World Wide Web
{{Weiterleitungshinweis|Web und WWW|Weitere Bedeutungen sind unter Web (Begriffsklärung) und WWW (Begriffsklärung) aufgeführt.|mehrzahl=ja}}
miniatur|Das historische WWW-Logo, entworfen von [[Robert Cailliau]]Das World Wide Web [{{IPA|ˌwɜːldˌwaɪdˈwɛb}}] (kurz Web oder WWW aus dem Englischen für: „Weltweites Netz“) ist ein über das Internet abrufbares System von elektronischen Hypertext-Dokumenten, die durch Hyperlinks miteinander verknüpft sind und über die Protokolle HTTP bzw. HTTPS übertragen werden.
Zur Nutzung des World Wide Web wird ein Webbrowser benötigt, welcher die Daten vom Webserver holt und zum Beispiel auf dem Bildschirm anzeigt. Der Benutzer kann den Hyperlinks im Dokument folgen, die auf andere Dokumente verweisen, gleichgültig ob sie auf demselben Webserver oder einem anderen gespeichert sind. Dadurch ergibt sich ein weltweites Netz aus Webseiten. Das Verfolgen der Hyperlinks wird oft als Internetsurfen bezeichnet.
Das WWW wird im allgemeinen Sprachgebrauch oft mit dem Internet gleichgesetzt{{Internetquelle|url=http://www.news.de/medien/855030425/internet-und-world-wide-web-der-unterschied/1/|titel=Internet und World Wide Web – der Unterschied|hrsg=News.de|datum=2009-10-29|zugriff=2010-12-11}}, obwohl es jünger ist und nur eine von mehreren möglichen Nutzungen des Internets darstellt (so wie wiederum das Internet nur einer von verschiedenen möglichen Serververbünden ist). Es gibt durchaus Internet-Dienste, die nicht in das WWW integriert sind (am bekanntesten ist E-Mail, aber z. B. auch IRC und Telnet).
Geschichte
Entwicklung
thumb|Erster Webserver von Tim Berners-Lee
thumb|Tim Berners-Lee (2009)
Das Web entstand 1989 als Projekt an der Forschungseinrichtung CERN, in der Nähe von Genf auf schweizerischem und französischem Gebiet liegend, an dem Tim Berners-Lee ein Hypertext-System aufbaute. Das ursprüngliche Ziel des Systems war es, Forschungsergebnisse auf einfache Art und Weise mit Kollegen auszutauschen. Eine Methode dafür war das „Verflechten“ von wissenschaftlichen Artikeln – also das Erstellen eines Webs. In Berners-Lees eigenen Worten:
{{Zitat-en|The WorldWideWeb (W3) is a wide-area hypermedia information retrieval initiative aiming to give universal access to a large universe of documents.|Übersetzung=Das World Wide Web ist eine großräumige Hypermedia-Initiative zur Informationsbeschaffung mit dem Ziel, den allgemeinen Zugang zu einer großen Sammlung von Dokumenten zu erlauben.|Autor=Tim Berners-Lee}}
Das dem Hypertext zugrunde liegende Konzept stammt von früheren Entwicklungen ab, wie Ted Nelsons Projekt Xanadu, Vannevar Bushs „memex“ Maschinenidee und dem Note Code Project.
