
Als Starttermin für die neue Plattform wurde am 26. April 2007 (EZB/2007/2) der 19. November 2007 festgelegt. Ursprünglich sollte TARGET2 schon Anfang 2007 in Betrieb genommen werden.
TARGET2-Teilnehmer
Die Europäische Zentralbank hat den Wechsel der nationalen Zahlungssysteme auf TARGET2 in vier Etappen durchgeführt.{{Internetquelle
|hrsg = European Central Bank, Frankfurt am Main, Germany
|titel = Migration to TARGET2
|url = http://www.ecb.int/paym/t2/migration/html/index.en.html
|zugriff = 14. November 2008
|sprache = englisch
}}
Nationale Zentralbanken, die nicht dem Eurosystem angehören, wie z.B. die dänische und polnische, müssen, um an dem System teilnehmen zu können, positive Target2-Salden aufweisen.
Gruppe 1 (19. November 2007)
* Österreich
* Republik Zypern
* Deutschland
* Lettland
* Litauen
* Luxemburg
* Malta
Gruppe 2 (18. Februar 2008)
* Belgien
* Finnland
* Frankreich
* Irland
* Niederlande
* Portugal
* Spanien
Gruppe 3 (19. Mai 2008)
* Dänemark
* Estland
* EZB
* Griechenland
* Italien
* Polen
Gruppe 4 (15. September 2008)
Die Gruppe 4 war für Unvorgesehenes bestimmt, wurde aber nicht benötigt, da die Migration am 19. Mai 2008 erfolgreich abgeschlossen werden konnte.
Seit dem 1. Januar 2009 ist auch die Slowakei, seit dem 1. Februar 2010 Bulgarien und seit dem 4. Juli 2011 Rumänien[http://www.punkto.ro/articles/Rumaenien_fuehrt_Target_2-Zahlungsabwicklungssystem_ein-2518.html punkto.ro vom 4. Juli 2011, abgerufen am 4. Juli 2011] angeschlossen.
Transaktionpreise
Nach einer Diskussion mit den Banken hat der EZB-Rat im Juli 2006 die Höhe der Preise entschieden. Den Teilnehmern werden zwei Modelle angeboten:[http://217.110.34.245/download/zahlungsverkehr/zv_infoblatt_target2.pdf Broschüre der Bundesbank: TARGET2 – Ein einheitliches Europa für Individualzahlungen]
# Option A: 100 Euro Fixgebühr pro Monat plus 0,80 Euro pro Transaktion
# Option B: 1250 Euro Fixgebühr pro Monat plus 0,125 bis 0,60 Euro pro Transaktion (Staffel, je nach Menge der Transaktionen)
Kritik
{{Neutralität|1=Kritik z.T. falsch und Diskussion einseitig dargestellt|3=nein}}
miniatur|links|TARGET2-Salden ausgewählter Länder im Eurosystem 2007–2012
{| class="wikitable float-right" style="text-align:center;"|+ TARGET2-Salden in Mrd. EuroInstitute of Empirical Economic Research - Universität Osnabrück: [http://www.iew.uni-osnabrueck.de/Intra_Eurosystem_balances.xlsx TARGET2-Salden im Eurosystem]
! Staat !! Dez. 2011 || März 2012
|-
| Deutschland || 463,311 || 615,592
|-
| Niederlande || 152,783 || 154,905
|-
| Luxemburg || 109,547 || 115,228
|-
| Finnland || 66,008 || 73,144
|-
| Slowakei || 13,622 || k.A.
|-
| Estland || 1,000 || k.A.
|-
! Gesamt || 806,271 || 958,869
|-
| Malta || -437 || k.A.
|-
| Slowenien || -2,733 || -5,366
|-
| Zypern || -7,908 || -7,962
|-
| Österreich || -32,126 || k.A.
|-
| Belgien || -52,845 || -38,589
|-
| Frankreich || -79,629 || -47,298
|-
| Portugal || -60,923 || -74,539
|-
| Irland || -123,681 || -99,665
|-
| Griechenland || -104,750 || -103,736
|-
| Italien || -191,379 || -270,408
|-
| Spanien || -150,831 || -276,033
|-
! Gesamt || -807,242 || -923,596
|-
|}
Die technischen Leistungen des TARGET2 wurden zu keinem Zeitpunkt kritisiert. Vielmehr war Gegenstand der Kritik die schon bei Einführung von TARGET eingeräumten wechselseitigen unbegrenzten und unbesicherten Kreditfazilitäten der Nationalen Zentralbanken des Eurosystems einerseits und der EZB andererseits.
