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Verachtung

20.11.2011 @ 10:02, Marcel083,

{{Dieser Artikel| beschreibt die Geringschätzung. Zum Film „Die Verachtung“ siehe dort.}}

Verachtung ist eine starke gefühlsmäßige Geringschätzung, basierend auf der Überzeugung des Unwertes der von ihr betroffenen Personen (auch Personengruppen) oder Institutionen. Nach Meyers Enzyklopädie von 1905 ist „Verachtung, das Gefühl, das der Voraussetzung persönlichen Unwertes bei sich selbst (Selbstverachtung) oder bei anderen (Verachtung anderer) entstammt“.http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Achtung Das Wort verachten stammt vom mittelhochdeutschen verahten.

Ihr Gegenteil ist die Achtung.

Entstehung


Verachtung entsteht durch die Bewertung einer anderen Person als minderwertig. In streng hierarchischen Kulturen entsteht Verachtung somit durch den sozialen Rang oder das Prestige, das eine Person innehat, und verläuft „nach unten“. In egalitären Kulturen entsteht Verachtung durch die Überzeugung, dass eine Person den sozialen Rang, den sie innehat, und das damit einhergehende Prestige nicht verdiene.Miller, W.I., The Anatomy of Disgust, Cambridge MA: Harvard University Press 1997. Sie kann sich dann also auch „von unten nach oben“ richten.

Auswirkungen


Die Hauptauswirkung von Verachtung ist eine überdauernde Abwertung der Person oder Institution in allen möglichen Bereichen und einer damit einhergehenden Nicht-Beachtung der entsprechenden Person oder sozialen Gruppe.Oatley. K./Johnson-Laird. P.N., The Communicative Theory of Emotions. Empirical Tests. Mental Models and Implications for Social Interaction, in: L.L. Martin Sr./A. Tesser (Hgg.), Striving and Feeling. Interactions among goals, affect, and emotion, Mahwah, NJ: Erlbaum 1995.

Soziologische Aspekte


Soziologisch betrachtet ist Verachtung anderer Personen als Haltung und soziale Sanktion ein zentraler Bestandteil von Schamkulturen. Als scharfe Form der Exklusion spricht Verachtung dem Verachteten Geltung, Ehre und Ansehen ab, er „verliert sein Gesicht“. (Siehe auch Demütigung.) Auch im heutigen Mitteleuropa spielen Verachtung und Achtung in einigen Subkulturen eine auffällige Rolle, dies reicht von den peer groups von Jugendlichen über das organisierte Verbrechen bis in den Wissenschaftsbetrieb der Universitäten. Verachtung von Eheleuten untereinander ist ein häufiges Frühzeichen einer späteren Trennung. Vgl. Bas Kast, Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt. Kast zitiert den Psychologen und Mathematiker John Gottmann und nennt die fünf Vorboten einer Trennung – Kritik, Verteidigung, Verachtung, Rückzug und Machtdemonstration –

„die apokalyptischen Reiter“.

In Schuldkulturen hingegen tritt die Signalisierung von Achtung und Verachtung in der sozialen InteraktionVgl. H. Ty/R. L., Achtung, in: W. Fuchs-Heinritz u. a., „Lexikon zur Soziologie“, 4. Aufl., Opladen 207, S. 12 f. – aber nicht notwendig in ihrer Bedeutung – zurück. In diesen Kulturen geht es nicht darum, dass ein Verachteter erneut Ehre gewinnt, sondern darum, dass ein „Sünder“ seine Schuld sühnt.

Die ehemalige Verachtung der „unehrlichen Berufe“ ist ein Exklusionsmerkmal der Ständegesellschaft. Bis heute trägt es zur Geringschätzung von Berufen bei, wenn deren Vertreter in Ausübung ihrer Tätigkeiten von anderen Anwesenden habituell oft behandelt werden, als ob „sie Luft seien“, z. B. Lakaien, Reinigungspersonal u. a. m. (vgl. Erving Goffman, Interaction Ritual, 1967).

Emotionspsychologische Aspekte


In der Emotionspsychologie wird Verachtung entweder als spezielle Form des EkelsEkman, P./Friesen, W.V., Unmasking the Face. A Guide to Recognizing Emotions from Facial Clues, Englewood Cliffs, New Jersey: Prentice-Hall 1975. oder von Ärger (speziell Wut)Plutchik. R., Emotion. A Psychoevolutionary Synthesis New York: Harper & Row 1980 oder als eine Mischung aus beiden EmotionenPlutchik, R., Emotions and Life. Perspectives from Psychology, Biology, and Evolution, 2002, ISBN 1-55798-949-4. betrachtet.