Das World Wide Web unterscheidet sich von damaligen Hypertext-Systemen (Note Code benutzte beispielsweise eine einfache und lesbare Syntax und sogar semantische Deskriptoren). Das WWW benötigt nur unidirektionale Links statt bidirektionaler, was es ermöglicht, einen Link auf eine Ressource zu setzen, ohne dass deren Besitzer eingreifen muss. Zudem, anders als andere Protokolle wie HyperCard oder Gopher, baut das World Wide Web auf einem freien Protokoll auf, was die Entwicklung von Servern und Clients ohne Beschränkungen durch Lizenzen möglich machte. Tim Berners-Lee machte das World Wide Web-Projekt am 6. August 1991 mit einem Beitrag zur Newsgroup alt.hypertext öffentlich und weltweit verfügbar.Tim Berners-Lee: [http://groups.google.com/group/alt.hypertext/msg/395f282a67a1916c WorldWideWeb - Executive Summary], 6. August 1991
Das erste Web-Anzeigeprogramm, das eher ein Browser-Editor-Hybrid war, nannte Berners-Lee einfach „WorldWideWeb“. Er hatte es im Herbst 1990 auf einem NeXT-Computer geschrieben. Später benannte er es – um Verwechslungen mit dem World Wide Web (mit Leerzeichen) zu vermeiden – in „Nexus“ um. Es konnte damals nur Text anzeigen, aber spätere Browser wie Pei Weis Viola (1992) fügten die Fähigkeit Grafiken anzuzeigen dazu. Marc Andreessen vom NCSA veröffentlichte im Jahre 1993 einen Browser namens „Mosaic für X“, der bald dem Web und auch dem gesamten Internet ungekannte Popularität jenseits der bisherigen Nutzerkreise und ein explosionsartiges Wachstum bescherte. Marc Andreessen gründete die Firma „Mosaic Communications Corporation“, später „Netscape Communication“. Mittlerweile können moderne Browser auch zusätzliche Merkmale wie dynamische Inhalte, Musik, Animationen und Videos wiedergeben.{{Internetquelle | url=http://www.heise.de/newsticker/meldung/Vor-20-Jahren-Ein-schwer-vermittelbarer-Vorschlag-und-der-Anfang-des-Web-205966.html | titel=Vor 20 Jahren: Ein schwer vermittelbarer Vorschlag - und der Anfang des Web | autor=Detlef Borchers | hrsg=heise online | datum=13. März 2009 | zugriff=2010-07-23 | sprache=de}}
Name
In Berners-Lees erstem Projektentwurf vom März 1989 hieß das Web noch Mesh (engl. Geflecht).{{Internetquelle|url=http://www.w3.org/History/1989/proposal.html|titel=Information Management: A Proposal|datum=1989-03|hrsg=CERN/W3C|autor=Tim Berners-Lee|lang=en|zugriff=2010-08-01|kommentar=siehe „Mesh“ auf der Grafik}} Der Name wurde aber schnell verworfen, da er zu sehr an Mess (engl. Unordnung) erinnert. Die folgenden Benennungsversuche Mine of Information (engl. Informations-Mine) oder The Information Mine hatten keinen Bestand, da die Abkürzungen MOI (frz. ich) und TIM zu egozentrisch wirkten. Außerdem war eine Mine ein nur teilweise geeignetes Bild, da man aus ihr bloß etwas herausholen kann, das Web dagegen sowohl Informationen liefern als auch mit ihnen befüllt werden sollte.
Schließlich legte Berners-Lee sich auf Web und World Wide Web fest, obwohl er von Kollegen gewarnt wurde, dass die im Englischen und Französischen zungenbrecherische Abkürzung WWW den Projekterfolg gefährden würde. Web erschien ihm als Bild besonders passend, da es in der Mathematik ein Netz von Knoten (engl. Nodes) bezeichnet, von denen jeder mit jedem verbunden sein kann.Berners-Lee, Fischetti 2000, S. 23.
Funktionsweise
Das WWW basiert auf drei Kernstandards:
* HTTP als Protokoll, mit dem der Browser Informationen vom Webserver anfordern kann.* HTML als Dokumentenbeschreibungssprache, die festlegt, wie die Information gegliedert ist und wie die Dokumente verknüpft sind (Hyperlinks).
* URLs als eindeutige Bezeichnung einer Ressource, die in Hyperlinks verwendet wird.
Folgende Standards kamen später dazu:
* Cascading Style Sheets (CSS) legen das Aussehen der Elemente einer Webseite fest, wobei Darstellung und Inhalt getrennt werden.* Hypertext Transfer Protocol Secure (HTTPS) ist eine Weiterentwicklung von HTTP, bei dem das Protokoll SSL zwischen TCP und HTTP geschoben wird und in der Folge der Datentransfer komplett verschlüsselt wird.