In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18. Februar 2012 kritisiert Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, die Tatsache, dass sich in den letzten vier Jahren seit der Einführung von Target2 die Verbindlichkeiten einiger südlicher Eurostaaten bei der Deutschen Bundesbank sehr stark vergrößert haben und auch noch weiter vergrößern werden, wenn nichts unternommen wird. Das TARGET2-System ist für die Deutsche Bundesbank im Rahmen der Euro-Krise zur dauerhaften Finanzierungsquelle anderer Euro-Notenbanken geworden. [http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd-2011-Sonderausgabe1-20110624.pdf Hans-Werner Sinn und Timo Wollmershäuser: "Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB", ifo Schnelldienst 64, Sonderausgabe Juni, 2011, 29 S.][http://www.cesifo-group.de/link/NBER_wp17626_sinn_wollm.pdf Hans-Werner Sinn und Timo Wollmershäuser: "Target Loans, Current Account Balances and Capital Flows: The ECB's Rescue Facility", NBER Working Paper No. 17626, November 2011 (aktualisierte und gekürzte Version des CESifo Working Paper No. 3500, Juni 2011)] In einer Veröffentlichung des ifo-Instituts ifo Schnelldienst64. Jg., 34.–35. KW, 31. August 2011haben Helmut Schlesinger, Wilhelm Kohler, Charles B. Blankart, Manfred J. M. Neumann, Peter Bernholz, Thomas Mayer, Jochen Möbert und Christian Weistroffer, Georg Milbradt, Stefan Homburg, Friedrich L. Sell und Beate Sauer, Ingo Sauer, Jens Ulbrich und Alexander Lipponer, Christian Fahrholz und Andreas Freytag, Ulrich Bindseil, Philippine Cour-Thimann und Philipp König, Franz-Christoph Zeitler, Klaus Reeh zu diesem Problem Stellung genommen und die Kritik Sinns im Wesentlichen bestätigt.
Sinn weist nach, dass in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo ein ähnliches System zum Saldenausgleich verwendet wird, ein solches unbegrenztes Anwachsen der Salden nicht möglich ist. [http://www.voxeu.org/index.php?q=node/7708 Hans-Werner Sinn: "Fed versus ECB: How Target debts can be repaid", VOX, 10. März 2012, www.voxeu.org][http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/hans-werner-sinn-fed-versus-ezb-wie-man-target-schulden-tilgt-11663386.html Hans-Werner Sinn: "Fed versus EZB: Wie man Target-Schulden tilgt", faz.net, 26. Februar 2012]
Das ifo-Institut weist in seinem sogenannten Haftungspegel die potentielle Zahllast Deutschlands im schlimmsten Fall eines Währungszusammenbruches aus, von der ein großer Teil durch den Target2-Saldo bestimmt wird. Die Target2-Daten aller Euro-Länder werden zudem vom Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Osnabrück auf Basis der Bilanzen der einzelnen Notenbanken gesammelt und berichtet.[http://www.iew.uni-osnabrueck.de/8959.htm Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Osnabrück: Aktuelle Target-Salden im Euroraum]
Im Februar 2012 warnte der Präsident der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann in einem Brief den EZB-Präsidenten Mario Draghi vor den wachsenden Risiken innerhalb von Target2. Weidmann schlug eine Besicherung der Forderungen vor, die zu dieser Zeit gegenüber den finanzschwachen Notenbanken des Euro-Systems über 800 Milliarden Euro betrugen (davon allein für die deutsche Bundesbank 547 Milliarden Euro).spiegel.de 1. März 2012: [http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,818536,00.html Weidmann warnt Draghi vor Bilanzrisiken]spiegel.de: [http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,820706,00.html "Deutsches Sparkapital fließt in Mittelmeerländer"] (Ein Debattenbeitrag von Hans-Werner Sinn)
In einem am 12. März veröffentlichten FAZ-Gastbeitrag äußerte sich Weidmann erneut zu dem Thema, in dem er betonte, die Target2-Forderungen der Bundesbank stellen kein eigenständiges Risiko dar, "weil ich ein Auseinanderbrechen der Währungsunion schlichtweg für absurd halte.”.faz.net: [http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/standpunkt-jens-weidmann-was-steckt-hinter-den-target2-salden-11681939.htmlWas steckt hinter den Target2-Salden? ]
