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Werkzeug

19.04.2012 @ 09:36, ,

miniatur|Erfolgsmodell über Jahrtausende: der [[Faustkeil]]

Ein Werkzeug ist ein Arbeitsmittel, um auf Gegenstände (Werkstücke oder Materialien im weitesten Sinne) mechanisch einzuwirken, im weiteren Sinne für Hilfsmittel im Allgemeinen. Eine größere Menge verschiedener oder die Gesamtheit aller Werkzeuge, die nötig für eine Tätigkeit sind, nennt man Werkzeugsatz, in weiterem Sinne die Ausrüstung (in einer Werkstatt, eines Handwerkers, eines Facharbeiters). In der Industrie werden die verwendeten Werkzeuge einer Werkzeugverwaltung dokumentiert.

Zum Begriff


Das Wort ‚Werkzeug‘ tritt ab dem 12. Jahrhundert auf.{{DWB|GW17256|WERKZEUG, n. (und m.), instrumentum}} In einigen Kontexten werden Werkzeuge auch als Instrumente bezeichnet, z.B. chirurgische Instrumente oder Beobachtungsinstrumente, hier bürgert sich auch das englische Wort {{Lang|en|tool}} ein. Für die Ausrüstung{{DWB|GA08760|AUSRÜSTUNG, f. instructio, armatura|kurz}}, den für eine Aufgabe notwendigen Satz an Werkzeug, ist auch Instrumentarium, oder als Sammelbegriff der Apparat, und der englische Ausdruck {{Lang|en|Equipment}} in Gebrauch. Veraltet steht auch das Rüstzeug{{DWB|GR09945|RÜSTZEUG, n., in älterer sprache auch m.|kurz}} (vgl. Rüstung), zu Zeug, dem Wort für {{"|Sächliche Konkreta}}{{DWB|GZ03964|ZEUG, n., m., Sammelwort für sächliche Concreta|kurz}}, das auch in ‚Werkzeug‘ steckt, und zahlreichen altertümlicheren und fachsprachlichen Ausdrücken für Werkzeugsätze diverser Fachgebiete. ‚Zeug‘ selbst ist mit engl. {{lang|en|toy}}Spielzeug‘ verwandt.

Werkzeuge sind – im Unterschied zum Gerät – meist einfache Maschinen, also Vorrichtungen, die auf grundlegenden Prinzipien der Kräftelehre aufgebaut sind. Typische Formen der mechanischen Einwirkung sind etwa Halten, Bewegen oder Umformen, Durch-/Abtrennen, Verbinden und andere Vorgänge, die man unter dem Begriff Fertigungsverfahren zusammenfasst.

Ein weiterer Definitionsumfang umfasst Hilfsmittel jeglicher Art. Hierzu würden auch Messwerkzeuge gehören, aber auch ein mathematischer Formelsatz oder ein numerisches Modell oder eine Fähigkeit. In diesem Sinne kann das Werkzeug als Verbesserung oder Erweiterung einer vorhandenen oder als Ersatz einer fehlenden körperlichen oder geistigen Funktion interpretiert werden. Beispielsweise ist ein Hammer die Erweiterung der Faust, eine Pinzette erweitert Daumen und Finger, ein Kran leistet mehr als ein Arm, ein Speichermedium ergänzt das Gedächtnis.Beispiele in diesem Sinne geben die Gebrüder Grimm: {{"|im konkreten Sinne Gerät als Mittel zur Unterstützung oder Ersetzung der menschlichen Hand bei der Bearbeitung von Gegenständen oder Stoffen.}} {{DWB|GW17256#GW17256L2|WERKZEUG 1)|kurz}} Im allgemeinsten Sinne steht Werkzeug für „Mittel zum Zweck“, dann auch für Personen und Vorgänge im abstrakten Sinn.{{DWB|GW17256#GW17256L8|WERKZEUG 3a)|kurz}}

Die Lehre von den Werkzeugen und ihrer Anwendung ist die Technologie. Auch dieser Begriff kann über Technik hinausgehend auf die Information erweitert zur Informationstechnologie verallgemeinert sein.