* Document Object Model (DOM) als Programmierschnittstelle für externe Programme oder Skriptsprachen von Webbrowsern.
Nicht vom W3-Konsortium standardisiert ist die am weitesten verbreitete Skript- bzw. Makrosprache von Webbrowsern:* JavaScript ist eine Skriptsprache mit Anweisungen für den Browser, mit der Programme (Skripte) eingebettet werden können. Dadurch können Webseiten mit Hilfe des Document Object Models (DOM) dynamisch geändert werden. Skripte sind üblicherweise kleine Programmschnipsel, können aber auch als Client Manager mit Hilfe des DOM die vollständige Kontrolle über die Anzeige übernehmen. Eine von Microsoft entwickelte Variante von JavaScript heißt JScript. Beide Sprachen sind sich ähnlich, allerdings nicht kompatibel zueinander. Diese Inkompatibilität der beiden Sprachen war ein entscheidender Teil des sogenannten Browserkriegs.
Das World Wide Web Consortium (auch W3C genannt), das heute vom Erfinder des WWW, Tim Berners-Lee, geleitet wird, entwickelt den HTML- und CSS-Standard; andere Standards stammen von der Internet Engineering Task Force, der ECMA oder Herstellern wie Sun Microsystems.
Das WWW wurde und wird durch andere Technologien ergänzt. Schon sehr früh wurden Bilder zur Illustration benutzt; die Formate GIF, PNG und JPEG herrschen vor.
Zudem können in Browsern zahlreiche weitere Dateitypen durch Browsererweiterungen, so genannte Plug-ins, dargestellt werden. Dadurch lassen sich Multimediainhalte von Animationen bis hin zu Musik und Videos oder ganze Anwendungen wie zum Beispiel Versicherungsrechner oder Navigationsoberflächen darstellen. Ferner ermöglichen Java-Applets das Einbetten von Programmen, die auf dem Computer des WWW-Benutzers ablaufen.
Weitere beliebte Formate sind PDF zum Anzeigen von Dokumenten bzw. Flash für interaktive Inhalte oder Animationen.
Dynamische Webseiten und Webanwendungen
{{Hauptartikel|Webanwendung}}
Mit Hilfe der dynamischen WWW-Seiten kann das WWW als Oberfläche für verteilte Programme dienen: Ein Programm wird nicht mehr konventionell lokal auf dem Rechner gestartet, sondern ist eine Menge von dynamischen WWW-Seiten, die durch einen Webbrowser betrachtet und bedient werden können. Vorteilhaft ist hier, dass die Programme nicht mehr auf den einzelnen Rechnern verteilt sind und dort (dezentral) administriert werden müssen.
Dynamische Webanwendungen werden entweder am Webserver oder direkt im Browser ausgeführt.
; Ausführen von Webanwendungen am Webserver: Der Inhalt wird durch in Skriptsprachen (wie PHP oder Perl) oder kompilierte Anwendungen (wie JSP, Servlets oder ASP.NET) geschriebene Webanwendungen erzeugt und an den Browser geliefert.
; Dynamische Websites am Client
: Der Browser erzeugt oder ändert Inhalt mittels JavaScript.
; Gemischte Ausführung
: Eine gemischte Ausführung stellt AJAX dar – hier sendet der Browser mittels JavaScript einen Request, der vom Webserver bearbeitet wird und so dynamisch Teile der HTML-Struktur erneuert.
Nachteilig sind die begrenzten Ausdrucksmöglichkeiten von WWW-Seiten, so dass Programme in Form von Internetseiten im Allgemeinen nicht so einfach bedient werden können wie konventionelle Programme. Ein Trend, der versucht, beides in Einklang zu bekommen, sind Rich Internet Applications.
Zurzeit ist zu beobachten, dass immer mehr Dienste, die ursprünglich vom WWW getrennt waren und als eigenes Programm liefen, über das WWW angeboten werden und mittels eines Browsers genutzt werden können:
So wird Webmail oft als E-Mail-Client oder WebFTP als FTP-Client genutzt; Webforen ersetzen das Usenet und Webchats den IRC.
