Navigation


Verein für Socialpolitik

30.03.2012 @ 21:31, ,

{| class="wikitable float-right"
|+ Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik
!Zeitraum
!Vorsitzender
|-
|1890–1917
|Gustav von Schmoller
|-
|colspan="2"|…
|-
|1987–1991
|Gernot Gutmann
|-
|1992–1996
|Wolfgang Bühler
|-
|1997–2000
|Hans-Werner Sinn
|-
|2001–2004
|Martin Hellwig
|-
|2005–2008
|Friedrich Schneider
|-
|2009-2011
|Lars-Hendrik Röller
|-
|seit 2011
|Michael C. Burda

|}

Der Verein für Socialpolitik ist eine bedeutende ökonomische Vereinigung im deutschen Sprachraum. Er hat seinen Sitz in Frankfurt am Main. Zurzeit hat er etwa 3.800 persönliche und 48 korporative Mitglieder. Der Verein gibt die Schriftenreihe „Schriften des Vereins für Socialpolitik“ (Neue Folge) und zwei Zeitschriften (German Economic Review und "Perspektiven der Wirtschaftspolitik“) heraus.

Er befasst sich in 23 ständigen Fachausschüssen mit allen Zweigen der Wirtschaftswissenschaften. Derzeitiger Vorsitzender ist Michael C. Burda.

Geschichte

Der Verein wurde 1873 gegründet. Adolf Held war seit 1873 Sekretär. Ihm gehörten Ökonomen wie Gustav von Schmoller (Vorsitzender 1890–1917), Adolf Wagner und Lujo Brentano an.

Im Zusammenhang mit dem großen Aufschwung Preußens und Deutschlands entstand eine neue Schule der Volkswirtschaftslehre, die auf historisch-psychologischem Boden eine Brücke zwischen den Manchesterliberalen und den sozialrevolutionären Ideen des aufkommenden Sozialismus zu finden suchte.
Die revolutionäre Agitation eines Ferdinand Lassalle oder Karl Marx schienen ihnen ebenso ungeeignet wie die Laissez-faire Politik der Liberalen, um die Lage der Arbeiter zu verbessern.

Die Historische Schule schuf sich in der Bildung des Vereins für Socialpolitik eine Verfassung und beeinflusste immer mehr durch ihre Schriftenpublikation das öffentliche Interesse in Deutschland und darüber hinaus.

Heinrich Bernhard Oppenheim prägte für die Mitglieder den Begriff der „Kathedersozialisten“, um sie als Vertreter eines anti-liberalen Staatsinterventionismus zu brandmarken.
Kritik an den Schattenseiten des Liberalismus wurde von den Liberalen allerdings oft pauschal als Sozialismus gewertet, auch wenn diese Kritik nicht aus dem sozialistischen Lager kam.
Laut Gustav Schmoller wollten er und die Mitglieder „auf der Grundlage der bestehenden Ordnung die unteren Klassen soweit heben, bilden und versöhnen, dass sie in Harmonie und Frieden sich in den Organismus einfügen“.
Zu der damaligen Zeit der Gewerbefreiheit waren die Rechte der Arbeiter minimal und die Behandlung vielfach menschenunwürdig.

Zudem hatten die Arbeiter bis zur Bildung des Sozialversicherungswesens in den 1880er Jahren (das wilhelminische Deutschland galt als Pioniernation der modernen Sozialpolitik) kaum eine Absicherung gegen Arbeitsunfähigkeit, Krankheit oder Arbeitslosigkeit; und schwere Verletzungen und Tot am Arbeitsplatz gehörten damals vielfach zum Arbeitsalltag.

Die Lehre der Historischen Schule fand schnell öffentliches Interesse auch über Deutschland hinaus; so in den englischen Fabiern und der nordamerikanischen "Academy of Political and Social Science".
Ihre wissenschaftlichen Arbeiten über soziale Angelegenheiten haben nicht bloß eine große Wirkung auf das damals heranwachsende Geschlecht, sondern auch auf die deutsche Politik, speziell auf Otto von Bismarck ausgeübt.

Die Vertreter dieser Schule haben die deutschen Staatswissenschaften von 1860- 1914 maßgeblich beeinflusst und auf ein viel breiteres Fundament als die rein mathematische Analyse der klassischen Volkswirtschaftslehre gestellt.

Der Verein war allerdings selbst keine Organisation der Arbeiterbewegung, nur ausnahmsweise konnten bei ihm etwa Gewerkschaftsfunktionäre selbst zu Wort kommen und ihre Positionen darlegen.
Kein Interesse bestand an der Meinung von Sozialdemokraten und sozialdemokratischen Gewerkschaftern welche zu der damaligen Zeit ein stark sozialistische Ausrichtung hatten.
Nach schweren inneren Auseinandersetzungen entwickelte sich der sozialpolitische „Agitationsverein“ zu einer politisch neutralen, fachübergreifenden Gesellschaft fort.
1936 löste sich der Verein selbst auf, um der Gleichschaltung zu entgehen.
1948 wurde er wiedergegründet.