Geschichte


SDatei:Canto tallado 1-Guelmim-Es Semara.jpg|Oldowan-Werkzeug von Frühmenschen
Datei:Aboriginal craft.jpg|Wurfhölzer
Datei:Haches pierre polie.jpg|Fibrolith- und Jadeit-Beile aus der Jungsteinzeit, Bretagne
Datei:Gebel el-Arak knife mp3h8783.jpg|Messer vom Gebel el-Arak, ein Prunkmesser der Prädynastik um 3300-3200 v. Chr. Elfenbeingriff und Feuersteinklinge
Datei:Werkzeuge eines Wagners.JPG|Werkzeug eines Wagners
Datei:Furniture installation tools.jpg|Werkzeugsatz

Schon natürliche Gegenstände wie Steine oder Äste werden von Menschen und auch vielen Tieren als Werkzeuge verwendet. Die gezielte Werkzeugherstellung (Anspitzen eines Astes zur Verwendung als Spieß) beherrschen neben dem Menschen nur wenige Primaten und Vogelarten (vgl. Werkzeuggebrauch bei Tieren). Bereits Schimpansen sind in der Lage, nicht nur vorhandene Dinge als Werkzeuge zu benutzen, sondern auch gezielt Werkzeuge herzustellen.

Die Geschichte der Werkzeugnutzung und -herstellung durch Menschen beginnt vor ca. 2,4 Millionen Jahren. Im Verlauf der Steinzeit wurden sehr viele der heute noch üblichen Werkzeuge entwickelt. Die ältesten Steinwerkzeuge, die das Niveau der Schimpansentechnik übertrafen, wurden vor 2,4 Millionen Jahren vermutlich durch den Homo rudolfensis hergestellt. Metalle als Material für Werkzeuge sind seit der Kupferzeit (Chalkolithikum, Äneolithikum) üblich.

Der Versuch, die körperlichen Fähigkeiten durch Werkzeuggebrauch zu steigern, kann als früher Vorläufer der heutigen Bionik gesehen werden. Neben der Selbstbeobachtung, was ohne Werkzeug nicht, mit Werkzeug aber schon gemacht werden kann, dürften auch in magischen Vorstellungen umgesetzte Versuche, sich Eigenschaften von Tieren anzueignen, über die der Mensch in seiner biologischen Ausstattung nicht verfügt, zu konkreten Ergebnissen im Sinne der Technik geführt haben. Noch heute ist für einfache traditionelle Werkzeuge und Geräte eine Vielzahl von vergleichenden Namen üblich, die auf Tiereigenschaften Bezug nehmen, wie der Bock, der nicht umfällt, oder der sprichwörtlich „reißende“ Wolf für Reißwolf oder Fleischwolf.

Einzelne Fachgebiete


Technik


Die Bearbeitung eines Werkstücks erfolgt durch ein Werkzeug, das aber wiederum durch ein Tier, einen Menschen oder eine Maschine geführt werden muss. Eine Maschine, die eigenständig eine Bearbeitung ausführt, kann also nicht als Werkzeug bezeichnet werden, wobei sich die Begrifflichkeiten überlappen, denn eine komplexe Maschine kann durchaus als Werkzeug eingesetzt werden.

Im Einzelnen steht der Begriff Werkzeug für
* Handwerkzeuge: Hammer, Feilen, Schraubendreher
* in Press- oder Walzwerken und Stanzereien verwendete Formwerkzeuge (Münzstempel, Guss- oder Pressformen),
* in Werkzeugmaschinen eingesetzte Bearbeitungswerkzeuge (Schneidwerkzeuge: Fräser, Bohrer),
* die Gesamtheit der Werkzeuge, die für eine Verrichtung gebraucht werden (z. B. das Werkzeug des Tischlers),
* in der Informatik eingesetzte Software zum Erstellen, Verwalten oder Prüfen anderer Software (z. B. Compiler, Versionsverwaltung, Debugger), auch als Softwarewerkzeug bezeichnet,
* in der Wirtschaftsinformatik als routinemäßig anwendbare, häufig als Software implementierte Methode (z. B. Analysemethode, Entwurfsmethode, Evaluierungsmethode) oder Technik (Kreativitätstechnik, Netzplantechnik, Szenariotechnik) zur Lösung eines Problems.

In Informatik und Wirtschaftsinformatik in neuerer Zeit weit verbreitet ist die Bezeichnung Werkzeugkette (toolchain) als eine Menge interagierender, vernetzter Werkzeuge verschiedener Funktionalität zur Lösung eines Gesamtproblems in einem durchgängigen Arbeitsfluss zur Verbesserung von Wirksamkeit (Effektivität) und Wirtschaftlichkeit (Effizienz) des Problemlösungsprozesses. Im Unterschied dazu: Werkzeugkasten (toolbox).