Kompatibilität und Zugänglichkeit
Oft führten Browser-Hersteller neue Möglichkeiten ein, ohne auf eine Standardisierung zu warten. Umgekehrt werden jedoch immer noch nicht alle Teile von Standards wie HTML oder CSS korrekt implementiert. Das führt zu Inkompatibilitäten zwischen bestimmten Webseiten und manchen Browsern. Besonders „hervorgetan“ durch solche Inkompatibilitäten hatte sich zu Beginn des Internet-Booms die Firma Netscape, heute vor allem das Unternehmen Microsoft mit seinem Internet Explorer.
Außerdem ging durch die Vielzahl der Ad-Hoc-Erweiterungen von HTML ein wesentlicher Vorteil dieser Sprache verloren – die Trennung von Inhalt und Darstellung. Durch diese Trennung können die in HTML ausgezeichneten Inhalte optimal für das jeweilige Ausgabegerät – ob Bildschirm, Display des Mobiltelefons oder Sprachausgabe (für Benutzer mit Sehschwierigkeiten) – aufbereitet werden.
Das W3C und andere Initiativen treiben daher die Entwicklung in die Richtung XHTML/XML und CSS voran, um diese Vorteile von HTML wiederzuerlangen. Die fortschreitenden Bemühungen um die Barrierefreiheit von Internetseiten unterstützen diesen Trend.
Siehe auch
* Web 2.0, Semantisches Web, Linked Open Data (Transformation des World Wide Web)
* WebDAV (Protokoll)
* DHTML, SGML, SVG, Curl, XSL (Dokumentformate und Dokumentsprachen)
* CGI, PHP, Python, ASP, Apache Wicket, JSF, ColdFusion, Ruby, SSI (serverseitige Techniken)
* Java, JavaScript (clientseitige Techniken)
* Logdatei, Logdateianalyse (Auswertung)
* Webdesigner, Mediamatiker (Berufe)
* Webwissenschaft (wissenschaftliche Auseinandersetzung)
* Personal Computer
* Suchmaschine, Webverzeichnis
Literatur
* {{Literatur
| Autor=Tim Berners-Lee, Mark Fischetti
| Titel=Der Web-Report. Der Schöpfer des World Wide Webs über das grenzenlose Potential des Internets
| Verlag=Econ
| Ort=München
| Jahr=1999
| ISBN=3-430-11468-3
| Originaltitel=Weaving the Web: The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web (Paperback: 2000)
| Originalsprache=en
}}
* {{Literatur
| Autor=Christoph Meinel, Harald Sack
| Titel=[http://www.minet.uni-jena.de/~sack/WWWBuch/ WWW – Kommunikation, Internetworking, Web-Technologien]
| Verlag=Springer
| Ort=Berlin, Heidelberg, New York
| Jahr=2004
| ISBN=3-540-44276-6
}}
Weblinks
{{Commonscat}}* Tim Berners-Lee: [http://www.w3.org/History/1989/proposal.html Information Management: A Proposal], März 1989.
* [http://www.netplanet.org/geschichte/worldwideweb.shtml Die Geschichte des World Wide Web], netplanet.org
* [http://www.dejavu.org Zeitleiste der Geschichte des WWW mit Emulationen alter Dienste und Browser] (englisch)
* [http://www.w3.org World Wide Web Consortium], dort die [http://www.w3.org/History/19921103-hypertext/hypertext/WWW/TheProject.html erste WWW-Seite (Archiv)] (englisch)
* Matthias Gräbner: [http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/dl-artikel2.cgi?artikelnr=25553&mode=print Das Internet ist keine Zwiebel]. In: Telepolis, 23. Juni 2007.
Einzelnachweise
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als:World Wide Weban:World Wide Web
ang:Woruldwīd Webb
ar:شبكة عنكبوتية عالمية
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