Seit 1956 führt er den Namenszusatz „Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“.(tbc)

Preise


Der Verein vergibt jährlich die folgenden Auszeichnungen:
* Gossen-Preis für einen Wirtschaftswissenschaftler aus dem deutschen Sprachraum aus, der mit seinen Arbeiten internationales Ansehen gewonnen hat.
* Gustav Stolper-Preis für hervorragende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die mit Erkenntnissen wirtschaftswissenschaftlicher Forschung die öffentliche Diskussion über wirtschaftliche Zusammenhänge und Probleme beeinflusst und wichtige Beiträge zum Verständnis und zur Lösung ökonomischer Probleme geleistet haben.

* Reinhard Selten-Preis (Young Author Best Paper Award) für Beiträge, die sich insbesondere durch Originalität, Bedeutung der Fragestellung und saubere Methodik auszeichnen. Der mit € 3.000 dotierte Preis wird an Autorinnen oder Autoren verliehen, die unter 32 sind.

Kritik


Obwohl der Verein mit seinen rund 3.800 Mitglieder zu den größten Vereinigungen von Wirtschaftswissenschaftlern gehört, ist er in der öffentlichen Meinung kaum präsent und es lässt sich kaum politische Einflussnahme -verglichen mit der Gründerzeit- erkennen. Die Publikationen entsprechen teilweise mehr den Theorien der neoklassischen Volkswirtschaftslehre (welche seit der Finanzkrise 2008 sowohl von führenden Wirtschaftswissenschaftlern als auch von Sozialwissenschaftlern stark kritisiert wird) als der Vorstellung der Vereinsgründer. Der Internetauftritt ist veraltet und enthält weder Angaben über die Vereinsziele oder die politische Ausrichtung bzw. Wirkung.

Bekannte Mitglieder


* Otto Arendt (1854–1936), deutscher Publizist und Politiker, Mitbegründer des Vereins
* Lujo Brentano (1844-1931), deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Mitbegründer des Vereins
* Werner Ehrlicher (* 1920), deutscher Wirtschaftswissenschaftler
* Justus Haucap (* 1969), deutscher Ökonom
* Martin Hellwig (* 1949), deutscher Ökonom
* Ignaz Jastrow (1856–1937), deutscher Historiker und Sozialpolitiker
* Georg Friedrich Knapp (1842–1926), deutscher Ökonom
* Roland Kirstein (* 1965), deutscher Ökonom
* Joachim Möller (* 1953), deutscher Ökonom
* Rudolf Richter (* 1926), deutscher Ökonom
* Franz Johannes von Rottenburg (1845–1907), preußischer Jurist und Leiter der Reichskanzlei
* Alexander Rüstow (1885–1963), deutscher Sozialwissenschaftler und Ökonom
* Gertrud Savelsberg (1899–1984), deutsche Sozialwissenschaftlerin und stv. Direktorin am Institut für Weltwirtschaft
* Wolf Schäfer (* 1941), deutscher Volkswirt
* Ludwig Friedrich Seyffardt (1827–1901), deutscher Textilunternehmer und Politiker
* Gustav Schmoller (1838–1917), deutscher Ökonom
* Friedrich Schneider (*1949), deutscher Ökonom
* Gustav von Schönberg (1839–1908), deutscher Nationalökonom
* Hans-Werner Sinn (* 1948), deutscher Ökonom
* Werner Sombart (1863–1941), deutscher Soziologe und Volkswirt
* Hans-Jürgen Wagener (* 1941), deutscher Ökonom und Volkswirt
* Adolph Wagner (1835–1917), deutscher Ökonom
* Alfred Weber (1868-1959), deutscher Soziologe, Kulturphilosoph und Wirtschaftswissenschaftler

* Max Weber (1864–1920), deutscher Soziologe und Ökonom

Literatur und Quellen


* Das Archiv des Vereins für Socialpolitik wird im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland verwahrt.

* Gustav Schmoller: Grundriss der allgemeinen Volkswirtschaftslehre

Weblinks


* [http://www.socialpolitik.org Website des Vereins für Socialpolitik]

Kategorie:Internationale Vereinigung

Kategorie:Volkswirtschaftslehre

Verein für Socialpolitik
Verein für Socialpolitik
ja:社会政策学会 (ドイツ)
ru:Союз социальной политики
sv:Verein für Socialpolitik

weiter

Text und Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Artikel Verein für Socialpolitik der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar, der Original-Artikel lässt sich hier bearbeiten.