Humanwissenschaft


Um die Gesamtheit der Mittel und Hilfsmittel beim Lernen zu bezeichnen, hat sich in der Pädagogik/Erziehungswissenschaft der Begriff des Lernwerkzeugs durchgesetzt. Im Unterrichtsalltag kommen Lernwerkzeuge in Form von Heften, Füllern, Radiergummis, Linealen, Taschenrechnern und Computerprogrammen (z. B. elektronische Nachschlagewerke) etc. vor. Sie sparen Zeit, Material oder erledigen immer gleiche Abläufe. Gute Lernwerkzeuge helfen und sorgen für eine Arbeitserleichterung und tragen auch zu einer Unterstützung wichtiger Lernaktivitäten bei.

Recht


Auch die Rechtswissenschaft kennt den Begriff des Werkzeugs. So kann bei Begehen einer Straftat das Verwenden oder Beisichführen eines Werkzeugs ein qualifizierendes Tatbestandsmerkmal oder einen besonders schweren Fall (Regelbeispiel) darstellen (vgl. gefährliche Körperverletzung, schwerer Raub, besonders schwerer Fall des Diebstahls). Das Tatbestandsmerkmal ist inhaltlich nicht deckungsgleich mit dem umgangssprachlichen Werkzeugbegriff, ja kann sogar je nach Tatbestand einen unterschiedlichen Inhalt haben. Bisweilen wird von der Strafrechtswissenschaft auch der Vordermann bei der mittelbaren Täterschaft als (Tat-)Werkzeug bezeichnet. Im Staatshaftungsrecht schließlich hat die Rechtsprechung eine sog. Werkzeugtheorie entwickelt, nach der sie beurteilt, wann der Staat für die Fehler von beauftragten Privatunternehmern nach Amtshaftungsgrundsätzen haftet.

Siehe auch


* Liste der Werkzeugmaschinen
* Liste der Werkzeuge
* Persönliche Schutzausrüstung
* Mitzuführende Ausrüstung
* Werkzeuggebrauch bei Tieren
* Geschichte der Technik

* Megamaschine, soziologische Theorie nach Lewis Mumford

Literatur


* Helmar Schramm et al. (Herausg.): Instrumente in Kunst und Wissenschaft. Zur Architektonik kultureller Grenzen im 17. Jahrhundert. Berlin u. New York 2006, ISBN 978-3-11-018338-2

* Bernt Spiegel: Die obere Hälfte des Motorrads - Vom Gebrauch der Werkzeuge als künstliche Organe, Motorbuch Verlag, Stuttgart, ISBN 3-613-02268-0

Weblinks


{{Commonscat|Tools|Werkzeug}}
{{Wiktionary|Werkzeug}}

{{Wikiquote|Werkzeug}}

Einzelnachweise



ang:Tōl
ar:أداة
az:Alət
bg:Инструмент
bo:ལག་ཆ།
bs:Alat
ca:Estri
chr:ᎪᎱᏍᏗ ᎬᏔᏂᏓᏍᏗ
crh:Alet
cs:Nástroj
da:Værktøj
el:Εργαλείο
Tool
eo:Laborilo
es:Herramienta
et:Tööriist
eu:Tresna
fa:ابزار
fi:Työkalu
fiu-vro:Tüüriist
Outil
fy:Ark
gd:Acfhainn
gl:Ferramenta
he:כלי
hi:उपकरण
hr:Alat
ht:Zouti
hu:Szerszám
id:Alat
io:Utensilo
is:Verkfæri
it:Attrezzo
ja:道具
kk:Құрал
ko:도구
li:Gereidsjap
lmo:Arnes
lt:Įrankis
lv:Darbarīks
my:ကိရိယာ
nds-nl:Raaive
nl:Gereedschap
nn:Reiskap
no:Redskap
nrm:Ôti
pam:Kasangkapan
pl:Narzędzie
pt:Ferramenta
qu:Irraminta
ru:Инструмент
scn:Arnisi
sh:Alat
simple:Tool
sk:Nástroj
sl:Orodje
sr:Alat
sv:Verktyg
sw:Zana
te:సాధనసంపత్తి
tl:Kasangkapan
tr:Alet
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uk:Інструмент
vi:Dụng cụ
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