[http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2012/03/13/die-kehrtwende-die-keine-war-die-bundesbank-und-target2/ Olaf Storbeck (Hanelsblatt): Die Kehrtwende, die keine war – die Bundesbank und Target2] Massive Kritik zum dramatischen Anstieg der Target2-Salden in der Deutschen Bundesbank äußert der Bund der Steuerzahler in einem Einschreiben an den Präsidenten der Deutschen Bundesbank im Februar 2012. Im Zusammenhang mit dem geplanten ESM spricht er vom Versagen der Bundesregierung, zu keiner Zeit die katastrophalen Konstruktionsfehler des Target-System und anderen Fehlkonstruktionen des Euros behoben zu haben, die im Krisenfall, besonders seit 2007 zu widerrechtlichen Kapitalströmen "der schwachen Länder zu Lasten und aus Kassen der starken Zentralbanken" führen. Durch "Nichterkennen oder gar Verdrängen des TARGET-2-Problems" verspielen die verantwortlichen Politiker in Deutschland und in der Euro-Zone die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder und führen Deutschland in den politischen und wirtschaftlichen Abgrund.Der Steuerbund gibt "ergänzende und verstärkende Gefahrenpotentiale in und um
TARGET" an:
"(a) Die unsinnige Stimmrechtsverteilung in der EU, dem ESCB, und der EZB
(b) die Nichteinhaltung der Stabilitätskriterien
(c) die Nichteinhaltung von Kontrollen und Sanktionen
(d) die überwiegende Verwendung der englischen Sprache
(e) der TARGET fehlende Zwang zum regelmäßigen 1 : 1 „Inter-NCB-NCB-
Forderungsausgleich
(f) die Bereitstellung von TARGET-Tageskredit und dessen missbräuchliche Umwandlung
in unlimitierte Dauerkredite zu 1 %
(g) der wegen (a) ermöglichte und (b) durch die EZB geförderte T2-Kreditmissbrauch durch
NCBs der schwachen Euroländer." http://www.target-2.de/up/datei/buba_endfassung_06.02.2012_2.pdf,http://www.target-2.de/dokumente, http://www.target-2.de/up/datei/target_2_kurzfassung____pluenderung_der_bundesbank_22.02.2012_stand_09.03.2012.pdf
Siehe auch
* Settlement
Weblinks
*[http://www.ecb.int/ecb/legal/pdf/l_14020010524en00720086.pdf Leitlinie TARGET 26.04.2001 (EZB/2001/3)]*[http://www.ecb.int/ecb/legal/pdf/l_23720070908de00010070.pdf Leitlinie TARGET 26.04.2007 (EZB/2007/2)]
*[http://www.ecb.int/paym/t2/html/index.en.html TARGET2 bei der Europäischen Zentralbank] (englisch)
*[http://www.querschuesse.de/target2-salden/ Die Target2-Salden grafisch aufbereitet]
*[http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?lang=de&open=&func=row&tr=EU8148 Auslandsposition der Deutschen Bundesbank im ESZB]
*[http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/monatsberichte/2011/201103mb_bbk.pdf Die Entwicklung des TARGET2-Saldos der Bundesbank Monatsbericht März 2011 Seite 34 und 35]
*[http://fincake.ru/stock/reviews/56090/download/54478 Deutsche Bank Global Market Research: 10 December 2010 Economics Special Report - The Mechanics of Intra Euro Capital Flight] Darstellung des TARGET2-Mechanismus.
*[http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1209833.PDF Diskussion über TARGET2-Salden im ifo-Schnelldienst 16/2011]
*[http://www.cesifo-group.de/de/link/_Haftungspegel Der Beitrag der Target2-Salden zur Haftungssumme Deutschlands]
*[http://www.iew.uni-osnabrueck.de/8959.htm Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Osnabrück: Aktuelle Target-Salden im Euroraum]
* [http://www.target-2.de/dokumente www.target-2.de/dokumente] (Linkliste vom 'Bund der Steuerzahler Bayern e.V.)
Einzelnachweise
Kategorie:Zahlungsverkehr
Kategorie:Finanzmarktpolitik der Europäischen Union
TARGET2Trans European Automated Real Time Gross Settlement Express Transfer
fi:TARGET-järjestelmä
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