Nach der Ansicht einiger Emotionsforscher (z. B. Paul Ekmans) gehört Verachtung zu den menschlichen Basisemotionen, deren mimischer Ausdruck angeboren ist. Er ist in allen Kulturen gleich und wird kulturübergreifend entsprechend decodiert bzw. erkannt.z. B. Paul Ekman: Gefühle lesen – Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren, Spektrum Akademischer Verlag, München 2004, ISBN 3-8274-1494-6; [http://www.unternehmercoach.com/coach-unternehmer-buch-paul-ekman-gefuehle-lesen-emotionen-erkennen-interpretieren.htm Rezension]. Nach Anderen (z. B. Robert Plutchik) ist Verachtung keine Basisemotion, da sie aus anderen Basisemotionen (Ekel und Ärger) zusammengesetzt sei.Vgl. z. B. Robert Plutchik: Emotions and Life a.a.O.; s. auch [http://www.fractal.org/Bewustzijns-Besturings-Model/Nature-of-emotions.htm Plutchiks Circumplex-Modell online].

Im Rahmen der modernen psychoanalytischen Neurosenlehre wird Verachtung als narzisstisch-aggressiver Affekt aufgefasst. vgl. Seminarplan Tilman Habermas (SS 2007, Uni Frankfurt): [http://www.psychoanalyse.uni-frankfurt.de/pdf/Seminarplaene/seminarplaene_ss2007/verachtung_th.pdf Verachtung – Zur Psychoanalyse einer narzisstischen Emotion] mit zahlreichen Literaturangaben (PDF) Bei Untersuchungen der Affektregulation bei Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung fand sich eine Häufung der Affekte Ekel und Verachtung.vgl. Benecke C., Dammann G. (2004): [http://www.geps.info/downloads/publikationen/T3-2.C00.pdf Nonverbales Verhalten von Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung]. In: Hermer M., Klinzing H.G. (Hrsg). Nonverbale Prozesse in der Psychotherapie (S. 261-272). Tübingen: dgvt-Verlag. (PDF)

Belletristik


Literarisch wurde die „Verachtung“ vielfach behandelt, etwa in Schillers Handschuh.

„Verächtliche Gebärde“ ist eine in vielen europäischen Sprachen benützte Metapher, zum Beispiel im Französischen „un geste de mépris“ (dt. „eine verächtliche Geste“) bei Honoré de Balzac und Émile Zola; in deutschsprachigen Texten heißt es: „mit verächtlicher Gebärde“ zum Beispiel bei Willi Bredel, Max von der Grün, Carlo Mierendorff, Otto Stoessl und Ernst Wiechert.

Redewendung


Die Redewendung „jemanden mit Verachtung strafen“ will besagen, dass man jemanden bewusst ignoriert, ihn absichtlich nicht beachtet.

Weblinks


{{Wiktionary|Verachtung}}
{{Wikiquote|Verachtung}}
* Stefan-M. Bartusch: Verachtung – eine Gefühlsbestimmung, [http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/p-z/psychiatrie-und-psychotherapie/?full=10462&printit=1 Teil 1] in: [http://www.springermedizin.at/zeitschriften---buechersuche/?q=&thema=&medium=7&jahr=2009&ausgabe=3 Psychopraxis 3/2009] vom 23. Juni 2009; [http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/p-z/psychiatrie-und-psychotherapie/?full=12850&printit=1 Teil 2] in: [http://www.springermedizin.at/zeitschriften---buechersuche/?q=&thema=&medium=7&jahr=2009&ausgabe=4 Psychopraxis 4/2009] vom 28. September 2009

*[http://www.sueddeutsche.de/wissen/2.220/gemischte-gefuehle-verachtung-eine-kalte-technik-1.1058955 Gemischte Gefühle: Verachtung, Süddeutsche Zeitung] (abgerufen am 12. Februar 2011)

Einzelnachweise


Kategorie:Emotion

Kategorie:Soziologie

ca:Menyspreu
Contempt
eo:Malrespekto
es:Desprecio
Mépris (émotion)
he:בוז
it:Vilipendio
lt:Panieka
no:Forakt
pl:Pogarda (uczucie)
pt:Desprezo
ru:Презрение
yi:פאראכטונג

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